Durch Enthüllungen berühmt geworden

Weltbekannter Whistleblower tritt an Zuger Konferenz auf

Whisteblower Edward Snowden hält heutzutage verschiedene Vorträge zu Privatsphäre und Datenschutz, wie hier an einer Konferenz in Florida 2021. (Bild: Wikimedia Commons/Gage Skidmore)

Im Juni treffen sich Techunternehmen unter anderem in Zug für das «Web3Fest». Im Vordergrund stehen Themen wie Blockchain und KI. Höhepunkt bildet jedoch eine Fragerunde mit Edward Snowden und Brittany Kaiser.

«Yes we scan»: Diese Abwandlung des Wahlkampfspruchs des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama ging im Sommer 2013 um die Welt – ausgelöst durch Enthüllungen eines IT-Mitarbeiters des amerikanischen Geheimdienstes NSA, die das Ausmass der Überwachung durch Regierungen und insbesondere die USA aufzeigten. Beim Whistleblower handelte es sich um den durch diese «NSA-Affäre» berühmt gewordenen Edward Snowden.

Der 40-Jährige, der seit den Enthüllungen im Exil in Russland lebt, ist nach wie vor ein gefragter Mann. Unter anderem spricht Snowden demnächst vor Techenthusiasten und -unternehmern in Zug, wie das «Crypto Valley Journal» berichtet.

Dies im Rahmen des Schweizer «Web3Fest», das vom 5. bis 13. Juni in Zürich, Zug, Basel und Genf stattfindet. Das Festival, organisiert von Inacta Ventures und Crypto Oasis, umfasst verschiedene Veranstaltungen und Redner. Auf der Themenliste stehen unter anderem künstliche Intelligenz, Blockchain, mögliche Anwendungen in Bereichen von Kunst über Gaming bis zur Finanzwelt und Nachhaltigkeit. Präsentiert in Brunches, Konferenzen und Fragerunden. Und dies – wie könnte es anders sein – unter anderem im Zuger Kryptovalley (zentralplus berichtete).

250 Franken für eine Fragerunde mit Enthüllern

Für den Freitagabend haben die Veranstalter zwei besondere Redner organisiert: die Whistleblower Edward Snowden und Brittany Kaiser. Sie werden per Video in die Zuger Shedhalle zugeschaltet, wo sie über Themen wie Datenschutz, Privatsphäre und den Einfluss von Technologien auf die Gesellschaft diskutieren. Anschliessend stellen sie sich den Fragen der Anwesenden.

Wer Snowden und Kaiser hören will, muss einiges herblättern: Das günstigste Ticket für den Abend – immerhin mit Apéro und Afterparty – kostet 250 Franken, die teurere Variante mit 3-Gang-Menü 500 Franken. Und: Die Teilnahme ist nicht garantiert. Dafür ist noch eine zusätzliche Genehmigung erforderlich. Etwas günstiger ist das Ticket für die «Unconference» am Samstag in Zürich, wo Snowden einen Vortrag über Privatsphäre in Zeiten von Blockchain, KI und Co. spricht.

Massenüberwachung durch Regierungen aufgedeckt

Dass es für die Fragerunde mit Snowden eine extra Genehmigung braucht, ist nicht verwunderlich. Denn noch immer wird der Whistleblower von den USA gesucht, wo ihm eine lange Haftstrafe droht. Offizielle US-Behörden bezichtigten ihn des «Verrats am eigenen Land» und stellten unter anderem Strafanzeige wegen Diebstahls von Regierungseigentum, unerlaubter Weitergabe von Informationen über die nationale Verteidigung sowie Weitergabe von geheimen Informationen an Dritte.

Der IT-Experte Snowden spielte Anfang Juni 2013 einem Journalisten der britischen Tageszeitung «The Guardian» und einer Dokumentarfilmerin geheime Dokumente zu, die das Ausmass der Überwachung verschiedener Regierungen bewiesen. Insbesondere der US-amerikanische Nachrichtendienst NSA und das britische Gegenstück GCHQ hatten über Jahre die E-Mails und Telefongespräche von Millionen von Menschen überwacht. Ohne dass diese sich etwas zu Schulde kommen liessen. Selbst das Handy der damaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel war jahrelang abgehört worden.

Snowden wollte daraufhin in westlichen Ländern Asyl beantragen. Wie unter anderem die «NZZ» schreibt, wiesen 21 Länder ihn ab – bis Russland ihm politisches Asyl gewährte. Inzwischen ist Snowden russischer Staatsbürger, verdient sein Geld mit Onlinevorträgen und macht sich einen Namen als Datenschützer. Dass er an einer Tech- und Kryptokonferenz auftritt, ist kein Zufall. Er bezeichnete die Kryptowährung Bitcoin in jüngster Zeit als «wichtigste monetäre Entwicklung seit der Kreierung von Münzen».

Daten von Social-Media-Profilen gesammelt – ohne deren Wissen

Brittany Kaiser war eine der Schlüsselfiguren zur Aufdeckung des Cambridge-Analytica-Datenskandals. Die heute 36-jährige Kaiser arbeitete drei Jahre lang für das Mutterunternehmen der Analysefirma Cambridge Analytica. Im Dezember 2015 wurde erstmals durch den «Guardian» bekannt, dass der damalige republikanische Präsidentschaftskandidat Ted Cruz die Firma Cambridge Analytica für seine Wahlkampagne benutzte. Dafür nutzte die Firma Daten von Millionen von Facebook-Nutzern – ohne deren Einverständnis. Später wurde bekannt, dass Donald Trump das Analyseunternehmen ebenfalls für seine Kampagne nutzte und Cambridge Analytica auch beim Brexit-Referendum seine Finger im Spiel hatte.

Brittany Kaiser setzt sich mit ihrer «Own Your Data Foundation» für Rechte an den eigenen Daten ein. Hier spricht sie am Web Summit 2019 in Lissabon, Portugal. (Bild: Wikimedia Commons/Sam Barnes)

Kaiser sagte 2018 gegenüber einem Komitee des britischen Parlaments aus, dass die Firma mithilfe von Quizzen und Umfragen, die ein Facebook-Login benötigten, persönliche Daten von Millionen von Facebook-Nutzern sammelte. Dabei sammelten sie nicht nur Daten von Umfrageteilnehmenden, sondern auch von deren Facebook-Freunden. Weiter erhielten sie auch Daten von Partnerfirmen. Inzwischen hat sich die US-Amerikanerin gleich wie Snowden als Datenschutz-Aktivistin einen Namen gemacht.

Verwendete Quellen
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