Tausende jubelten mit Meister EVZ: So schlägt sich die Party in den Coronazahlen nieder
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Am 7. Mai kam es vor der Bossard Arena zu einer spontanen Meisterfeier. (Bild: wia)

Zuger Polizei liess die Fans feiern Tausende jubelten mit Meister EVZ: So schlägt sich die Party in den Coronazahlen nieder

2 min Lesezeit 10 Kommentare 21.05.2021, 05:00 Uhr

Entgegen der Auflagen haben vor knapp zwei Wochen rund 5000 Fans den Titelgewinn des EV Zug gefeiert. Jetzt zeigt sich: Der grosse Coronakater nach der Party bleibt aus. Dennoch ist klar, dass sich mehrere Fans an der Meisterfeier mit dem Virus angesteckt haben.

Tausende feierten vor knapp zwei Wochen in Zug den Meistertitel des EVZ. Ausgelassen, friedlich und oft eng beeinander (zentralplus berichtete). Zu einem Coronaausbruch ist es deswegen nicht gekommen, wie sich jetzt abzuzeichnen scheint.

«Das Zuger Contact Tracing konnte acht Ansteckungen auf die Feierlichkeiten rund um den EVZ-Titel zurückführen», sagt der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri auf Anfrage von zentralplus. Diese Zahl müsse aber nicht unbedingt abschliessend sein, da es weitere, nicht entdeckte Ansteckungen gegeben haben könnte.

Sein Zwischenfazit: «Es ist also zu einzelnen Ansteckungen gekommen, aber anscheinend erfreulicherweise nicht zu grösseren Ausbrüchen.»

Zurückhaltung der Polizei sorgte für Kritik

Hauri führt das in erster Linie darauf zurück, dass Aktivitäten im Freien grundsätzlich weniger risikoreich sind als solche in Innenräumen. «Ausgeschlossen sind Ansteckungen aber natürlich nicht – das hat sich hier bestätigt.» Eine genaue Einschätzung sei aber schwierig, da der Kanton keine genauen Kenntnisse darüber habe, wie gut die Abstands- und Maskenregeln eingehalten worden seien.

«Auch wenn es nur zu wenigen nachgewiesenen Ansteckungen gekommen sein sollte, ist dies kein Freipass für ähnliche Anlässe.»

Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug

Laut der Zuger Polizei feierten zeitweise bis zu 5000 Fans den Titelgewinn. Die Behörden liessen das Partyvolk mehrheitlich gewähren. Doch die liberale Linie sorgte für Kritik (zentralplus berichtete).

Dass spontane Feiern im Freien nicht zwingend zu Coronaausbrüchen führen, zeigten in der Vergangenheit auch der Abstimmungssonntag im bernjurassischen Moutier, wo Ende März Tausende Pro-Jurassier den Kantonsübertritt feierten. Auch nach dem umstrittenen Sühudiumzug im Kanton Schwyz diesen Winter uferten die Coronafallzahlen nicht aus.

Was heisst das für Grossanlässe?

Daraus Erkenntnisse für weitere Lockerungen und Veranstaltungen im Allgemeinen abzuleiten, ist laut dem Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri aber nicht möglich. «Auch wenn es nur zu wenigen nachgewiesenen Ansteckungen gekommen sein sollte, ist dies kein Freipass für ähnliche Anlässe.»

Hauri plädiert deshalb dafür, auch in stabilen Coronasituationen vorsichtig zu sein. Grössere Menschenansammlungen seien nach wie vor ein Risiko, insbesondere, wenn die Teilnehmer weder Masken tragen noch Abstände einhalten. «Die vorgesehene schrittweise Öffnung wird aber nach und nach mehr und grössere Anlässe erlauben.»

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10 Kommentare
  1. Roli Greter, 21.05.2021, 13:44 Uhr

    Bei der Aufarbeitung der vergangenen 16 Monate tun mir gewisse Politiker, Organisationen, Ärzte, Medienschaffende und unzählige Arbeitgeber jetzt schon leid… Fabrizio hat das genau auf den Punkt gebracht; die Fassade bröckelt.

    1. Scharf Richter, 21.05.2021, 14:51 Uhr

      Nur gut, wird sich sicherlich bald schon eine Instanz daran machen, diese bröckelnden Geschehnisse aufzuarbeiten und Politiker, Organisationen, Ärzte, Medienschaffende und unzählige Arbeitgeber in den Senkel stellen. Ich schlage ein 2. Nürnberger Tribunal vor, mit Ihnen als unvoreingenommenem Richter.

    2. Roli Greter, 21.05.2021, 15:15 Uhr

      Bleibt zu hoffen dass sich diese Instanz auch unvorteilhaften Sarkasmusversuchen annehmen wird.

  2. Reto Graf, 21.05.2021, 13:15 Uhr

    8 von 5000 macht 0.16%, vergleicht man nun mit dem Kanton wo es rund 200 Ansteckungen bei rund 127’000 Einwohnern ergibt ? 0.16% das heisst, dass bei den 5000 genau so viele krank wurden wie die Gesamtsituation erwarten lässt.

  3. Lang Urs, 21.05.2021, 13:01 Uhr

    Woher weiss Herr Hauri, dass sich diese Personen an der Meisterfeier «angesteckt» haben? Der Statistische Erwartungswert liegt ungefähr in diesem Bereich. Wenn 5% der Zuger Bevölkerung an diesem Fest teilgenommen haben, dann sind auch 5% der Positiv Getesteten Personen an dieser Feier gewesen. Eine Korrelation begründet noch keine Kausalität. Oder anders ausgedrückt, nur weil man sich an einem vermuteten Hotspot aufgehalten hat, beweist noch nicht, dass man sich auch auf diesem Weg das Virus eingefangen hat.

  4. mebinger, 21.05.2021, 12:17 Uhr

    Wann lernen wir endlich, dass es ein ganz normaler Vorgang ist, nicht ist aussergewöhnlich, ausser unsrer Reaktion. Hätten wir früher so getestet hätten wir jedes Jahr ähnliche Zahlen gehabt und die Intensivstationen und Krematorien waren während der Saison schon immer überlastet.

  5. Fabrizio, 21.05.2021, 12:00 Uhr

    Langsam aber sicher bröckelt die Fassade.

  6. Linda Haberl, 21.05.2021, 10:13 Uhr

    ..das ist ja schön schräg, jetzt sind es 14 Tage seit der Party EVZ und die Ansteckungen im Kanton Zug sind kontinuierlich runter gegangen….

    habe extra die Statistik vom Kanton Zug angesehen

    dieser Artikel ist echt eine Negativ Propaganda. und schon sehr unschön berichtet,

    eigentlich müssten sie schreiben, für eine Party mit 5000 Leuten so wenig Ansteckungen, weil diese 8 Personen, konnten ja schon vorher positiv gewesen sein

  7. Peter Bitterli, 21.05.2021, 06:43 Uhr

    Klingt ja so, als wäre die Autorin erstaunt.

  8. Marc Mingard, 21.05.2021, 06:28 Uhr

    Hm..
    Moutier, Meisterfeier EVZ, diverse Demonstrationen..
    Daraus kann man nichts ableiten.
    Nur weiter so. Ich bin gespannt, ob wir retrospektiv Entscheidungen und vor allem Personen die diese getroffen haben in der Aufarbeitung dieser Pandemie genauso rigoros untersuchen und angehen, wie dies heute mit Massnahmenkritikern geschieht.

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