Technologie & Digitales
Es war ein Experiment

Luzerner Kantonalbank schickt Kundinnen ins Metaverse

So sah es bei dem Vortrag der LUKB zur dritten Säule im Metaverse aus. (Bild: Screenshot)

Der Trend in Richtung Metaverse ist bis in die Zentralschweiz geschwappt. Die Luzerner Kantonalbank hat als eine der ersten Schweizer Banken Kunden in die digitale Welt geschickt.

Das Metaverse ist die dreidimensionale Erweiterung des Internets. Nutzer bewegen sich als Avatare durch computergenerierte Räume. Ingenieure könnten so zum Beispiel gemeinsam an virtuellen Prototypen arbeiten oder Maklerinnen ihre Kunden virtuell durch ein Haus führen. Experten vermuten revolutionäres Potenzial.

Doch bisher scheinen sich eher Versicherer und Banken auf die Zukunftstechnologie zu stürzen. Auch die Stadt Zug arbeitet an Projekten im Metaverse (zentralplus berichtete). Der Versicherer Smile ermöglicht seit kurzem Kundengespräche im digitalen Raum. Und auch die Luzerner Kantonalbank probierte sich bereits in der neuen Welt aus.

Ein Forschungsexperiment

14 ausgewählte Kundinnen dienten im November in einem Konferenzraum der Luzerner Kantonalbank als Versuchskaninchen. Sie lauschten einem Vortrag zum Thema Vorsorge. Doch dieser wurde nicht wie sonst vor Ort oder per Videocall gehalten, sondern mit VR-Brille im Metaverse.

Eine Gruppe von ausgewählten Kunden der LUKB lernt das Metaverse kennen.
Eine Gruppe von ausgewählten Kunden der LUKB lernt das Metaverse kennen. (Bild: Screenshot)

Hinter dem Anlass steckt das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern (HSLU). Das IFZ wollte herausfinden, ob und wie Banken das Metaverse bereits heute für Kundenevents oder Beratungsaktivitäten einsetzen können, schreibt Co-Leiter Andreas Dietrich in einem Blogartikel.

Da nur wenige mit der Technologie vertraut sind, musste das Event an einem gemeinsamen Ort stattfinden. Zur Betreuung der Kundinnen beim Umgang mit den Brillen. Wegen der hohen Bandbreite, die für die Nutzung des Metaverse nötig ist, musste die Teilnehmerzahl auf 14 beschränkt werden. Weitere Kunden schauten von daheim aus zu, allerdings zweidimensional an ihren Laptops.

Kunden bevorzugen physische Beratung

Technisch habe das Event einwandfrei funktioniert, schreibt Daniel von Arx, Mediensprecher der Luzerner Kantonalbank, auf Anfrage von zentralplus. Auch das Feedback der Kundinnen sei positiv. Gewisse Beratungssituationen wünschen sich die Befragten jedoch weiter analog.

«Inhalte können nicht 1:1 aus der realen Welt in die virtuelle Welt übertragen werden.»

Daniel von Arx, Mediensprecher der LUKB

Der virtuelle Avatar kann die persönliche Beratung nicht ersetzen, so der Tenor. «Aus den Reaktionen lässt sich schliessen, dass Kundinnen und Kunden aktuell eher noch den persönlichen Kontakt oder Videoberatung bevorzugen», sagt Daniel von Arx.

Andreas Dietrich von der HSLU erinnert sich an eine «interessante und gute Erfahrung». Die Stimme des Referenten sei stets von der «richtigen Seite gekommen» und Geschwätz mit den virtuellen Nachbarn habe es nicht gegeben. Die Kundinnen hätten allerdings bemerkt, dass der knapp 60-minütige Aufenthalt anstrengender war als ein herkömmliches Meeting.

LUKB legt Metaverse auf Eis – vorerst

«Die LUKB hat momentan keinen weiteren Metaverse-Anlass geplant», schreibt Daniel von Arx. Bei dem durchgeführten Anlass sei es darum gegangen, sich selbst ein Bild über die Entwicklungen zu machen. Die heutigen VR-Brillen seien noch «klobig» und zu teuer. Zudem habe der Test-Anlass gezeigt, dass die Technik ihre Tücken hat.

Weiteres Ergebnis des Experiments: «Inhalte können nicht 1:1 aus der realen Welt in die virtuelle Welt übertragen werden», ergänzt der Mediensprecher. Um das Potenzial von Metaverse auszuschöpfen, müsste die LUKB die Inhalte neu konzipieren und gestalten.

«Wenn Banken ihre Kunden wirklich im Metaverse beraten wollen, müssen sie die passenden Zielgruppen ansprechen.»

Forscher Andreas Dietrich

Wegen diesem Mehraufwand lassen sich durch einen Metaverse-Auftritt derzeit noch keine Kosten sparen. Zukünftig könnte das anders ein. «Je mehr Leute sich im Metaverse bewegen, desto grösser wird die Reichweite sein, um Kunden oder potenzielle Kunden zu erreichen», prognostiziert von Arx. Für die Luzerner Kantonalbank, sehe er allerdings «keine Trendwende durch das Metaverse».

Noch viele Probleme

Ähnlich sieht es Andreas Dietrich. Auf seinem Blog bemerkt er zwar positiv, dass fast alle Teilnehmenden vor Ort angaben, sich einen weiteren Anlass im Metaverse vorstellen zu können. Doch noch gäbe es viele Probleme zu lösen. Man sei «noch einige Jahre davon entfernt, dass das Metaverse fest im Alltag verankert ist».

Die grössten Herausforderungen: Technische Schwierigkeiten, die hohe benötigte Bandbreite, Anschaffungskosten und rechtliche Schwierigkeiten, im dreidimensionalen Raum Verträge zu schliessen.

«Wenn Banken ihre Kunden wirklich im Metaverse beraten wollen, müssen sie die passenden Zielgruppen ansprechen und auch die Mehrwerte nutzen», resümiert er. Ein einfaches Gespräch in einem virtuellen Raum nutze die dreidimensionalen Möglichkeiten des Metaverse nicht aus.

Die Experimente sind jedoch nicht abgeschlossen. Auf Anfrage gibt Dietrich an, mit mehreren Deutschschweizer Unternehmen aus der Finanzbranche im Kontakt zu stehen. Um auszuprobieren, was möglich ist.

Verwendete Quellen
  • Website des Departements Wirtschaft der Hochschule Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Andreas Dietrich, HSLU
  • Schriftlicher Austausch mit Daniel von Arx, LUKB
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