Stanser Flugzeuge bei Bombenangriffen involviert

Pilatus-Flieger in Afghanistan: So kam SRF dahinter

Ben Heubl vom SRF-Investigativ-Team erzählt im Interview von der aufwendigen Recherche.

Pilatus-Flugzeuge waren an Luftangriffen in Afghanistan beteiligt. Im Interview erklärt Journalist Ben Heubl, wie er und sein Team die Einsätze mit weiteren Journalisten aufgedeckt haben.

Wie SRF am Mittwochmorgen berichtet hat, sind in Afghanistan bei Bomben-Angriffen auch PC-12-Flieger vom Stanser Flugzeugwerk Pilatus eingesetzt worden (zentralplus berichtete).

Aufgedeckt hat die Einsätze eine gemeinsame Recherche von SRF Investigativ, Journalisten und Journalistinnen von RTS, dem Recherchenetzwerk Lighthouse Reports und weiteren Journalisten.

Demnach haben die USA die in Afghanistan entdeckten PC-12-Maschinen von Pilatus gekauft. Anschliessend seien sie umgebaut und mit dem nötigen Equipment ausgestattet worden, um für Bomben-Angriffe Ziele auszukundschaften und die Einsätze filmen zu können. 2015/2016 haben die USA die umgebauten Flieger der afghanischen Regierung überlassen.

Zivilisten ums Leben gekommen

In der Folge seien die Flugzeuge bei Angriffen gegen die Taliban eingesetzt worden, bei denen auch zahlreiche Zivilisten getötet worden seien, heisst es von Seiten des SRF-Investigativ-Teams.

Zu dem SRF-Team, das die Einsätze aufgedeckt hat, gehört auch der Journalist Ben Heubl. Er ist Spezialist für die Arbeit mit öffentlich zugänglichen Daten.

Im schriftlich geführten Interview mit zentralplus erläutert er die aufwändigen Recherchen, die zu den Aufdeckungen geführt haben.

zentralplus: Sie sind Spezialist für die Arbeit mit öffentlich zugänglichen Daten. Was darf ich mir darunter vorstellen?

Ben Heubl: Unter offenen Daten kann man sich zum Beispiel jegliche Einträge auf sozialen Medien vorstellen. Genauso aber Wetterdaten, Flugdaten, die live aufgezeichnet werden und im Internet publiziert werden. Weiter auch offene Satellitendaten. Offene Daten heisst aber nicht, dass alle diese Daten umsonst sind. Für einige braucht man Zugriffe auf bestimmte Tools oder muss programmieren können, um die Daten richtig zu interpretieren. Die Arbeit mit offenen Daten, auch Open Source Intelligence genannt, wird für Journalisten und Journalistinnen immer wichtiger.

zentralplus: Was für Material habt ihr für die Pilatus-Recherche ausgewertet und wie schwierig war das?

Heubl: Wir haben Material von verschiedenen Soziale-Medien-Kanälen ausgewertet, von Online-Datenbanken, die Konflikte und Angriffe aufzeichnen, aber auch von Satellitenbildern. Bei der Suche nach den Daten haben wir teils komplexe Suchmethoden angewendet. Wir versuchten etwa, gelöschte Einträge wieder zu finden, suchten nach Profilen von PC-12-Piloten und recherchierten nach Hinweisen, wohin vermisste PC-12-Maschinen nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan gebracht wurden. 

zentralplus: Wie habt ihr Kontakte in afghanische Militär- und Regierungskreise geknüpft?

Heubl: Mit offenen Quellen im Internet wie sozialen Medien.

zentralplus: Können Sie anhand eines Dokuments aus der Recherche erzählen, was Sie sich bei der Auswertung alles überlegen und wie die Verifizierung gelungen ist?

Heubl: Es gab zum Beispiel ein Bild, das einen Taliban-Krieger vor einer PC-12-Maschine zeigt. Das Bild wurde vom holländischen Investigativ-Blog «Oryx» nach dem Truppenabzug gepostet. Nun mussten wir das Bild verifizieren. Zum einen ging das durch Satellitenbilder. In einer komplizierten Suche bei sozialen Medien – auch in anderen Sprachen als Deutsch – fanden wir auf Twitter einen Taliban-Kämpfer, der am gleichen Tag auch auf anderen Aufzeichnungen zu sehen war. Jetzt hatten wir weitere Videos, die zeigten, wie dieser und andere Taliban-Kämpfer in Flugzeughallen eindringen. Dort konnten wir dann auch den Verbleib einer weiteren PC-12 bestätigen, die den Taliban in die Hände gefallen war. Dass das möglich war, hatten uns Quellen schon angedeutet. Jetzt hatten wir den Beweis. 

zentralplus: Ihr habt für die Recherchen mit dem niederländischen Recherche-Team von Lighthouse Reports zusammengearbeitet. Wie kam es zu dieser Kollaboration?

Heubl: Die Idee war schon länger angedacht. Im November haben wir in einer gemeinsamen intensiven Woche mit der Recherche begonnen. Anschliessend haben wir die letzten vier Monate intensiv an dieser Recherche gearbeitet.

Hinweis: Der Titel dieses Artikels wurde zwischenzeitlich auf «Pilatus-Bomber in Afghanistan: So kam SRF dahinter» geändert. Er ist mittlerweile wieder korrigiert.

