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Talent? «Eher totales Interesse»
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Der Luzerner Designer, Grafiker und Illustrator Amadeus Waltenspühl vor einem seiner Werke. (Bild: Claude Hagen )

Luzerner Illustrator Amadeus Waltenspühl Talent? «Eher totales Interesse»

6 min Lesezeit 2 Kommentare 17.05.2015, 12:11 Uhr

Ob Flyer oder Plakate: Der Luzerner Illustrator ist mit seinen Arbeiten in seiner Heimatstadt omnipräsent. Auch im Ausland macht sich Amadeus Waltenspühl einen Namen. Und das nicht nur dank Aufträgen.

Amadeus Waltenspühl ist einer der präsentesten Luzerner. Nicht in erster Linie als Person, sondern vielmehr mit seinen gestalterischen Produkten. Denn jeder, der durch Luzern läuft, hat ziemlich sicher mindestens einmal einen Flyer oder ein Plakat des 30-Jährigen gesichtet.

Grafik schon im Kindesalter Alltag

Der Stadtluzerner ist selbständiger Grafik-Designer, Illustrator und Animator. Ein Metier, das ihm bereits in die Wiege gelegt wurde. «Mein Vater ist selbständig als Grafiker, meine Mutter als Architektin», sagt Amadeus Waltenspühl. Sein Bruder, ein gelernter Polygraf, ist ebenfalls im Gestalterischen tätig. «Ich wurde sicherlich bereits als Junge darauf sensibilisiert. Mein Vater hatte schon damals sein Geschäft zu Hause, weshalb ich nicht darum herum kam – beispielsweise, wenn mein Vater mit fünf Logos kam und mich fragte, welches ich am besten fände.»

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Eine absehbare Konsequenz also, dass Amadeus Waltenspühl heute ebenfalls im grafischen Bereich tätig ist. «Es sah nicht immer danach aus. Ich habe eine musikalische Vergangenheit und begann bereits früh als Schlagzeuger in diversen Jazzbands und Kleinformationen und später auch mit dem Sound-Designer Daniel Sommer (zentral+ berichtete) Musik zu machen. Damals hauptsächlich Hiphop und Jazz, später Drum’n’Bass und Electronica. Ich war damals ebenfalls als Beatboxer unterwegs.» Und das äusserst erfolgreich. Mit den oral produzierten Geräuschen holte er einst sogar den Schweizermeister-Titel.

Wegweisende Entscheidung

Schliesslich sah sich Waltenspühl mit der Frage konfrontiert: Musik oder Grafik? «Beides auf professionellem Niveau zu betreiben, ist schwierig. Ich habe mich dann für die Gestaltung entschieden und die Grafik Fachklasse in Luzern absolviert», sagt Waltenspühl. Anschliessend hat er zwei Jahre bei einer Multimediaagentur gearbeitet. «Dort war ich insbesondere für Webdesign, Webgames und Animation zuständig.» Anschliessend hat er den Master of Arts in Design in Animation und Illustration absolviert. Seit rund drei Jahren unterrichtet Waltespühl an der Grafik Fachklasse in Luzern und an der Hochschule Luzern (HSLU).

(Bild: Amadeus Waltenspühl)

Früh bereitete sich der 30-Jährige auf die Selbständigkeit vor. «Ich reduzierte mein Pensum bei der Agentur und fing an, meine Selbständigkeit aufzubauen.» Und obwohl er sich für die Gestaltung entschieden hat, musste er sich im Arbeitsalltag nie ganz von der Musik trennen. Sein kulturelles Engagement macht heute noch etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit aus. «Ich gestalte von Flyern über Plakate bis hin zu CD-Covers. Die Aufträge reichen mittlerweile weit über die Schweizergrenze hinaus.» Eine oftmals sehr freie Arbeit, wie Waltenspühl betont, die ihm viel Spass mache. Ein Beispiel sind die aktuellen Monats-Plakate für den Sedel, die «Black to the Future»- und die «Wonderland»-Serie im Rok, die «Nasty Trash»-Serie in der Härterei oder die «Black Sheep»-Serie im Schwarzen Schaf.

80 Festivals in 10 Jahren

Aus diesem Engagement entstand schon früh ein Projekt mit zwei Kollegen aus der Grafik Fachklasse. «Aus der Gründung des Korsett Kollektives habe ich mit zwei Kollegen das Live-Animation und Visuals-Kollektiv suffix gegründet, das sehr nahe an der Musik ist.» Für Konzerte in der Schweiz und auch über die Grenzen hinaus– zu Beginn hauptsächlich Drum’n’Bass, Techno und Electronica – produzierte er Live-Visuals.

