Technologie & Digitales
XXL-Touchscreen in Rotkreuz

Hochschule Luzern schaut mit High-Tech-Gadget in die Zukunft

Der Datentisch wurde im Rahmen eines Pilotprojekts zum Tourismus in der Zentralschweiz ein erstes Mal ausprobiert. (Bild: Hochschule Luzern)

Die Hochschule Luzern forscht in einem neuen Labor in Rotkreuz an der Digitalisierung in der Zentralschweiz. Herzstück ist ein Gerät, das laienhaft als überdimensionales Smartphone bezeichnet werden könnte. zentralplus durfte es ausprobieren.

Wie können Tourismusströme in der Zentralschweiz besser gelenkt werden? Wie gelingt die Energiewende in den einzelnen Gemeinden? Welchen Einfluss hat der soziodemografische Wandel auf unsere Mobilität oder die Schulraumplanung?

Es sind grosse Fragen, denen sich das «Smart Region Lab» der Hochschule Luzern annimmt. Das neu gegründete Labor in Rotkreuz forscht über eine smarte und nachhaltige Entwicklung in der Zentralschweiz. Ziel dieser Initiative ist es, dass die Zentralschweiz als sowohl städtische, zugleich aber auch ländliche und alpine Region bei der Digitalisierung führend sein wird.

Nur, wie hängt das Eine, also die eingangs erwähnten, grossen Fragen, mit dem Anderen zusammen? Was haben die Tourismusströme in der Zentralschweiz mit der Digitalisierung zu tun? Das erfährt zentralplus beim Besuch im «Lab».

Überdimensionales Smartphone

Herzstück des Labors ist ein Gerät, das auf den ersten Blick wie ein überdimensionales, liegendes Smartphone daherkommt. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um einen sogenannten «Datentisch». Dieser Tisch ist ein riesiger Touch-Screen, auf dem Bildschirm zu sehen ist eine Satellitenaufnahme der Zentralschweiz. Und jetzt wird es cool. Wie bei einem Smartphone kann beliebig auf dieser Luftaufnahme navigiert werden. Mit wenigen Fingerbewegungen gelangt man so vom Hirschmatt-Quartier in Luzern nach Altdorf oder auf die Rigi.

Hat man den Raum bestimmt, den man untersuchen will, können auf der Karte verschiedenste Daten visualisiert werden. Touristenströme, Wildruhezonen, die Erreichbarkeit von Restaurants, Anzahl Tweets über ein Ort und so weiter. Zudem kann der Fokus auf der Karte mit einer Art digitalem Vergrösserungsglas auf einen ganz spezifischen Ort gelenkt werden. Zum Beispiel auf den Bundesplatz in Luzern, wo dann sofort exakte Mobilitätsdaten für diesen Ort auf dem Bildschirm aufploppen.

Mit Linsen werden Daten zu einem spezifischen Ort hervorgehoben. (Bild: ewi)

Entscheidungen auf Basis von Daten treffen

Nur, was bringt das alles? Eine lustige Spielerei für Tech-Nerds? Die Leiterin des Smart Region Labs, Ulrike Sturm, verneint. «Wir untersuchen, wie sich globale Phänomene wie der Klimawandel, die Kreativwirtschaft oder die zunehmende Mobilität auf die Zentralschweiz auswirken», sagt sie. Die Daten zu diesen Themen seien grösstenteils bereits vorhanden. Die Frage sei aber: Was machen wir mit diesen Daten?

«Wir bringen buchstäblich verschiedene Akteure an einem Tisch zusammen.»

Ulrike Sturm, Leiterin Smart Region Lab

Und um diese Frage zu beantworten, müssen die Daten erst mal einfach verständlich visualisiert werden. Dabei hilft der digitale Tisch. Wie bei einer klassischen Karte werden hier vorhandene Daten einfach und verständlich auf einen bestimmten Raum visualisiert. Im Vergleich zu einer Karte hat der Datentisch aber den grossen Vorteil, dass er interaktiv ist. Und ähnlich funktioniert wie ein Smartphone, dessen Benutzung für viele von uns so alltäglich und selbstverständlich ist, wie gehen oder atmen.

Viele Teams, ein Projekt

Im Vergleich zu einer Karte hat der Datentisch noch einen zweiten Vorteil. Er fördert die Interdisziplinarität. Diese lebt das Smart Region Lab vor. So hat das Departement für Informatik den Datentisch entwickelt. Die Projektleitung haben mit Ulrike Sturm und Jacqueline Holzer aus ganz anderen Abteilungen der Hochschule Luzern: Sturm ist Leiterin des Instituts für Soziokulturelle Entwicklung, Holzer wiederum ist Direktorin des Departements Design & Kunst. Folglich ist auch der Datentisch ein interdisziplinäres Projekt.

Das Projekt-Team von links nach rechts: Philipp Meschenmoser, Jacqueline Holzer, Ulrike Sturm und Nicole Stuber-Berries. (Bild: ewi)

«Menschen an einen Tisch zu bringen» ist bekanntlich eine Redewendung dafür, wenn mehrere Akteure mit verschiedenen Interessen gemeinsam an einer Lösung arbeiten. An den Datentischen der Hochschule Luzern wird die Redewendung zur physischen Realität: «Wir bringen buchstäblich verschiedene Akteure an einem Tisch zusammen, auf dem sich aktuelle Situationen veranschaulichen, mögliche Lösungen ableiten sowie partizipativ Entscheidungen treffen lassen», so Ulrike Sturm.

So können bis zu 80 Finger gleichzeitig auf dem Screen herumdrücken. Die Neugierde der Menschen rund um den Tisch zu moderieren, sei natürlich eine grosse Herausforderung, gibt Sturm zu. Doch der Tisch sei gerade auch dafür da, Dinge auszuprobieren und der Neugier freien Lauf zu lassen. «Das schafft neue Perspektiven auf ein bekanntes Thema. So entstehen Fragestellungen, die bisher vielleicht noch gar niemand auf dem Radar hatte», erklärt Sturm.

Pilotprojekte zu Tourismus und Energiewende

Konkret angewendet hat die Hochschule Luzern den Datentisch bisher im Rahmen eines Pilotprojekts zum Thema Tourismus. Dazu hat die Hochschule mehrere Workshops mit Vertretern der Tourismus-Branche, zum Beispiel von den Pilatus- oder den Rigi-Bahnen, organisiert.

Auf dem Tisch wurden dann Gästedaten und Bewegungsmuster visualisiert. «Tourismusverantwortliche können die Datenvisualisierungen an den Tischen nutzen, um mögliche Szenarien für die Erlebnisregion Luzern-Vierwaldstättersee zu diskutieren und Ideen für neue Angebote zu entwickeln», sagt Nicole Stuber-Berries, die dieses Pilotprojekt leitete.

Das Smart Region Lab hat unterdessen weitere Pilotprojekte angestossen, zu denen die Hochschule Luzern bereits forscht: Eines davon befasst sich mit Prozessen im Sozialbereich, für die langfristige Planung der Infrastruktur wie beispielsweise Schulen oder Altersheimen. In einem weiteren Projekt geht es um die Visualisierung von Energiedaten zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 in der Region.

Ziel sei es nun, das neue Labor einer grösseren Öffentlichkeit bekannt zu machen. So sollen in Zukunft auch die Behörden oder private Unternehmen an den Datentischen arbeiten, um die grossen Fragen unserer Gesellschaft zu lösen.

Verwendete Quellen
  • Besuch im Smart Region Lab in Rotkreuz
  • Medienmitteilung der Hochschule Luzern
  • Projekt-Webseite von Smart Region
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