Regionales Leben

Höhere Anfälligkeit für Taucherkrankheit
Tauchunfälle im Zugersee: Im Winter ist Vorsicht geboten

  • Lesezeit: 4 min
Polizei-Taucher Daniel Zemp im Einsatz auf dem Vierwaldstättersee.
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Der Sprung ins kühle Nass will gelernt sein. (Bild: Flavia Rivola)

Gleich zweimal ist es an diesem Wochenende zu Tauchunfällen im Zugersee gekommen. Die erfahrene Zuger Tauchlehrerin Franziska Erne erklärt, wieso Taucher im Winter vorsichtiger unterwegs sein müssen.

Während die einen sich bei den ersten Schneeflocken zu Hause einigeln, nutzen andere die tiefen Temperaturen für ein Training im Zugersee (zentralplus berichtete). Auch andere Wasserratten wagen im November den Sprung ins kühle Nass: nämlich Taucher. Im Winter scheint dies jedoch nicht ganz ohne zu sein: Gleich zweimal sind an diesem Wochenende Rettungskräfte zum Zugersee ausgerückt, um Taucherinnen zu helfen.

Beim Tauchplatz Rossblatten in Walchwil hat eine 41-jährige Taucherin beim Aufstieg ihr Bewusstsein verloren (zentralplus berichtete). Am Tag darauf musste die Rega einen 21-jährigen Mann wegen Unwohlsein nach dem Tauchgang am selbigen Ort abholen (zentralplus berichtete). Zwei Unfälle beim selben Tauchplatz in so kurzer Abfolge: ein Zufall? zentralplus hat bei einer Zuger Tauchlehrerin nachgefragt.

Kälte fürs Tauchen ein zweischneidiges Schwert

Ein Faktor für die Unfälle ist die Wetterlage: «Bei der Kälte muss man etwas vorsichtiger tauchen», so die erfahrene Taucherin Franziska Erne. Einerseits sei die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt. Andererseits seien Taucherinnen anfälliger für sogenannte Dekompressionskrankheits-Symptome. Also unter anderem Müdigkeit, Juckreiz oder Muskel- und Gelenkschmerzen.

Unter Wasser ist man extrem hohem Druck ausgesetzt. Bei rund 40 Metern Tiefe ist der Druck von aussen etwa fünfmal so hoch als zu Lande. Wenn man unter Wasser einatmet, wird das Gasgemisch und insbesondere der Stickstoff mit erhöhtem Druck im Körper angesetzt. Beim Auftauchen muss dieser Stickstoff wieder abgebaut werden.

«Als Taucher ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Wenn man denkt, jaja, das geht schon, kann es gefährlich werden.»

Franziska Erne, Zuger Tauchlehrerin

Durch die Kälte wird dieser Stickstoffabbau gestört. Denn wenn Taucher bei warmen Temperaturen ins Wasser steigen, fliesst die Blutzirkulation normal. Dadurch kann der Stickstoff sich gut verteilen. Wenn man jedoch beim Auftauchen friert, zieht der Körper die Blutgefässe zusammen. Der Stickstoff kann so viel schwerer wieder entweichen. So kommt es zu Symptomen wie Müdigkeit oder Muskel- und Gelenkschmerzen. Deshalb wird es im Winter umso wichtiger, langsam und sorgfältig aufzusteigen.

Grund genug, kalte Gewässer zu meiden, könnte man meinen. Doch Erne erklärt, dass auch die Wintermonate Taucher in den Zugersee locken. «Je kälter es wird, desto klarer wird die Sicht unter Wasser.» Zudem sei die ganze Unterwasserwelt im Winter anders als im Sommer. Den Jahresverlauf bemerke man auch an der Flora und Fauna unter dem Seespiegel, so Erne.

Tauchplatz Walchwil ist imposant, aber nicht ganz ohne

Ein weiterer Faktor könnte der Standort sein. Gemäss dem Schweizer Tauchforum «Swiss Divers» sei der Platz Rossblatten in Walchwil zwar schön – benötige jedoch einiges an Taucherfahrung. Merkmal des Platzes sei dessen Steilwand unter Wasser. Auch Tauchlehrerin Erne ist beeindruckt von der Wand: «Wenn man das Matterhorn anschaut, ist man von dessen Höhe schwer beeindruckt. So ähnlich ist es mit der Steilwand in Walchwil, nur halt unter Wasser.»

«Auch bei Symptomen, die drei, vier Stunden nach dem Tauchgang auftauchen, sollte man nicht lang fackeln und diese ernst nehmen.»

Franziska Erne, Zuger Tauchlehrerin

Gerade für auswärtige Taucher, die das Gebiet nicht kennen, kann die Wand aber zur gefährlichen Versuchung werden. Die Steilwand rage sehr tief nach unten. «Da kann es passieren, dass man sich nicht an die eigene Tauchlimite hält», so Erne.

«Als Taucher ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Wenn man denkt, jaja, das geht schon, kann es gefährlich werden», mahnt Erne. Im Angesicht der Vorfälle vom Wochenende habe die Tauchschule ihren Mitgliedern auch eine Erinnerung geschickt, dass man im Winter etwas zurückhaltender tauchen soll.

Nicht nur bei Tauchunfällen im Zugersee kommt die Rega

Grundsätzlich wisse jede erfahrene Taucherin, auf was sie sich im Wasser einlasse. Trotzdem kann es zu Unfällen kommen, so wie die Tauchunfälle im Zugersee am Wochenende. Die seien nicht immer nur aufs Tauchen zurückzuführen: «Es gibt auch Tauchunfälle, die haben nichts mit dem Tauchen an sich zu tun. Gerade Kreislaufprobleme wegen beispielsweise Unterzuckerung könnten auch an Land passieren», so Erne.

Sollte jedoch etwas schiefgehen, sei schnelles Handeln gefragt: «Wir Taucher alarmieren immer direkt die Rega. Falls man sonstige Rettungsdienste anruft, ist es wichtig zu sagen, dass es sich um einen Tauchunfall handelt.» Gerade bei einer Dekompressionskrankheit (oder im Volksmund Taucherkrankheit genannt) fliegt die Rega die Taucherin in eine Spezialklinik mit einer Druckkammer. Darin werde der Taucher unter ärztlicher Betreuung wieder unter erhöhten Druck gesetzt und langsam wieder an den normalen Oberflächendruck herangeführt.

«Auch bei Symptomen, die drei, vier oder sogar bis zu zwölf Stunden nach dem Tauchgang auftauchen, sollte man nicht lang fackeln und diese ernst nehmen», mahnt Erne. Trotz der Gefahren und den aufeinanderfolgenden Unfällen am Wochenende erinnert sie daran, dass Tauchen ein vergleichsweise sicherer Sport sei: «Wenn man anschaut, wie viel eigentlich getaucht wird, passieren extrem wenige Unfälle – noch besser wären natürlich keine.»

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