Syra Marty – Striptease aus Goldau
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Syra Marty war zu ihrer Zeit ein gefragtes Model. (Bild: kulturwerk.ch/Roger Bürgler)

Landei verzauberte Hollywood Syra Marty – Striptease aus Goldau

4 min Lesezeit 04.04.2015, 12:00 Uhr

Syra Marty wanderte 1948 von Goldau nach Hollywood aus und wurde dort zur Ikone. Wer war diese Tänzerin, die später Dean Martin und Frank Sinatra den Kopf verdrehte? Die Schriftstellerin Margrit Schriber hat der «Swiss Miss» ein Buch gewidmet.

Im Bergasthaus Rigi Dächli in Goldau war Josefina Magdalena Marty ein Publikumsmagnet. Sie arbeitete dort im elterlichen Betrieb und war sehr beliebt bei der Kundschaft, alle sagten «Dächli Leni» zu ihr. Die 21-Jährige wollte aber nicht servieren, sondern Tänzerin werden. 1942 reiste sie zum ersten Mal nach Zürich und steuerte direkt auf die Langstrasse zu. Das brave Mädchen aus der Innerschweiz wollte Striptease-Tänzerin werden. «Für die Familie war es ein Schock, als ihre Leni plötzlich mit blondierten Haaren auf Plakaten zu sehen war», sagt Schriftstellerin Margrit Schriber.

Mix aus Fiktion und Realität

«Syra – die Stripperin» heisst der Roman von Margrit Schriber über das Leben von Syra. 2011 verstarb Syra Marty in Amerika, Schriber hat sie nie getroffen. Jedoch hatte die Autorin Kontakt zum Regisseur Roger Bürgler, der den Film «Dächli Leni goes to Hollywood» gedreht und Syra noch kennengelernt hat. Zeitungsartikel halfen ihr bei der Recherche, sowie Gespräche mit Syras Familienangehörigen. Der Rest ist Fiktion. «Ich habe mir meine eigene Syra geschaffen und mir Szenen und Probleme ausgedacht, über die Syra gar nie geredet hat», sagt Schriber. Im hohen Alter erzähle man Erinnerungen meist verschönert.

Martys Mann war schwul

Syra Marty lernte in Zürich ihren Mann und Manager Billy Frick kennen. Frick war schwul, die Ehe wurde wohl eher aus beruflichen Gründen geschlossen. Er hatte einiges mit ihr vor. «Syra war eigentlich von Anfang an ein Produkt von Billy, sie hat, nachdem sie ihn kennengelernt hat, ihre Identität als Dächli Leni abgelegt», sagt Schriber. Jahre später – die Schweizerin lebte mittlerweile in einem Altersheim in Florida – habe sie sich noch Syra genannt und posiert, wenn ein Fotograf vorbei kam.

Die Unschuld vom Land

In Hollywood wurde die «Swiss Miss» zur schönsten Schauspielerin der Welt nach Greta Garbo gekürt und verdrehte der männlichen Elite die Augen. Sie war auf Covers, in Filmen und auf Bühnen zu sehen. «Diese Frau strahlte immer eine gewisse Unschuld aus, das hat die Männer fasziniert.» Ob diese Unschuld gespielt war? «Nein», meint Schriber, denn «Syra Marty hat ganz dem damaligen Schönheitsideal entsprochen. Sie wurde ausgenutzt, weil sie sehr an Billy geglaubt hat. Alles was er sagte, war richtig», sagt Schriber. Syra sei aber auch sehr diszipliniert gewesen: «Sie hat jeden Tag trainiert und neue Tanzschritte eingeübt.»

Ob die Goldauerin jemals Privates und Geschäftliches vermischte, lässt sich schwer sagen. Spielte Syra die Naivität? «Ich vermute nein, über Sexualität hatte sie nie gesprochen und mit Billy hatte sie ja auch kein sexuelles Verhältnis», sagt Schriber. «Sie war eine Kunstfigur, die Unschuld war total authentisch und bis zu ihrem Tod war sie in dieser Hinsicht immer noch das Dächli-Leni.»

Nepal-König kassierte Ohrfeige

Nicht nur Frank Sinatra, Dean Martin und Gregory Peck interessierten sich für die junge Schweizerin, sondern auch der damalige König Mahendra von Nepal. Während einer Show war er so hin und weg, dass er sich von seiner Königin eine Ohrfeige einfing. «Das war für Syra natürlich gute Werbung», sagt Schriber.

Bekannter wurde Syra auch nach dem Kennedy-Mord am 22. November 1963. Eine Nacht zuvor tanzte sie in Dallas in einem Striplokal – es war das Lokal von Jack Ruby, der später Kennedy’s mutmasslichen Mörder Lee Harvey Oswald erschoss. «Syra kassierte bei Ruby eine der höchsten Gagen. Das machte das FBI stutzig, sie vermuteten eine Affäre und meinten, sie müsse sicher mehr wissen», sagt Schriber. Tags darauf flog Syra für einen Auftritt nach Wien und mehrere FBI-Agenten hinter ihr her. Sie musste aussagen, wurde aber wieder laufen gelassen.

Mittellos und einsam

Syra Marty und Billy Frick blieben 32 Jahre zusammen und Syra tanzte, bis sie 50 war. Der Glamour aber, der war verflogen. Aus den berühmten Lokalen wurden Absteigen und das Publikum kritisch: «Das Problem war nur, dass Billy sie immer als 30-Jährige ankündigte. Das kam natürlich nicht gut an», sagt Schriber. Die Leute hätten dann gefragt: «Ist das die Mutter?» Syra fing an, sich zu schämen.

Nach dem Tod von Billy Ende der Siebziger zog Syra nach Florida und lebte mittellos und zurückgezogen. «Sie hat sich aber immer noch die einst ‹schönste Frau der Welt› genannt. Dann hat sie jeweils gelacht. Sie konnte es selbst nicht glauben, dass ihr das alles passiert sein soll», sagt Schriber.

2011 verstarb Syra Marty in Florida, sie war krebskrank. Von dem Geld, das sie verdiente, hatte sie selbst nie viel. «Ihr weniges Sackgeld schickte sie in die Schweiz», sagt Schriber.

Bis zu ihrem Tod sei Syra durch ihr Leben wie durch einen Traum gegangen. Margrit Schriber sagt: «Sie war immer noch schön und eitel, aber nie bitter und nie unzufrieden. Sie hat sich nie beklagt.»

(Bild: www.syramarty.ch)

(Bild: www.syramarty.ch)

(Bild: www.syramarty.ch)

Syra Marty war zu ihrer Zeit ein gefragtes Model.

(Bild: kulturwerk.ch/Roger Bürgler)

Syra Marty war zu ihrer Zeit ein gefragtes Model.

(Bild: kulturwerk.ch/Roger Bürgler)

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