«Wir haben es dann etwas übertrieben», sagt Waltenspühl und lacht. Zeitweise hätten sie über 100 Events, Partys und Festivals im Jahr visuell begleitet, und das nebenbei. «Irgendwann mussten wir Prioritäten setzen und haben jetzt etwas heruntergefahren.» Momentan würden sie noch zwei Projekte mit Live-Visuals begleiten: Eine Zürcher Jazz-Band und den Elektro/Bass-DJ Bit-Tuner. «Mit letzterem waren wir unter anderem im Moskau, St. Petersburg und am Paléo Festival.»

(Bild: Amadeus Waltenspühl)

«Um sich als Künstler frei entfalten zu können, ist eine finanzielle Sicherheit von Vorteil.»

Amadeus Waltenspühl, Grafik-Designer, Illustrator und Animator

Auf der anderen Seite ist der Luzerner als Illustrator im kommerziellen Bereich tätig. «Ich arbeite als Freelancer für Agenturen oder Firmen.» Obwohl der Luzerner als Selbständiger viele Freiheiten geniesst, sei es bei Kundenaufträgen nicht immer einfach. «Wie stark ich mich bei Aufträgen von Agenturen oder Firmen ausleben kann, hängt massiv vom Kunden und dessen Vorstellungen ab. «Es gibt solche Kunden, die das Produkt quasi schon vor Augen haben und den Auftrag eins zu eins umgesetzt haben wollen. Also eher ein Umsetzungsjob.» Andererseits sei es auch schon vorgekommen, dass er einen Flyer in den Druck geschickt habe, bevor der Auftraggeber diesen überhaupt zu Gesicht bekam. «Dort kenne ich die Vorstellungen und Vorlieben meines Kunden genau und weiss, dass meine Illustrationen geschätzt werden», sagt er mit einem Schmunzeln.

Freiheit durch finanzielle Sicherheit

Heute stünde Waltenspühl an einem Punkt, an dem er nicht mehr jeden Auftrag annehmen kann und teilweise Prioritäten setzen muss. Sei es aufgrund fehlender Zeit, oder wenn er bereits von vornherein merke, dass die Anfrage wenig differenziert daherkommt und damit auf eine vielleicht komplizierte Zusammenarbeit oder ein langwieriges Projekt schliessen lässt. Als selbstständig Erwerbender spiele aber sicherlich auch der finanzielle Faktor mit. «Aufträge mit grosser gestalterischer Freiheit schätze ich sehr, es sind aber nicht immer diejenigen mit dem grössten Budget. Deshalb können durchwegs auch weniger freie Aufträge vorteilhaft sein, welche dann in finanzieller Hinsicht rentabler sind. Um sich als Künstler frei entfalten zu können, ist eine finanzielle Sicherheit von Vorteil. Schlussendlich ist es immer auch ein Geschäft», so Waltenspühl. Momentan könne er sich sehr glücklich schätzen, dass er von seiner Leidenschaft gut leben könne.

(Bild: Amadeus Waltenspühl)

Seine Werke sind auch immer wieder im Ausland anzutreffen. «Einige meiner Plakate werden, zusammen mit weiteren Luzerner Ateliers, auf einer internationalen Wanderausstellung in Moskau, Wladiwostok, Peking und Chaumont gezeigt. Kürzlich waren diverse Illustrationen an einer Gruppenausstellung in Berlin zu sehen, und das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat neulich rund 20 Plakate von mir in ihre Sammlung aufgenommen.»

«Mit dem Interesse und dem Spass an der Sache kommt der Effort.»

Amadeus Waltenspühl

Persönliche Arbeiten angehen

«Ich möchte aber nicht ausschliessen, dass es in Zukunft auch mal in eine andere Richtung gehen kann. Beispielsweise könnte er sich vorstellen für einige Monate auch mal den Fokus komplett auf freie, persönliche Arbeiten zu setzen und viel Zeit in Leinwände und Illustrationen zu investieren, was in einer eigenen Ausstellung resultieren könnte. Mit der erlangten finanziellen Sicherheit würde demnach auch das Risiko, an einer Ausstellung nichts zu verkaufen, weniger ins Gewicht fallen, betont Amadeus Waltenspühl.

Wie viel Talent muss vorhanden sein, um sich so verwirklichen zu können? «Ich würde es eher totales oder allumfassendes Interesse nennen. Mit dem Interesse und dem Spass an der Sache kommt der Effort», sagt der 30-jährige Luzerner und fügt an: «Ich bin der Meinung, dass jemand, der keine Mühe scheut und immer dran bleibt, innert kurzer Zeit ein gutes Level erreichen kann.»

(Bild: Amadeus Waltenspühl)

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2 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 29.06.2017, 21:29 Uhr

    Da können sich Simone Erni und Rolf Knie noch eine Scheibe abschneiden!

  2. Heinz Gadient, 26.05.2017, 09:35 Uhr

    Der Mann hat nicht nur Talent, er ist schlichtweg genial!