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Tänzerisch auf der Suche nach dem Sinn
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Die einzelnen Tänzer lösen sich mehr und mehr aus der Gruppe – Aurélie Robichon (vorne links) und Dor Mamalia (rechts). (Bild: zvg/Gregory Batardon)

Luzerner Theater: «Tanz 25: Variationen des Seins» Tänzerisch auf der Suche nach dem Sinn

3 min Lesezeit 18.09.2017, 09:50 Uhr

Die Uraufführung von «Tanz 25: Variationen des Seins» in der Box des Luzerner Theaters, choreografiert von Georg Reischl, wirft Fragen auf. Etwa: Welche Version unseres Selbst möchten wir sein? Das erneuerte Ensemble überzeugt.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Österreicher Georg Reischl für das Luzerner Theater choreografiert: Mit «Tanz 1: Zeitgeister» begann 2009 eine fruchtbare Zusammenarbeit. Das Sujet, das sich Reischl nun für «Tanz 25» ausgesucht hat, ist kein einfaches. Doch dessen choreografische Umsetzung begeistert.

Während gut einer Stunde werden verschiedene Daseinsformen und Sinnfragen tänzerisch von verschiedenen Seiten beleuchtet. Dies ist dabei wörtlich zu nehmen, nutzen doch die Tänzer den Raum in alle Richtungen aus. Es wird nicht im Raum getanzt, sondern mit dem Raum.

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Tänzer konfrontieren das Publikum

Auch das Publikum wird miteinbezogen. So setzen sich die Tänzer mit Stühlen dicht vor die Zuschauer und konfrontieren diese gleich zu Anfang mit einer impliziten Frage: «Wer bist du?» Ein kleines Mädchen versteckt sich ob so viel Direktheit verschüchtert hinter dem Rücken ihrer Mutter.

Die Vorgehensweise überzeugt: Die Box des Luzerner Theaters wird wie die Tänzer selbst zum Ausdruck einer allgemeinen Identitätssuche. Es ist die gesamte Umwelt, die in dieser Suche nach uns selbst berücksichtigt wird: In der atonalen Musik sind Alltagsgeräusche aus der Stadt zu vernehmen. Komponiert wurde die Musik von Schlagzeuger Vincent Glanzmann.

Olivia Lecomte.

Mitglieder der Kompanie: Olivia Lecomte.

(Bild: zvg/Gregory Batardon)

Heterogene Mischung

Der Fokus der Choreografie wird dabei schrittweise von aussen nach innen verlagert: Identifiziert man sich mit der Gesellschaft? Mit einer Gruppe? Mit einem Teil von sich selbst?

Individualität macht sich nicht nur im Konzept bemerkbar, sondern auch im Tanzstil des Ensembles: Bewegt es sich zu Anfang noch mehrheitlich konform, lösen sich die einzelnen Tänzer mehr und mehr aus der Gruppe. Dabei fällt der unterschiedliche Ausbildungshintergrund der Tänzer ins Auge: Einige sind den Grundlagen des Balletts mehr verpflichtet als andere. Bei allen Tänzern gesellt sich der individuelle Ausdruck dazu, was eine sehr heterogene und interessante Mischung an Tanzstilen hervorruft. Auch die Kleidung wurde von den Tänzern selbst ausgesucht.

«Ganz fantastisch»

Die von Reischl choreografierten Bewegungen sind sehr flüssig und organisch und wirken harmonisch. Etwas, das bei zeitgenössischen Choreografien eher Seltenheitswert hat.

Die Choreografie zeugt jedoch nicht nur von harmonischer Erkenntnis, sondern auch von der Auseinandersetzung: Zustände infrage stellen, die Perspektive wechseln, aus der Rolle fallen und sich auch mal gegen etwas stellen. Das sind alles wichtige Themen, die angesprochen werden. Für die Dramaturgie verantwortlich ist Selina Beghetto.

Die Box wird so zu einem Raum der Begegnung. Eines wird dabei besonders deutlich: Wir beeinflussen und berühren uns gegenseitig. Und transformieren uns dabei immer weiter. Auch die Aufführung selbst berührte. So kommentierte das Publikum einhellig mit «ganz fantastisch».

Weitere Vorstellungen bis 19. Oktober, Box Luzerner Theater

Olivia Lecomte, Carlos Kerr, Valeria Marangelli und Andrea Thompson.

Olivia Lecomte, Carlos Kerr, Valeria Marangelli und Andrea Thompson.

(Bild: zvg/Gregory Batardon)


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