Swiss-Pass-Zwang für Luzerner öV-Kunden
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Abos im Passpartout-Tarifverbund können in Zukunft nur noch mit dem Swiss Pass gelöst werden. (Bild: zvg)

Konsumentenschutz kritisiert die SBB-Datenkrake Swiss-Pass-Zwang für Luzerner öV-Kunden

4 min Lesezeit 01.03.2018, 13:04 Uhr

Wer bei den Luzerner Verkehrsbetrieben ein Abonnement lösen will, muss in Zukunft den Swiss Pass der SBB besitzen. Der Zwang zum Wechsel mag für viele Passepartout-Kunden praktisch sein, doch die Kritik an Datensammlern reisst nicht ab. Auch wenn die VBL beteuert, sorgfältig mit den Daten umzugehen.

«Passepartout Monats-Abos sind ab dem 1. März 2018 neu auf dem Swiss Pass erhältlich», diese unscheinbare Mitteilung machte der Tarifverbund Luzern, Ob- und Nidwalden am vergangenen Montag. Für Jahresabos gilt das neue System bereits seit Anfang Januar. Heute besitzen rund 55’000 Personen ein Passepartout-Abo.

Die Verkehrsbetriebe Luzern, welche am Tarifverbund angeschlossen sind, zogen am Mittwoch nach. Tatsächlich haben die hiesigen öV-Benutzer gar keine Wahl. «Jahresabos können nur noch mit dem Swiss Pass abgeschlossen werden», sagt Christian Bertschi, Sprecher der VBL. Bei den Monatsabos bestehe laut Bertschi vorderhand weiterhin die Möglichkeit, diese an den Billettautomaten auf Papier auszudrucken. Man setzte um, was die Branche entschieden habe, erklärt Bertschi wiederholt.

Swiss Pass sammelt sensible Daten

Das neue System bringe Vorteile, argumentiert der Tarifverbund Passepartout. «So sind die Kunden mit einer einzigen Karte im öffentlichen Verkehr unterwegs und besitzen eine Karte für unterschiedliche öV-Abos und Partnerdienste», schreibt die Organisation auf ihrer Webseite. Zu den Partnerdiensten gehören beispielsweise Bergbahnen oder Autovermieter, deren Dienstleistungen man über den Swiss Pass abwickel kann.

Es handelt sich um einen Entscheid, der von oben kommt. Der Swiss Pass wurde 2015 von den Bundesbahnen eingeführt und ist Besitzer von Halbtax oder GA bereits seit längerem bekannt. SBB und der Verband öffentlicher Verkehr wollen, dass der Swiss Pass dereinst alle Abos und Tickets auf sich vereinen und ihre Transformation in die Zukunft unterstützen, er soll der alleinige Schlüssel für Ticketverkäufe werden.

Doch die knallrote Karte sorgt immer wieder für Kritik, insbesondere im Bereich Datenschutz. «Der Swiss Pass sammelt sensible persönliche Daten. Wir befürchten, dass die SBB solche Informationen an Dienstleister und Partnerunternehmen weiterleitet, die nicht die gleich hohen Sicherheitsanforderungen an den Schutz der Daten stellen», sagt Alex von Hettlingen, Pressesprecher der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Online-Tickets nur noch mit Swiss Pass?

Daten sind ein Sicherheitsrisiko – wie Swisscomkunden jüngst erfahren mussten. Unbekannte haben sich im Herbst 2017 missbräuchlich die Kontaktangaben von rund 800’000 Swisscom-Kunden verschafft, wie Anfang Februar publik wurde. Die Täter hatten dafür die Zugriffsrechte eines Vertriebspartners des Telekomriesen entwendet. «Die Datendiebe suchen sich immer das schwächste Glied in der Kette.»

«Der Swiss-Pass ist im Tarfverbund Passepartout nur dann notwendig, wenn man ein Abonnement lösen will.»

Christian Bertschi, vbl-Mediensprecher

Für den Konsumentenschützer von Hettlingen ist klar: «Die Unternehmen müssen lernen, mit Daten verantwortungsvoll umzugehen und die Kunden ihre Privateinstellungen selbst steuern lassen.» Und wie werden die Daten der VBL-Kunden verwendet, werden diese an Dritte weitergegeben? «Wir benötigen nicht mehr Daten als bisher bei Jahres-Abonnementen», versichert VBL-Sprecher Bertschi. Also etwa Adresse oder Geburtsdatum. «Die Datensicherheit ist wie bisher gewährleistet», verspricht Bertschi. Diesbezüglich hätten es auch durch die Neuerungen keine Änderung ergeben.

Wer bei der SBB online ein Ticket kaufen will, muss das seit vergangenem Jahr über ein neues Swiss-Pass-Login machen. Und wie sieht’s bei den Apps in Passepartout-Gebiet aus? Sowohl die «öV-Ticket-App» sowie die App «Fairtiq» sind nur für Einzelfahrten verwendbar. Abonnemente können über diese Apps keine gelöst werden. Bertschi hält fest: «Der Swiss-Pass ist im Tarfverbund Passepartout nur dann notwendig, wenn man ein Abonnement lösen will.»

Das kommt immer seltener vor: Eine Kundin löst ihr Ticket am Schalter.

Das kommt immer seltener vor: Eine Kundin löst ihr Ticket am Schalter.

(Bild: zvg)

Automatische Aboverlängerung bei der SBB

Der Datenschutz ist nicht der einzige Knackpunkt. Auch die Rechnungsstellung durch die SBB wird vom Konsumentenschutz kritisiert. «Noch immer werden Halbtax- und GA-Abonnente über Swiss Pass automatisch verlängert», sagt von Hettlingen. Droht der Automatismus nun auch Passepartout-Kunden? «Nein, es gibt bei uns keine automatische Verlängerung », versichert VBL-Sprecher Bertschi. Die Abo-Kunden würden jeweils vor Ablauf der Frist per Brief, SMS oder E-Mail informiert.

Noch weiter als der Swiss Pass gehen die Pläne für Swiss ID – ein gemeinsames Projekt von SBB und Post, das ursprünglich vom Bund lanciert wurde. Das neue Standard-Login soll Privatpersonen, Unternehmen und Behörden künftig erlauben, diverse Logins und Passwörter auf ein einziges zu reduzieren. Das soll einen einfachen und sicheren Zugang zu möglichst vielen Online-Angeboten gewährleisten – vom Einkaufen über das Abwickeln von Post- und Bankgeschäften bis hin zum Buchen von Reisen.

Der erste Schritt machte vergangene Woche die Post: Deren Kunden müssen sich neu eine solche digitale Identität anlegen, um Online-Dienste der Post nutzen zu können. Bei der VBL beobachtet man die Entwicklung. «Ein Anschluss an Swiss ID ist derzeit nicht geplant», sagt Bertschi.

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