Der neuseeländische Singer-Songwriter Jonathan Bree war diesen Freitag im Südpol zu Gast.
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Der neuseeländische Singer-Songwriter Jonathan Bree war diesen Freitag im Südpol zu Gast. (Bild: null41)

Jonathan Bree zu Gast im Südpol Tanz der Maschinen

3 min Lesezeit 1 Kommentar 14.09.2019, 15:51 Uhr

Alte Themen mit modernem Ansatz. Sixties-Vibe mit Indie Pop. Eine surreale Performance ohne Gesicht. Der neuseeländische Singer-Songwriter Jonathan Bree liefert eine faszinierende Performance. Doch wie perfekt darf eine Live-Show choreographiert sein?

Wie Statuen stehen sie auf der Bühne. Gesichtslos, die Kleidung elegant, aber nicht aus dieser Zeit. Monochrom, in schwarzem Hemd, weisser Hose, mit Hosenträgern und Beatles-artiger Pilzfrisuren-Perücke. Darunter ein weisser Zentai, ein Ganzkörperanzug, der kein Stück Haut freigibt. Eine männliche Figur in der Mitte, flankiert von zwei weiblichen Figuren, ganz in Weiss, ebenfalls maskiert. Es werden Bilder auf eine Leinwand dahinter projiziert. Ein surrealer Anblick.

Das ist die Ästhetik des neuseeländischen Musikers Jonathan Bree. Der Singer-Songwriter ist mit seinem Album «Sleepwalking» auf Tournee und war am Freitag zu Besuch im Südpol. Es ist sein drittes Soloalbum nach «The Primrose Path» und «A Little Night Music», das er auf seinem eigenen Label Lil› Chief Records veröffentlicht. Es ist auch das Album, dass ihm internationale Aufmerksamkeit beschert hat. Sein Videoclip zu «You’re So Cool» schlug Wellen im Netz, mit der bizarren Mischung aus komischer Choreo, Vintage-Qualität und maskierten Figuren.

Auch die Musik ist eine interessante Mischung aus Indie-Pop und einem Klecks 60er-Jahre. Bree erzählt im Bariton von Liebe, Herzschmerz und Frustration im 21. Jahrhundert. Die Texte laufen über vor Melancholie, doch die Melodien grooven. Bree selbst bleibt dabei lakonisch, Emotionen sind ohne Gesicht schwer abzulesen und seine Körperhaltung gibt nichts her.

Wenn er nicht singt, stellt er sich regungslos hin, verharrt in einer Pose. Den Kopf schräg gelegt und mit hängenden Armen starrt er ohne Augen in das Publikum. Vor ihm und um ihn herum tanzen die beiden maskierten Frauen unter ihren Hauben. Mal miteinander in perfekter Synchronität, mal hüpfen sie auf der Bühne umher, verteilen Küsse, spielen Gitarrenriffs auf alten Tennisschlägern nach, zeigen – im Gegensatz zum Frontmann – trotz Masken viel Gefühl.

Konzert als Performance

Es ist beeindruckend, wie es Bree trotzdem schafft eine solche Präsenz zu entwickeln. Es wirkt, als ob konturlose Gesicht einem tief in die Seele starrt. Der Sänger weiss genau, was er da macht.

JonathanBree

Das Konzert ist eigentlich eine Performance. Die Choreografie ist perfekt einstudiert. So kommt es beispielsweise häufig vor, dass die beiden Tänzerinnen mit den Videoclips hinter ihnen so tanzen, dass man meinen könnte, man sehe doppelt. Es ist eine Präsentation, die von A bis Z genau so ablaufen muss. Ein Song folgt sauber auf den nächsten, genau eingespielt mit den Videos im Hintergrund. Dies hat zwar eine gewisse Sogwirkung, aber trotzdem muss man sich fragen, ob das Live-Gefühl nicht darunter leidet. Eine so perfekte Vorführung hat auch ihre Grenzen.

Keine Zugabe

Nichts geschieht spontan, es hat keinen Platz für Fehler. Plötzlich sieht man nur noch diese Figuren auf der Bühne, die wie Maschinen ihre Bewegungen durchgehen. Man fragt sich, was man selbst für Ansprüche an ein Live-Konzert stellt, ob man die schmerzverzerrte Mimik oder Wut bei den Musiker*innen sehen muss. Man fragt sich, wie wichtig Individualität in der Musik ist. Und man fragt sich auch, ob Jonathan Bree ganz bewusst an diese Grenzen geht.

Dann wird in grossen Lettern «FIN» auf die Leinwand projiziert. Bree und Band verneigen sich und verschwinden. Das Publikum klatscht sich die Hände wund um eine Zugabe zu erhalten. Aber wie soll das gehen, wenn das Konzert so einstudiert ist? Es ist erzählt worden, was erzählt werden musste. Bree hat fertig lamentiert.

Und Fin heisst Ende.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit null41.ch, dem Onlineblog von «041 – Das Kulturmagazin» entstanden, wurde von Nikola Gvozdic verfasst und kann auch hier gelesen werden.

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1 Kommentare
  1. G.Hauf, 15.09.2019, 14:10 Uhr

    Eiskalte, gefühlslose «Installation». Bestenfalls geeignet für die Einweihung eines Operations-Saales…..

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