«Viele denken, in Zug ein Hotel zu führen, sei nicht schwierig»
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Bis Ende 2020 führte Philip C. Brunner das Swisshotel in Zug. (Bild: zvg)

Ex-Hotelier Philip C. Brunner zum Ende des Swisshotel «Viele denken, in Zug ein Hotel zu führen, sei nicht schwierig»

6 min Lesezeit 2 Kommentare 10.09.2021, 05:00 Uhr

Rund 20 Jahre lang war Philip C. Brunner als Hotelier im Kanton Zug tätig. Ende letzten Jahres endete die Ära Swisshotel eher unschön. Dabei spielte Corona zwar nicht die Haupt-, aber eine ziemlich fiese Nebenrolle.

Über  300‘000 Gäste sind in den letzten beiden Jahrzehnten im Swisshotel Zug in der Chollermüli ein- und ausgegangen. Viele Businessleute, aber auch Musiker, die gegenüber in der Chollerhalle oder der Galvanik Konzerte gaben, zudem chinesische und indische Touristengruppen, die nach stundenlangem Sightseeing froh waren, in die frisch gemachten Betten zu fallen. Diese Ära ist nun vorbei. Der Zuger Hotelbetrieb wurde Ende 2020 endgültig geschlossen.

Aktuell entsteht darin ein Wohnheim der Stiftung Eichholz für psychisch Beeinträchtigte, das noch diesen Herbst eröffnet werden soll. Für Philip C. Brunner, der viele Jahre als Geschäftsführer des Swisshotel Zug fungierte, waren die letzten zwei Jahre in der Tat nicht leicht, wie der ehemalige Manager und aktive SVP-Politiker beim Interview mit zentralplus bestätigt.

zentralplus: Herr Brunner, Sie mussten den Job als Hotelier an den Nagel hängen. Welchen Tätigkeiten gehen Sie seither nach?

Philip C. Brunner: Fast 21 Jahre waren meine Gattin Andrea und ich im Swisshotel Zug selbständig tätig, zeitweise hatten wir bis zu 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bin nun zwar formell «pensioniert», berate jedoch noch Firmen und Einzelpersonen in verschiedener Hinsicht; ausserdem arbeite ich aktiv für meine beiden politischen Ämter im Gemeinde-und im Kantonsrat, darunter für die Geschäftsprüfungskommission der Stadt. Für meine Gattin, die mich während der letzten beiden Jahrzehnte enorm unterstützt hat, ist die aktuelle Situation hingegen schwieriger. Es war für sie nicht einfach, eine neue Stelle zu finden, im ersten Halbjahr 2021 sowieso.

«Es war überhaupt nicht der gut organisierte Abgang, den wir uns gewünscht hätten.»

zentralplus: Sie wussten bereits frühzeitig, dass der Vertrag mit den Liegenschaftsbesitzern nicht verlängert wird und der Betrieb Ende 2020 schliessen muss. Besonders hart dürfte es für Sie gewesen sein, dass Sie in ihrem letzten Betriebsjahr aufgrund der Pandemie nur noch auf Sparflamme funktionieren konnten.

Brunner: Es war tatsächlich überhaupt nicht der gut organisierte Abgang, den wir uns gewünscht hätten. Die Lage Mitte März 2020 war für uns in verschiedener Hinsicht dramatisch. Wir mussten das Hotel aufgrund des Lockdowns für sieben Wochen ganz schliessen, danach fuhren wir den Betrieb ab Mai auf ganz niedrigem Niveau schrittchenweise wieder hoch. In den Monaten Juli, August und September erzielten wir nur halb so viel Umsatz wie in den gleichen Monaten in den Vorjahren. Insbesondere schwierig war für uns die Diskrepanz zwischen Kurzarbeit und geplanten Entlassungen. Kurzarbeit ist ein Instrument, um Stellen zu erhalten. Während dieser Zeit konnten wir demnach den Mitarbeitern nicht kündigen. Doch wenn ich sehe, wie es für die Hotelbetriebe in der Region im Jahr 2021 läuft, bin ich sehr froh, dass wir die Hotelschlüssel Ende 2020 geregelt übergeben konnten und uns gütlich mit den Eigentümern einigen konnten. Dafür bin unserer damaligen Eigentümerschaft sehr dankbar. Dass sich die Nutzung des Gebäudes nun völlig ändert, hat auch etwas Positives.

zentralplus: Und zwar?

Brunner: Wenn nun unsere Mitarbeiter von einem anderen Hotelierpaar oder einem anderen Arbeitgeber übernommen worden wären, würde mich das emotional viel stärker beschäftigen. So gibt es zumindest einen sauberen Schnitt. Es ist für mich so, wie wenn das Hotel abgerissen worden wäre, nämlich ein sauberer Schnitt.

