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Tatort-Regisseur verfilmt «Sexting»-Drama
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Der Regisseur Tobias Ineichen ist in seiner Heimat Luzern vor allem durch den Tatort bekannt. (Im Hintergrund: Tatort-Darstellerin Delia Mayer) (Bild: SRF/Daniel Winkler)

Neuer Film «Upload» des Luzerners Tobias Ineichen Tatort-Regisseur verfilmt «Sexting»-Drama

4 min Lesezeit 22.11.2015, 18:00 Uhr

Der Luzerner Tobias Ineichen hat sich in seinem neusten Film mit einem heiklen Thema auseinandergesetzt: Sexting und Mobbing bei Jugendlichen. Sein Film wird im Dezember auf SRF ausgestrahlt. Die Arbeit daran forderte vor allem von ihm selbst viel Spontaneität und Einfühlungsvermögen.

Als Luzern noch eine Boa hatte, noch kein KKL, als noch Tausende mit Dauerwellen herumrannten, damals zog es Tobias Ineichen aus seiner Heimat nach Genf. 1986 ging er dort an die Filmschule.

Der 51-jährige Regisseur lebt heute in Zürich und zeitweise auch in Paris. «Ich war dem Welschland und Frankreich schon immer sehr verbunden», erzählt er. Immer wieder mal zieht es ihn aber auch nach Luzern – für die Regie des Tatorts. Aber dazu später mehr.

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Hochemotionales, aktuelles Thema

Denn gerade hat Ineichen ein anderes Projekt abgeschlossen. Der Schweizer Fernsehfilm «Upload» wird am 2. Dezember ausgestrahlt und beschäftigt sich mit einem hochemotionalen Thema: Sexting.

Der Film: Ein Journalist entdeckt auf dem Handy seiner 13-jährigen Tochter ein kompromittierendes Sexting-Video. Betroffen beginnt er zu recherchieren. Was hat seine Tochter damit zu tun? Und wer ist das Mädchen auf dem Video? Während das Video auf Schulhöfen und in der empörten Öffentlichkeit die Runde macht, wächst die Angelegenheit bald allen Beteiligten über den Kopf. Und an das Mädchen auf dem Video, der es schwerfällt, mit ihrem plötzlichen und unfreiwilligen Ruhm klarzukommen, denkt irgendwann niemand mehr.

Szene aus «Upload»: Elias (Pablo Caprez) filmt mit seinem Handy, wie seine Freundin Franziska (Yaël Meier) sexuelle Handlungen vornimmt.

Szene aus «Upload»: Elias (Pablo Caprez) filmt mit seinem Handy, wie seine Freundin Franziska (Yaël Meier) sexuelle Handlungen vornimmt.

(Bild: SRF)

Sexting ist ein Thema, welches erst seit ein paar Jahren wirklich öffentlich besprochen wird. In der Schweiz machte besonders der «Eistee-Fall» vor zwei Jahren Schlagzeilen. Und dieses Jahr kamen gleich mehrere Filme zum Thema heraus. Das Besondere an «Upload»: Die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt – immer wieder erfährt der Zuschauer durch einen anderen Blickwinkel mehr darüber, was tatsächlich passiert ist. 

Sich in Jugendliche einfühlen

Hinter dem Film stehen zahlreiche Gespräche und Recherchen. «Ich habe viele Gespräche mit den Jugendlichen geführt», so Ineichen. Gerade die Castings mit den jungen Leuten seien dabei sehr lehrreich gewesen. «Ich selbst habe keine Kinder. Aber das ist gerade die Kunst, die Aufgabe des Regisseurs. Sich einzufühlen und zu beobachten – eigentlich so, wie es auch Schauspieler tun.»

Was heisst Sexting überhaupt?

