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SVP-Song: Sursee droht mit Anzeige
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Wo en Willy esch, esch au Soorsi? Die Logos sollten nicht ins SVP-Video. (Bild: youtube.com)

Unfreiwilliges Partei-Sponsoring SVP-Song: Sursee droht mit Anzeige

3 min Lesezeit 1 Kommentar 07.08.2015, 14:59 Uhr

Gutgelaunt singt die gesamte Schweizer SVP-Prominenz «Wo e Willy isch, isch ou e Wäg» und geht damit in den Wahlkampf. Die Stadt Sursee sowie die Krankenkasse Concordia haben allerdings weniger Spass am beschwingten Lied. Ihre Logos tauchen im Youtube-Video auf. Der Stadtrat von Sursee hat interveniert und mit rechtlichen Schritten gedroht. 

Rund 95’000 Mal wurde der Clip auf Youtube inzwischen angeklickt. Der SVP Freiheitssong «Wo e Willy isch, isch ou e Wäg» des Luzerner Musikers Willy Vogel (Künstlername Willy Tell) macht die Runde. Da Musik bekanntlich Geschmackssache ist, sind die sozialen Medien voll mit Kommentaren. Die Einen finden den Song «schrecklich», die Zweiten «amüsant» und die Dritten «no recht gueti Musig».

Auf jeden Fall: Der Jolidu-Titel polarisiert. Aufmerksamkeit hüben wie drüben. Das allein wäre kein Problem. Pikant ist nur: Im Video zum Song tauchen Logos von namhaften Luzerner Firmen auf. Ein ungewolltes Sponsoring, an dem die unfreiwillig Auserwählten keine Freude haben.  

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SVP Schweiz singt sich in Wahlkampf

Voller Fröhlichkeit und mit ganzem Körpereinsatz singen, klatschen und tanzen SVP-Grössen wie Christoph Blocher, Toni Brunner und Ueli Maurer zur Örgeli-Nummer. Mit dem Song beschwingt die Schweizer SVP ihren Wahlkampf. Sinn und Zweck dieser künstlerischen Darbietung ist es, das neue Maskottchen anzupreisen: Den Schweizer Wachhund «Willy». Willy hat eine eigene Facebook Seite, einen Twitter-Account und bewacht die Schweiz. Er bellt zum Beispiel Tweets wie: 

Ungewolltes Sponsoring

Die Stadt Sursee sowie die Krankenkasse Concordia haben weniger Spass am lupfigen Stück. Denn ihre Logos sind im Video mit der Bezeichnung «Sponsor» ersichtlich, was kürzlich dem Surseer Online-Medium «Trechter – News für Sempachersee Leute» aufgefallen ist. Die kurzen Sequenzen (ab Minuten 1:55 und 2:34) wurden ins Video eingeschnitten. Sie stammen ursprünglich von einer Veranstaltung vom 6. Juli «600 Jahre Sursee bei Luzern». 

Der Surseer Stadtrat Paul Rutz (CVP) hat sich am vergangenen Mittwoch «vehement» beschwert, wie er gegenüber zentral+ erklärt. Seine Stadt wurde hier in eine brisante Verwechslungsgefahr gebracht. «Das konnten wir nicht tolerieren. Wir wollen nicht in einem politischen Video auftauchen.» Rutz wandte sich direkt an die SVP-Leitung sowie an den Musiker Willy Vogel und schrieb eine «sehr deutliche» E-Mail, wie er sagt. Unter anderem mit Androhungen rechtlicher Konsequenzen.

«Wir mussten reagieren.»

 Stephan Kotyczka, Mediensprecher Concordia 

Auch die Krankenkasse Concordia hatte keine Freude an der ungewollten Werbung. Mediensprecher Stephan Kotyczka: «Mehrere Kunden haben sich beschwert, die Concordia solle ihre Prämiengelder gefälligst anders einsetzen. Dabei war das Sponsoring für die 600-Jahr-Feier von Sursee. Wir mussten reagieren.»

Hingegen ist für die Luzerner Kantonalbank, die ebenfalls auf der Sponsoring-Wand ersichtlich ist, die Sache problemlos. Medienchef Daniel Von Arx sagt auf Anfrage. «Unser Logo ist nur im Standbild erkennbar – und im Standbild ist auch klar, dass es sich um eine Aufnahme vom Fest ‹600 Jahre Sursee bei Luzern› handelt.» 

«Wir haben versucht, die Logos zu überdecken.»

Willy Vogel, Musiker

Nicht aufgefallen

Dem Künstler Willy Vogel war die Sache nicht bewusst, wie er erklärt. Das sei etwas unglücklich gelaufen. «Ich will ja keinen Ärger machen. Die Logos auf der Wand im Hintergrund sind mir nicht aufgefallen.» Die Reklamation von der Krankenkasse und der Stadt Sursee könne er nachvollziehen.

In der Zwischenzeit hat Willy reagiert. «Wir haben versucht, die Logos zu überdecken». Da der Produzent der Videos aber noch in den Ferien war, habe das die Koordination etwas erschwert. Die Logos seien inzwischen mit einem improvisierten Banner abgedeckt worden. Das habe die SVP-Marketingleitung so gemacht. Das Ganze sehe so rudimentär aus, weil das Youtube-Video noch nicht neu produziert und hochgeladen werden konnte. Der Surseer Stadtrat Paul Rutz kann mit dieser Massnahme leben, wie er auf Nachfrage sagt. 

Die etwas «eigen-Willy-ge» Abdeckung der SVP-Leitung.

Die etwas «eigen-Willy-ge» Abdeckung der SVP-Leitung.

(Bild: zvg)

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1 Kommentare
  1. Eveline Hari, 08.08.2015, 08:20 Uhr

    Erstens möchte ich dem WillyTell ganz herzlich zu diesem tollen Song über die Schweiz gratulieren!
    Für mich sieht es nach dieser Berichterstattung eher aus, dass die Krankenkasse und das Grafik-Haus auf den Medien-Hype-Zug rund um den Song aufspringen wollen. Zudem finde ich die Kunden, welche sich beschwert haben dumm. Ich glaube kaum, dass die Krankenkasse was an die Produktion des Songs und an das Video bezahlt haben. Die umstrittene Sequenz stammt vom Städtlifest Sursee, wo der Tell gespielt hat.
    Öffentlich….Die Krankenkasse hätte einfach ihre aufmüpfigen Kunden beruhigen sollen und fertig. Sie hatten bis jetzt nämlich unbezahlbare Werbung!!! Über 95’000 Klicks auf YouTube! Jetzt so ein Theater? Ganz schlechte Werbung! Besser mal das Geld für den Anwalt in einem Künstler wie WillyTell investieren, einer der seit Jahren Musik für’s Volk macht.