«9/11 und das Zuger Attentat lösten einen gewaltigen Einbruch bei der Anzahl der Logiernächte aus.»

zentralplus: Blicken wir zurück auf die letzten rund 20 Jahre. Was waren für Sie prägende Momente?

Brunner: Viele denken, in der Stadt Zug ein Hotel zu führen, sei nicht schwierig. Das stimmt nicht, denn die Kosten hier sind hier ganz grundsätzlich hoch. Zudem ist man als Unternehmer von äusseren Faktoren, die man selbst kaum beeinflussen kann, stark abhängig. Ich denke da an die Zeit um 9/11 im Jahr 2001. Dazu kam wenige Wochen später das Zuger Attentat. Diese Ereignisse lösten einen gewaltigen Einbruch bei der Anzahl der Logiernächte aus. Kurz darauf kam es im Gotthardtunnel zu einem verheerenden Brand, worauf die Nord-Süd-Achse für mehrere Monate gesperrt war. Aus diesem Grund fehlten uns zudem die Gäste aus Italien und dem Tessin. Diese Umstände erklären auch, warum im Februar 2002 in Zug zwei Hotelbetriebe schlossen, nämlich das damalige Hotel Rosenberg und das Hotel Central.

zentralplus: Sie waren damals erst rund eineinhalb Jahre der Geschäftsführer des Swisshotel Zug und hatten vermutlich noch kein finanzielles Polster für schlechte Zeiten auf der Seite?

Brunner: In den Jahren 2002 und 2003 befanden wir uns finanziell tatsächlich in der Bredouille. Zumal man bedenken muss, dass sich in dieser Zeit, nämlich im Oktober 2001, auch das Swissair-Grounding ereignet hatte. Wir hatten ja zu Beginn sehr viel investiert, was der Markt auch honorierte. Danach ging es zum Glück stückweise bergauf, bis wir 2008 im Jahr der EURO 2008 unseren Höhepunkt erreichten. Danach kam die langfädige Finanzkrise und es wurde wieder sehr zäh. So ab 2015 verbesserte sich die Situation bis 2019 laufend. In den letzten zehn Jahren wurden die indischen und die chinesischen Gäste für uns wichtig. Sie halfen uns über die Sommermonate und die Wochenenden, als wir weniger Geschäftsreisende und Anlässe hatten.

zentralplus: Vor eineinhalb Jahren brachte Covid die Hotel- und Gastrobetriebe kurzzeitig fast ganz zum Erliegen. Wie nahmen Sie die Unterstützung des Kantons in den ersten Monaten der Pandemie wahr?

Brunner: Klar, administrativ war die Einführung der Kurzarbeit zunächst sehr aufwendig für uns. Doch traf das Geld des Kantons Zug vor allem zu Beginn sehr schnell ein. Für die administrativen Abläufe musste man dazu, soweit ich weiss, zusätzliches Personal anstellen. Als kleiner Kanton war Zug einmal mehr im Vorteil. Andere Kantone waren viel träger und es dauerte deutlich länger, bis die Unternehmen ihre Unterstützungsgelder erhielten.

«Ich finde es einfach falsch, dass jetzt wieder wir alle bestraft werden, weil unverantwortliche Reiserückkehrer das Virus wieder eingeschleppt haben.»

zentralplus: Was halten Sie davon, wenn der Bund das «3G-Prinzip» für Restaurants verhängt, sprich, dass nur noch Geimpfte, Genesene oder Getestete auswärts essen dürfen?

Brunner: Zur Klarstellung: Ich bin doppelt geimpft und verfüge über ein gültiges Covid-Zertifikat. Ich war mehrere Jahre lang als Hotelier in Südafrika tätig und musste mich davor gegen eine Menge Krankheiten wie etwa Cholera impfen lassen. Die Impfung an sich bereitet mir keine Mühe. Trotzdem war ich gegen das nun eingeführte 3G-Obligatorium für Gastrobetriebe. Ich bin vielmehr der Ansicht, dass jeder Betriebsverantwortliche für sich entscheiden muss, mit welchen Schutzmassnahmen er seine Gäste, seine Mitarbeitenden und sich und seine Familie schützen will und kann. Ich finde es einfach falsch, dass jetzt wieder wir alle bestraft werden, weil unverantwortliche Reiserückkehrer das Virus aus dem Ausland wieder in die Schweiz eingeschleppt haben. Aber das ist wohl eine längere politische und keine Diskussion mehr über den Zuger Tourismus.

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2 Kommentare
  1. Jacek, 10.09.2021, 10:30 Uhr

    Impfen gegen Malaria?

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
    1. Redaktion Valeria Wieser, 10.09.2021, 15:48 Uhr

      Sie haben recht, danke für Ihren Input. Herr Brunner bestätigt, sich geirrt zu haben und weist darauf hin, dass seither bereits 40 Jahre vergangen seien und die Erinnerung an die damaligen Impfungen etwas verblasst sei.

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
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