Tabula rasa: Diese Birkenallee will der Kanton abrasieren
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Diese stilvolle Birkenallee zwischen Cham und Oberwil an der Knonauerstrasse plant der Kanton Zug zu fällen. (Bild: woz)

21 Bäume seien krank und würden Verkehr gefährden Tabula rasa: Diese Birkenallee will der Kanton abrasieren

3 min Lesezeit 27.04.2018, 20:26 Uhr

21 Birken will der Kanton an der Knonauerstrasse in Cham fällen. Grund: Die 45 Jahre alten Bäume seien krank – und eine Gefahr für den Verkehr.

Wer nach Knonau fährt, kennt die schöne Baumallee entlang der Strasse zwischen Cham und Oberwil: Birken, welche die Felder optisch verschönern. Bäume, die seit Jahrzehnten dort stehen und die Landschaft stilvoll strukturieren. Diese Bäume sollen nun durch den Kanton Zug gekappt werden. Dies ist im aktuellen Zuger Amtsblatt zu lesen. Die Einsprachefrist läuft noch bis zum 16. Mai.

«Die Bäume sind krank durch Fäulnis und stellen deshalb ein Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer dar. Bei einem Sturm könnten sie auf die Kantonsstrasse fallen – und dieses Risiko wollen und dürfen wir nicht eingehen», argumentiert Baudirektor Urs Hürlimann gegenüber zentralplus.

Dabei kann man sich nicht erinnern, dass beim letzten Orkantief «Burglind» eine einzige Birke dort umgeblasen wurde. Insgesamt sind 21 Bäume vom geplanten Kahlschlag des Kantons betroffen. Diese sind rund 45 Jahre alt.

Kanton will die Knonauerstrasse sanieren

Der eigentliche Grund für die Fällung der Birken zwischen Teuflibach und Oberwil ist, wie Baudirektor Urs Hürlimann in einem Brief an die Gemeinde Cham mitteilt, dass das Tiefbauamt des Kantons Zug plant, die Knonauerstrasse zwischen der Autobahnbrücke und dem Feld zu sanieren.

Hier zwischen Cham und Oberwil stehen die 21 Birken der Allee.

Hier zwischen Cham und Oberwil stehen die 21 Birken der Allee.

(Bild: Google-Map)

«Bei der Erarbeitung des Projekts ist vorgesehen, eine zufriedenstellende Lösung für eine angemessene Ersatzbepflanzung für die zu entfernenden Birken zu erarbeiten», wie Hürlimann schreibt. Eine Ersatzpflanzung an bestehender Lage «lehnen wir aus Sicherheitsgründen ab».

Vorschlag des Vereins für Lebensraum Landschaft wird abgelehnt

Dabei haben die Baudirektion und das Amt für Raumplanung zuvor einem alternativen Bepflanzungsvorschlag des Vereins Lebensraum Landschaft Cham (LLC), der sich mit dieser Allee seit Jahren beschäftigt, eine schroffe Absage erteilt. Dieser hatte statt der Birken empfohlen, am selben Standort Hainbuchen und Purpurerlen anzupflanzen.

«Die Knonauerstrasse entspricht einer zerstörenden Zäsur in der Landschaft.»

Zuger Amt für Raumplanung

In einem entsprechenden Brief des Amts für Raumplanung an den Verein wird dabei eingeräumt, dass für eine landwirtschaftliche Aufwertung «das Hervorheben von kulturhistorischen Strukturen und Wegen in der Landschaft anzustreben» sei. Doch die Knonauerstrasse – immerhin eine Kantonsstrasse – sei eben kein historischer Verkehrsweg.

Birkenallee «historisch nicht wertvoll und erhaltenswert»

O-Ton: «Die Knonauerstrasse entspricht eher einer zerstörenden Zäsur in der Landschaft, die nicht durch eine Bepflanzung noch betont werden soll.» Ausserdem werde die bestehende Birkenallee beziehungsweise deren Restbestand historisch für nicht wertvoll und damit nicht erhaltenswert angesehen. «Für eine Neubepflanzung ist eine standortgerechte und einheimische Baumart zwingend», so das Urteil des Rauplanungsamts.

«Die Birken sind aufgrund der Kappung geschädigt.»

Zuger Baumpflegespezialist

Obwohl die meisten der 21 Birken, die immerhin schon 45 Jahre an der Knonauerstrasse stehen, auf den ersten Blick noch sehr standfest aussehen, hat der Kanton einen Zuger Baumpflegespezialisten mit der Begutachtung der Bäume beauftragt.

21 Birken, die schon 45 Jahre alt sind, sollen gekappt werden. Die Bäume seien krank und würden den Verkehr gefährden.

21 Birken, die schon 45 Jahre alt sind, sollen gekappt werden. Die Bäume seien krank und würden den Verkehr gefährden.

(Bild: woz)

Dieser hat in einem zweiseitigen Schreiben festgestellt, dass «die Birken aufgrund der Kappung geschädigt sind». Das Kernholz in den Kronen sei ausgefault. «Der Splintholzbereich, der für die Versorgung des Baumes wichtig ist, ist noch intakt.» Fazit: Aus Sicherheitsgründen sei es wichtig, den ganzen Bestand zu ersetzen.

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