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SVP-Schärli will Stadtrat werden – und beleidigt die CVP
  • Politik
Thomas Schärli, hier an einer Wahlkampfveranstaltung der SVP, will hoch hinaus. (Bild: zVg)

Luzern: Kommt es zur Kampfwahl um Stadtratssitz? SVP-Schärli will Stadtrat werden – und beleidigt die CVP

4 min Lesezeit 14.09.2016, 19:23 Uhr

Nix stille Wahl. SVP-Jungspund Thomas Schärli hat die parteiinterne Schlammschlacht von letztem November verdaut. Nun will er erneut für den Stadtrat kandidieren. Dass er sich dabei gröber blamieren könnte, nimmt er aus gutem Grund in Kauf. Und dass er die CVP beleidigt, ist ihm schlichtweg egal.

Thomas Schärli ist nicht kleinzukriegen. Der 36-jährige Littauer SVP-Kantonsrat will für den Luzerner Stadtrat kandidieren. «Es wird schwierig, aber ich finde, wir sollten es versuchen. Ich bin bereit und möchte nominiert werden», sagt er gegenüber zentralplus.

«Brauchen keine Lachnummer»

Schärli wollte schon bei den letzten Stadtratswahlen antreten, als es um den Sitz der abtretenden SP-Stadträtin Ursula Stämmer ging. Schärli wurde aber an der SVP-Nominationsversammlung vergangenen November von Parteichef Peter With und Fraktionschef Marcel Lingg hart rangenommen. Schärli sei viel zu unbekannt, zu jung und zu unerfahren, schimpften die Parteioberen wohl nicht zu Unrecht. «Wir brauchen nun eine Kandidatur, die weitherum anerkannt ist, und keine Lachnummer oder einen Witzkandidaten», schoss Lingg aus allen Rohren.

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«Ob eine der vier CVP-Frauen gewählt würde oder eine von der SP, macht fast keinen Unterschied.»

Thomas Schärli, SVP-Kantonsrat

Das sorgte dafür, dass Schärli übelst genervt seine Kandidatur in letzter Sekunde zurückzog. Er sprach danach von Mobbing und hässlichen Spielchen, die im Hintergrund gegen ihn gelaufen seien (zentralplus berichtete).

Schliesslich trat With diesen Mai/Juni für die SVP an – scheiterte bei den Stadtratswahlen aber hochkant. Als Nachfolger von Ursula Stämmer gewählt wurde Beat Züsli (SP). Heute sagt Schärli: «Was passiert ist, ist passiert. Wir konnten den Frieden wieder herstellen.»

Thomas Schärli an einer Standaktion.

Thomas Schärli an einer Standaktion.

(Bild: zVg)

Schärli beleidigt CVP als «Windfahne»

Ob die SVP Schärli, sonstwen oder eventuell gar niemanden nominiert, entscheiden die Mitglieder an der Versammlung nächsten Freitag, 23. September. «Ich glaube, ich habe gute Chancen, nominiert zu werden», sagt Schärli. Viele SVP-Mitglieder würden sich eine Kandidatur wünschen. Den Sitz einfach der «Windfahne CVP» (Zitat Schärli) zu überlassen, sei der falsche Weg. Zumal: «Ob eine der vier CVP-Frauen gewählt würde oder eine von der SP, macht fast keinen Unterschied», sagt Jungspund Schärli. Die stünden schlichtweg alle zu weit links.

Thomas Schärlis Vimentis-Smartspider: Ganz sicher nicht Öko oder Europa, aber auch kein Finanzhardliner.

Thomas Schärlis Vimentis-Smartspider: Ganz sicher nicht Öko oder Europa, aber auch kein Finanzhardliner.

(Bild: vimentis.ch)

CVP nominiert diesen Donnerstag

Bei der CVP kandidieren bekanntlich vier Frauen: Franziska Bitzi Staub, Pia Maria Brugger, Caroline Kuhn und Mirjam Fries. Diesen Donnerstagabend entscheiden die CVP-Mitglieder, mit wem sie ins Rennen steigen wollen (zentralplus wird via Live-Ticker informieren). Die CVP will mit einer dieser vier Frauen den frei werdenden Sitz des zurücktretenden Finanzdirektors Stefan Roth verteidigen. Weil Roth als Stadtpräsident abgewählt wurde, hat er sich kurz nach der Wahl entschieden, aus der Stadtluzerner Exekutive zurückzutreten (zentralplus berichtete).

Eine stille Wahl am 27. November wird folglich immer unwahrscheinlicher. Zumal sich auch die SP eine eigene Kandidatur überlegt.

Grosse Ambitionen

Thomas Schärli ist zwar auch heute, ein paar Monate nach der Schlammschlacht mit seinen Parteioberen, nicht viel bekannter, erfahrener oder älter. Er riskiert folglich eine ordentliche Klatsche. Hat er keine Angst, sich zu blamieren? «Doch. Aber dann kennt mich wenigstens jeder.» Damit macht Schärli erneut keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Er will in der Politik Karriere machen. Schon früh habe er halb im Spass, halb im Ernst gesagt, er wolle mal Bundesrat werden.

Man darf gespannt sein, was aus dem «jungen Wilden» noch wird. Am 27. November jedenfalls, so viel steht fest, wird der Karriereschritt noch nicht gelingen.

Einwohnerrat, Grossstadtrat, Kantonsrat

Thomas Schärli (Jahrgang 1979) lebt zusammen mit seiner Partnerin im Matthof in Littau. Der gelernte Elektromonteur ist Vater von vier Kindern und arbeitet bei Coop im Bereich Energieoptimierung. Er sitzt unter anderem im Vorstand der SVP Stadt Luzern und ist bei den Geisslerchlöpfern Littau dabei. Von 2002 bis 2004 sowie von 2008 bis 2010, amtete er für die SVP als Littauer Einwohnerrat. Von 2010 bis 2011 agierte er im Stadtparlament. 2011 wurde Schärli in den Kantonsrat gewählt. Im März 2015 schaffte er die Wiederwahl. Als Hobbys nennt er Familie, Fasnacht, Brauchtum und Handwerken.

Aus unserer Serie mit den vier CVP-Kandidatinnen soeben erschienen sind:

Hinweis: zentralplus berichtet diesen Donnerstag ab 19.15 Uhr live von der Nominationsversammlung der CVP. Wir bieten das volle Programm: Live-Ticker, Interview mit der siegreichen CVP-Stadtratskandidatin, Kommentar, Video.

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