Technologie & Digitales
Mit Katzenroboter gegen Fachkräftemangel

Horwer Firma beliefert Gastro mit miauendem Servierwagen

Seit bald einem Jahr kurvt im Restaurant Andulino in der Mall of Switzerland, Ebikon, ein Katzenroboter um die Tische. Hinter dem miauenden Servierwagen steckt ein Unternehmen aus Horw. zentralplus hat ihn in Augenschein genommen.

Beim Begriff Roboter kommen einem meist dystopische Bilder aus Kinofilmen wie «Terminator» und «I, Robot» in den Sinn. Geradezu gegenteilig ist dann die Begegnung mit einem Roboter in der wirklichen Welt im Jahre 2022. Ein schnurrender Servierwagen fährt mit einigen vorprogrammierten Sätzen die Pizza an den Tisch (zentralplus berichtete).

Ein solcher Katzenroboter ist seit bald einem Jahr in der Mall of Switzerland im Einsatz. Doch nicht nur das Restaurant Andulino, auch das futuristische Hightech-Hotel «Das Morgen» in Vitznau setzt auf Roboter-Helfer (zentralplus berichtete). Dahinter steckt die Firma Sebotics, ein Tochterunternehmen der Precom Group AG aus Horw. zentralplus hat die Tüftler besucht und versuchte herauszufinden, was der Reiz der rollenden Katzen ist.

Als Entlastung und Marketing-Massnahme gedacht

Gleich im Eingangsbereich erblickt die Autorin einen «Bellabot», dessen Display ein schnarchendes Katzengesicht zeigt. Ob süss, ulkig oder kindisch – darüber mag man sich streiten. Wie Inhaber Thomas Holenstein erklärt, hat die Firma selbst nur wenig Einfluss auf das Design. Die Geräte werden von der chinesischen Firma Pudu Robotics hergestellt. Die Sebotics AG programmiert die Roboter und passt sie nach Möglichkeit den Wünschen der Kundinnen an.

Daraus ergäben sich viele Möglichkeiten. Nebst Anfragen von Restaurants und Hotels zeigen auch Messen, Caterer und verschiedene Veranstaltungen Interesse. «Dort dient der Roboter meist als Show-Act», wie Inhaber Thomas Holenstein sagt. Im Büro kurvt während des zentralplus-Besuchs beispielsweise ein Roboter umher, der auf seinem Display Informationen eines Autohändlers zeigt. Auf Knopfdruck führt der Roboter den Kunden anschliessend zu einem Berater.

«Die einfachen, monotonen, vielleicht auch anstrengenden Arbeiten sollen aus meiner Sicht von Robotern abgenommen werden.»

Thomas Holenstein, Inhaber Sebotics AG

Hauptaugenmerk der Firma bleibe jedoch die Gastro-Branche. Dort werden die Roboter vor allem im Service zum Tragen der Teller verwendet. Doch auch da gebe es noch andere Anwendungsmöglichkeiten. Im Hotel «Das Morgen» experimentiere man derzeit mit einem Roboter, der den Zimmerservice übernehmen solle und deshalb auch selbständig Lift fahren müsse. In einem anderen Restaurant führt ein Roboter der Sebotics AG die Gäste von der Reception jeweils zu ihrem Tisch.

Roboter sind kein Menschen-Ersatz

Die Sebotics-Roboter übernehmen also vorwiegend Service-Arbeiten. Muss sich das Service-Personal nun warm anschnallen? Thomas Holenstein verneint. Die Roboter seien mehr zur Entlastung und Unterstützung von Mitarbeitern gedacht. «Die einfachen, monotonen, vielleicht auch anstrengenden Arbeiten sollen aus meiner Sicht von Robotern abgenommen werden.»

Damit können die Katzenroboter auch Abhilfe beim Fachkräftemangel schaffen, da sie Routineaufgaben übernehmen und dadurch dem Team mehr Zeit für die Betreuung bleibt.

In Reih und Glied warten diese Roboter darauf, von ihren neuen Besitzern abgeholt zu werden.
In Reih und Glied warten diese Roboter darauf, von ihren neuen Besitzern abgeholt zu werden. (Bild: mik)

Aber überall, wo es zwischenmenschliches Gespür benötige, sei der Mensch so schnell nicht wegzudenken. Den gleichen Eindruck erhält auch die Autorin, als sie zwei Roboter beobachtet, die nicht aneinander vorbeifahren können und mit denselben Floskeln versuchen, dem jeweils anderen den Vortritt zu lassen.

Interesse von Restaurantketten und Nachbarländern

Robo-Barkeeper wie aus dem Kinofilm «Passengers» sind also nach wie vor Zukunftsmusik. Dass die heutigen Roboter durchaus ihren Reiz haben, zeigen jedoch die Zukunftspläne der Sebotics AG. Gemäss Holenstein ist das Unternehmen derzeit auf Expansions-Kurs: «Momentan haben wir Deutschland und Österreich ganz stark im Fokus.» Doch auch in der Schweiz kämen inzwischen schon grössere Ketten auf sie zu und wollten erfahren, wie sie die Roboter einsetzen könnten.

Davon zeugen die Reihen von Robotern, die im Büro auf ihre Auslieferung warten. Trotzdem erlebe das Unternehmen oft noch Berührungsängste: «Dort muss man schauen, dass man langsam mit dem Thema an die Mitarbeiter herangeht. Sonst führt das zu Überforderung und zuletzt auch Ablehnung.»

Wie die Roboter aussehen und wie die Sebotics AG sie weiterentwickeln will, erfährst du im Video.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
  • Gespräch mit Thomas Holenstein, Inhaber und Geschäftsleiter der Sebotics AG
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