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SVP-Jungspund will GLP aus Stadtrat werfen
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Thomas Schärli am diesjährigen SVP-Luga-Stand. Im Hintergrund das Wahlkampf-Piaggo. (Bild: zvg )

Auftakt zum städtischen Wahlkampf SVP-Jungspund will GLP aus Stadtrat werfen

6 min Lesezeit 28.05.2015, 16:15 Uhr

Thomas Schärli wills wissen. Der erst 35-jährige Littauer will bei den Stadtratswahlen nächsten Frühling antreten. Er wäre nicht nur der jüngste, sondern auch der erste SVP-Stadtrat in der neueren Geschichte von Luzern. Seine Wahl könnte auf Kosten der GLP gehen. Und auf jene der Frauen.

Jetzt kommt Schwung in die Bude. Die Stadtluzerner SVP hat Kantonsrat Thomas Schärli (35, siehe Box) als Nationalratskandidat nominiert. Der Littauer setzte sich parteiintern gegen den städtischen SVP-Präsident Peter With klar mit 29 gegen 13 Stimmen durch. Nach Bern gewählt werden dürfte Schärli zwar kaum. Jedoch ist seine Nomination ein klares Indiz, dass die SVP ihn im November als Stadtratskandidat nominieren wird – wo die SVP noch nie vertreten war. Die Gesamterneuerungswahlen in der Stadt finden nächsten Frühling statt. Bekannt ist bislang, dass Ursula Stämmer (SP) nicht mehr antreten wird. Auf Nachfrage bestätigt Schärli zentral+ gegenüber exklusiv, dass er Stadtrat werden möchte. Rein vom Wähleranteil her hätte die SVP eher ein Anrecht auf einen Sitz als die GLP, die mit Manuela Jost vertreten ist. Im fünfköpfigen Stadtrat sitzen sonst noch Stefan Roth (CVP), Martin Merki (FDP) und Adrian Borgula (Grüne).

zentral+: Thomas Schärli, wieso möchten Sie in den Luzerner Stadtrat?

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Thomas Schärli: Politik begeistert mich schon seit über 15 Jahren. Mit 18 habe ich mich für Politik zu interessieren begonnen. Schon mit 20 stand ich erstmals auf einer Einwohnerratsliste. Ich habe also die ganze Ochsentour durchgemacht. Jetzt möchte ich den nächsten Schritt wagen. Und als Luzerner interessiere ich mich am meisten für die Stadt. Hier möchte ich mich in der Exekutive für Luzern einsetzen.

zentral+: Sie wären vermutlich der jüngste Stadtrat seit 1854, als der Getreidehändler Wilhelm Schindler-Pfyffer mit gerademal 25 Jahren zum Stadtrat gewählt wurde. Welche Qualifikationen bringen Sie, ausser Ihrer politischen Erfahrung, sonst noch mit?

Schärli: Beruflich arbeite ich bei Coop im Technischen Dienst, wo ich als Eidg. Technischer Kaufmann für die Region Nordwestschweiz, Zürich und die Zentralschweiz für 350 Verkaufsstellen in Energie und Technik zuständig bin. Ich betreue als Schlüsselperson in einem Team von 30 Angestellten Projekte im Bereich Energieoptimierung. Hier konnte ich schon viele wertvolle Erfahrung sammeln. 

zentral+: Vor der Abstimmung über die gewonnene SVP-Lohnsenkungsinitiative «200’000 Franken sind genug» für Stadträte sagten Sie, dass es sicher auch mit tieferen Löhnen genügend qualifizierte Anwärter fürs Stadtratsamt geben würde. Nun gehen Sie mit gutem Beispiel voran?

Schärli: (lacht) Das kann man so sehen, ja. Ich mache die Arbeit sicher gerne für 200’000 Franken. Von diesem Lohn bin ich heute zudem noch weit entfernt. Ich hatte aber schon immer das Ziel, in einer Exekutive mitzuarbeiten. Gäbe es Littau, das 2010 mit der Stadt fusioniert hat, als eigenständige Gemeinde noch, wäre ich dort heute wohl Gemeinderat. Und als ich Anfang 20 war, träumte ich gar davon, mal Nationalratspräsident zu werden.

zentral+: Die SVP war bislang noch nie im Stadtrat vertreten. Wieso?

Schärli: Die Stadt ist halt eher links geprägt. Hier hat die SVP im 48-köpfigen Parlament nur sieben Sitze. Gleich viel wie die Grünen (Anmerkung der Red: die SP hat 12 Sitze, FDP und CVP je 9, die GLP hat 4 Sitze).

Entwicklung im Wahlkreis Stadt Luzern bei den kantonalen Wahlen diesen März (Quelle: Vimentis.ch)

Entwicklung im Wahlkreis Stadt Luzern bei den kantonalen Wahlen diesen März (Quelle: Vimentis.ch)

(Bild: vimentis.ch)

zentral+: Und warum glauben Sie, dass die Bevölkerung nun, in einem quasi historischen Akt, Sie als ersten SVP-Vertreter in den Stadtrat wählen könnte?