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6 Kommentare
  • Profilfoto von Beat Keiser
    Beat Keiser, 24.02.2022, 22:27 Uhr

    SRF streicht die guten Programme aus Radio und Fernsehen und bezahlt mit den gesparten Geld Journalisten die monatelang nichts besser zu haben als zu recherchieren ob Pilaus Flugzeuge Fotos von Angriffen auf die Taliban gemacht haben.
    Das ist traurig, aber die Halbierungs-Initiative kommt.

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  • Profilfoto von Wir haben die Wahl!
    Wir haben die Wahl!, 24.02.2022, 10:33 Uhr

    @Bründler
    Es ist erstaunlich und eigentlich auch bewundernswert, mit welchem Aufwand und welcher Hartnäckigkeit Sie regelmässig missionarische Feindbildbewirtschaftung gegen Links platzieren. Aber eben, auch der «Sohn eines grossartigen Pianisten» als Grossaktionär bei Pilatus macht die Sache nicht besser und auch die «Tochter von Emil Bührle» als Gründerin der «Bührle-Sammlung» ändert nichts an der Tatsache, dass an dieser Sammlung vermutlich Blut klebt, da können Sie noch so toben, wettern und recherchieren.

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    • Profilfoto von Andreas Bründler, Kriens - Bleiche
      Andreas Bründler, Kriens - Bleiche, 24.02.2022, 19:55 Uhr

      Herr Remo Genzoli: Dass sie am heutigen 24. Februar 2022, nach den heutigen Ereignissen in der Weltpolitik, diese Haltung einnehmen, erstaunt schon sehr. Gerade deshalb werde ich weiter kommentieren. Ich tobe und wettere nicht, wie sie in Ihrem Kommentar behaupten. Aber ja, ich recherchiere sehr viel. Ich gehe auch sehr oft on location. Nach Berlin, Rom, etc. und in den letzten Jahren auch oft nach New York und Washington um die Lage vor Ort kennenzulernen. Was nach heute passieren wird: Die Aufrüstung in Europa wird einen gewaltigen Schub erhalten. Und: In der letzten Zeit war ich sehr besorgt über den Ausgang der kommenden Abstimmung über die Beschaffung der F-35 Kampfflugzeuge. Dies nachdem ich viel Nein im Verwandten- und Bekanntenkreis gehört habe. Heute hat sich das geändert. Aktion führt zu Reaktion. Die GSoA steht heute sehr verloren da. Zum Glück haben wir da die Pilatus Flugzeugwerke, die im Notfall der Schweiz sehr nützlich sein kann. Die ganze Diskussion über die Bührle-Sammlung im neuen David Chipperfield Gebäude des Kunsthauses Zürich zeugt von einer unglaublichen Wohlstandsgesellschaft. Diese Art Gesellschaft läuft sich jetzt langsam aus.

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  • Profilfoto von Bomber?
    Bomber?, 23.02.2022, 20:35 Uhr

    «Pilatus-Bomber in Afghanistan», und «Anschliessend seien sie umgebaut und mit dem nötigen Equipment ausgestattet worden, um für Bomben-Angriffe Ziele auszukundschaften und die Einsätze filmen zu können». Laut Titel sind es Bomber, laut dem Text sind es Aufklärungsflugzeuge. Ist der Titel übertrieben oder stimmt die Formulierung in Text nicht? So wie ich den Text verstehe, haben diese Flugzeuge keine einzige Bombe angeworfen. Was soll dann dieser Titel?

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  • Profilfoto von Muammar Hussein
    Muammar Hussein, 23.02.2022, 20:30 Uhr

    Ganz ehrlich……. Diese «Sensationsstory» interessiert niemand und hat mit Pilatus nullkomanull etwas zu tun! Alles kann zweckentfremdet und «optimiert» werden. Wir sollten endlich lernen, Dinge zu akzeptieren, welche uns nichts angehen…… und uns nicht dauernd in alles einzumischen.

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  • Profilfoto von Andreas Bründler, Kriens - Bleiche
    Andreas Bründler, Kriens - Bleiche, 23.02.2022, 20:26 Uhr

    Warum werden hier die Pilatus Flugzeugwerke in Stans wieder zur Zielscheibe? Aha, das hat etwas mit der Bührle-Sammlung im neuen David Chipperfield-Gebäude des Kunsthauses Zürich zu tun. Sie fragen: Was? Wieso? Let me explain: Grossaktionär bei den Pilatus Flugzeugwerken in Stans ist Grazian Anda. Grazian Anda ist der Sohn des verstorbenen grossartigen Pianisten und seiner Gemahlin Hortense Anda-Bührle, die im Mai 2014 fast 88-jährig verstorben ist. Hortense Anda-Bührle war die Tochter von Emil Georg Bührle, der die Bührle-Sammlung begründet hat. Die Linke, inkl. Corinne Mauch, hat sich komplett auf die Bührle-Sammlung eingeschossen. Daher schiesst man jetzt auf alles, was irgendwie mit Bührle zu tun hat. Das ist das System der Linken. Man kann ein Maschinengewehr auch auf den Pick-up Truck montieren. Aber das ist was anderes, weil das nichts mit Bührle zu tun hat. Wir müssen uns bewusst sein: Die Linken werden nie aufhören.

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