Der Ausdruck Sexting setzt sich aus den beiden englischen Wörtern «sex» und «texting» zusammen. Er bezeichnet das Austauschen eigens produzierter, intimer Fotos von sich oder anderen per Internet oder Mobiltelefon. Die Bilder werden bestimmten Personen oder Gruppen via Textnachrichten oder Social-Media-Plattformen zugänglich gemacht.

Immer wieder machen Fälle Schlagzeilen, in welchen Minderjährige wegen solcher Bilder gemobbt werden und sich gar die Rechtsprechung einschalten muss.

Man müsse die Jugendlichen vor allem ernst nehmen. «Sie sind so ehrlich und direkt», schwärmt Ineichen. «Da kamen Aussagen und Anmerkungen zum Thema, mit welchen wir gar nicht gerechnet hatten.»

Doch nicht nur die Thematik an sich habe herausgefordert. «Schwierig war zu Beginn auch, die Jugendlichen auf das Spielen einer Liebesgeschichte vorzubereiten.» Man wisse ja nicht, wie viel Erfahrung die Jugendlichen bereits mit dem anderen Geschlecht gemacht haben – oder ob überhaupt. «Wir arbeiteten schliesslich mit Körpercoachings, bei welchen sie sich in spielerischer Weise näher kommen konnten: Raufen zum Beispiel. Das half ihnen, die Befangenheit im Umgang mit dem anderen zu verlieren.»

Spontanere Arbeit

Auch für den Regisseur ergaben sich neue Erfahrungen. «In diesem Film habe ich etwas anders gearbeitet als sonst. Um den Jugendlichen mehr Freiheit und in gewissen Szenen auch Improvisationsmöglichkeiten zu geben, haben wir zum Beispiel auch Schulterkameras verwendet.» Etwas ungewöhnlich, aber eine grosse Hilfe für spontanere Bilder.

«Ich bin im Drama zu Hause.»

«Natürlich hat man seine genauen Pläne», erklärt Ineichen. «Aber es ist etwas ganz anderes als zum Beispiel die Arbeit zum Kinofilm ‹Clara und das Geheimnis der Bären›. Dort haben wir mit echten Bären gearbeitet, da sind Improvisationen nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich. Bei «Upload» ging es hingegen stark auch um eigene Interpretationen der jungen Darsteller und ihre Freiheit, aus dem Moment heraus zu agieren.» So spontan habe er aber bisher noch nie gearbeitet.

Bald wieder in Luzern

Ineichen ist bereits wieder an einigen Projekten dran. Auch ein weiterer Luzerner Tatort unter Ineichens Regie ist in Planung. «Mehr darf ich noch nicht sagen», sagt er und lacht.

Doch für die Tatorte zurück nach Luzern zu kommen, sei jedesmal ein grosser Spass. «Ich war fast 30 Jahre weg von Luzern. In dieser Zeit war ich sehr selten da.» Erst 2011, als er für den ersten seiner Luzerner Tatorte auf die Suche nach Motiven ging, habe er den Ort wieder für sich entdeckt. «Ich habe die Stadt wieder neu kennengelernt. Luzern ist mir bekannt und unbekannt zugleich, das ist extrem spannend.» Und als Regisseur komme man bei den Drahrbeiten auch in Berührung mit Welten und Orten, die man sonst nie sehen würde. Das sei zusätzlich interessant.

Ineichens Metier sind das Drama und der Krimi. Doch ist das mit der Zeit nicht etwas deprimierend, sich ständig mit den schlechten und tragischen Seiten des Lebens auseinanderzusetzen? Ineichen lacht. «Überhaupt nicht. Natürlich bin ich im Drama zu Hause und es liegt mir auch. Aber auch darin findet sich viel Schönes und Lustiges.» Er bringt als Beispiel seinen Münchner Tatort «Liebeswirren», in welchem die Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr ein Liebespaar spielen müssen, um verdeckt zu ermitteln. «Dieser Film war zwar ein Krimi, aber gleichzeitig sehr komödiantisch und absurd.»

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