SVP Stadt Luzern wirft Bonzanigo aus der Partei
  • Politik
  • Stadtratswahlen
Silvio Bonzanigo wurde am Samstag aus der Partei geworfen. (Bild: zvg)

«Alleingang» des Stadtratskandidaten wird der Partei zu bunt SVP Stadt Luzern wirft Bonzanigo aus der Partei

3 min Lesezeit 3 Kommentare 19.04.2020, 14:32 Uhr

Der Partei reicht’s. Die städtische SVP hat beschlossen, Silvio Bonzanigo aus der Partei auszuschliessen. Dies, nachdem er ohne Absprache mit der SVP seine Kandidatur für den zweiten Stadtrats-Wahlgang kommuniziert hatte. Bonzanigo wittert hinter dem Rausschmiss eine «ausgebluffte Camouflage».

Erst erklärte SVP-Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo, beim zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten. Vor wenigen Tagen revidierte er seine Meinung und tat kund, das Rennen doch noch einmal antreten zu wollen. dies auf der Liste «Chance Littau-Reussbühl» (zentralplus berichtete).

Bloss: Die Stadtluzerner SVP wusste nichts von Bonzanigos Vorhaben, wie diese daraufhin erklärte. Vielmehr habe man gemeinsam Ende März entschieden, dass sich der Kandidat zurückziehen werde.

«Das ist ein Alleingang Bonzanigos. Wir von der Stadtluzerner SVP distanzieren uns in jeglicher Form von dieser Kandidatur», sagte SVP-Präsident Dieter Haller auf Anfrage von zentralplus. «Er hält sich damit nicht an die Abmachung.»

Klares No-Go, klarer Entscheid der Partei

Das hat nun Folgen für Bonzanigo. Die Parteileitung der SVP Stadt Luzern hat am Samstag entschieden, den selbsternannten Kandidaten aus der SVP-Fraktion auszuschliessen. Ebenfalls wird er aus der städtischen Partei ausgeschlossen.

«Silvio Bonzanigo steht gemäss Statuten die Möglichkeit offen, zuhanden der nächsten Mitgliederversammlung zu rekurrieren», schreibt die Partei.

Sowohl für die Parteileitung wie auch für die Fraktion sei es nicht akzeptierbar und ein klarer Verstoss gegen die Interessen der Partei, wenn sich ein Partei- und Fraktionsmitglied entgegen den Beschlüssen der Parteigremien von einer anderen Partei/Organisation portieren lasse und an einem Wahlgang teilnehme.

Gesprächsbereitschaft sei nicht da gewesen

Man habe im Rahmen einer Parteileitungs- und Fraktionssitzung mit Bonzanigo das Gespräch suchen wollen. Die Versuche blieben erfolglos, der Kritisierte habe nicht an der Sitzung teilgenommen. «Die Sitzungsteilnehmer nehmen die fehlende Gesprächsbereitschaft mit Bedauern zur Kenntnis», so die Parteileitung.

Die SVP der Stadt Luzern sei sich bewusst, dass es sich beim Ausschluss um einen sehr weitreichenden Entscheid handle. Die von den Sitzungsteilnehmenden wahrgenommene fehlende Bereitschaft von Silvio Bonzanigo, sich in die Fraktions- und Parteistrukturen einbinden zu lassen, habe sie in ihrem Entscheid jedoch bestärkt.

SVP unterstützt Bitzi und Jost

Ebenfalls hätten die SVP-Parteileitung der SVP Stadt Luzern und die SVP-Fraktion des Grossen Stadtrates beschlossen, beim 2. Wahlgang vom 28. Juni 2020 die beiden bisherigen Stadträtinnen Franziska Bitzi und Manuela Jost zur Wahl zu empfehlen. Aus Sicht der SVP Stadt Luzern sei deren Wiederwahl, bei einer Bewertung aller bisher bekannten Kandidierenden für den 2. Wahlgang, die beste Option, um die «schwierigen politischen Herausforderungen zu meistern, welche die Stadt in der nächsten Legislatur konfrontieren werden».

Bonzanigo wittert Kalkül Hallers

Nach dem Entscheid der SVP äussert sich auch Silvio Bonzanigo dazu: Er wittert hinter «dieser Disziplinierungsaktion eine ausgebuffte Camouflage», welche wenig mit der SVP Stadt Luzern, wenig mit der Liste «Chance Littau-Reussbühl» und wenig Bonzanigo selber zu tun habe.  Vielmehr gehe es um Manuela Jost, Judith Dörflinger und Dieter Haller.

«Hallers Ambitionen auf eine Stadtratskandidatur 2024 sind bekannt.  Seine Wahlchancen erhöhen sich, wenn Jost 2020 wiedergewählt wird und 2024 zurücktritt», so vermutet Bonzanigo. «Hallers Wahlchancen vermindern sich, wenn 2020 Dörflinger anstelle von Jost gewählt wird und 2024 als Bisherige wieder antreten kann.»

Gemäss dem Stadtratkandidat wolle Haller aktuell jegliche Aktionen unterbinden, welche Manuela Jost Stimmen kosten könnten. «Deshalb ist seine Agitation gegen die Liste ‹Chance Littau-Reussbühl› mit meiner Kandidatur in diesem Sinn nur folgerichtig.»

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

3 Kommentare
  1. Kaufmann, 20.04.2020, 12:27 Uhr

    Die von Milliardären gesteuerte Politik der SVP hat es schwer qualifizierte, kritisch denkende Kaderleute anzusprechen. So werden Leute wie Silvio Bonzanigo nach oben gespült und sogar von der FDP, den Liberalen unterstützt.
    Mit diesen Spielchen verliert die Politik immer mehr an Glaubwürdigkeit.
    Auch die mit fremdenfeindlichen Parolen unterhaltenen Wähler verlieren mit der Zeit den Glauben an Martullo-Blocher-Grüter & Co. Sie legen ihre Wahlzettel in den Abfall.

  2. David L, 19.04.2020, 16:52 Uhr

    Etwas irritierend, dass die Luzerner SVP solch eine Person zu der offenbar kein besonderes Vertrauensverhältnis besteht überhaupt erst aufgestellt hat… man wird – wie schon bei den vorherigen Wahlen – den Eindruck nicht los, dass die SVP der Stadt Luzern schlichtweg über keinerlei glaubwürdige Mitglieder verfügt und daher jedes mal den erstbesten unbekannten „Nobody“ ins Rennen wirft, der sich dazu bereit erklärt auf diese Weise der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden.

    1. CScherrer, 20.04.2020, 08:33 Uhr

      Gute und vermutlich richtige Analyse. Sehe ich genauso.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.