Schärli: Ich bin ein kommunikativer, moderner, eher ruhiger SVP-Politiker. Ich gelte als stiller Schaffer, nicht als Polteri, und arbeite lösungsorientiert.

zentral+: Das tönt ein wenig nach Paul Winiker, der im März für die SVP in die Luzerner Regierung gewählt wurde. Hoffen Sie auf einen Nachahmereffekt?

Schärli: Das habe ich mir noch gar nicht überlegt. Aber man muss sehen: Die Verhältnisse im bürgerlichen Kanton sind ganz anders als in der Stadt. Das kann man nicht einfach übertragen. Wir hoffen eher darauf, dass wir etwa mit unserer erfolgreichen Lohninitiative in der Bevölkerung Sympathien geholt haben. Viele Leute verstehen es nicht, warum die Stadträte solch hohe Saläre beziehen, dann aber bei Sitzbänken und Spielplätzen gespart werden soll.

zentral+: Sie sagen, Sie würden nicht ins typische SVP-Schema passen. Warum?

Schärli: Zum einen lebe ich in einer Patchworkfamilie, schon das ist untypisch. Ich habe mit meiner ersten Frau drei Kinder, mit meiner zweiten eins und nun lebe ich mit meiner Partnerin zusammen, die selber drei Kinder hat. Das passt nicht allen, aber ich hole so auch Sympathien. Auch mit den ganzen Schwulen- und Lesbengeschichten habe ich kein Problem. Das legt sich vermutlich auch wieder etwas.

zentral+: Würden Sie, so wie kürzlich Irland, der Homoehe zustimmen?

Schärli: Vermutlich würde ich das. Wir haben ja auch Schwule in der eigenen Partei. Ansonsten aber bin ich durch und durch bürgerlich und traditonell. Ich habe etwa in Littau eine Geisslerchlöpferschule gegründet, bin dort als Samichlaus tätig und in einer Fasnachtsgruppe.

Thomas Schärlis Vimentis-Smartspider: Ganz sicher nicht Öko oder Europa, aber auch kein Finanzhardliner.

Thomas Schärlis Vimentis-Smartspider: Ganz sicher nicht Öko oder Europa, aber auch kein Finanzhardliner.

(Bild: vimentis.ch)

zentral+: Bei den Stadtratswahlen wird der Sitz von Ursula Stämmer frei. Die SP wird diesen sicher verteidigen können. Hoffen Sie darauf, dass Sie Stadträtin Manuela Jost von den Grünliberalen rauskegeln können?

Schärli: Meiner Partei wär das sicher recht. Zudem dürften wohl auch Teile der FDP damit sympathisieren.

zentral+: Das könnte interessant werden. Angenommen, die drei Bisherigen Martin Merki (FDP), Stefan Roth (CVP) und Adrian Borgula (Grüne) würden wiedergewählt, wenn sie denn antreten. Und angenommen, Sie würden für Manuela Jost in den Stadtrat einziehen. Und angenommen, für die SP würde der hochgehandelte Beat Züsli gewählt – dann hätte nicht nur die Luzerner Kantonsregierung, sondern auch die Stadt Luzern eine reine Männerexekutiv. Was sagen Sie dazu?

Schärli: Also, für mich wäre das kein Problem. Wir respektieren die Frauen dann umso mehr.

zentral+: Die Stadt ist finanzpolitisch trotz erfolgter Steuererhöhung seit Jahren in einer schwierigen Lage. Aufs nächste Jahr müssen jährlich 11 Millionen Franken gespart werden, wie, weiss die Öffentlichkeit noch nicht. Wie beurteilen Sie die Lage?

Schärli: Da wird noch immer unnötig viel Geld ausgegeben, etwa für soziokulturelle Angebote. Klar muss die Stadt attraktiv bleiben, aber hier könnten sicher Abstriche gemacht werden.

zentral+: Sie sind politisch sehr ehrgeizig. Was käme nach dem Stadtratsamt?

Schärli: (lacht) Dann gäbe es ja immer noch den Weg in den Bundesrat …

Thomas Schärli (ganz rechts) unter anderem mit SVP-Präsident Toni Brunner (Dritter von rechts) am diesjährigen SVP-Luga-Stand.

Thomas Schärli (ganz rechts) unter anderem mit SVP-Präsident Toni Brunner (Dritter von rechts) am diesjährigen SVP-Luga-Stand.

(Bild: zvg)

Verdächtig schweigsamer SVP-Präsident

Peter With (43) ist normalerweise keiner, der aus seiner Meinung ein Geheimnis macht. Doch wer den SVP-Grossstadtrat und Präsidenten der städtischen SVP auf das Thema Stadtratswahlen oder auf das Nominationsverfahren für den Nationalrat anspricht, stösst auf eine Mauer des Schweigens. So mag der Littauer With, der die städtische SVP wieder in ruhigere Gewässer geführt hat, nicht einmal sagen, ob er selbst gerne als Stadtrat antreten möchte. Oder ob er sauer ist, dass er nicht für die Nationalratswahlen nominiert wurde.

Offenbar hat die Nomination des erst 35-jährigen Thomas Schärli für Unruhe innerhalb der Partei gesorgt. Vielleicht lässt sich With, der in der Stadt sicherlich bekannter ist als Schärli, an der SVP-Nominationsversammlung im November ja doch als Kandidat für die Stadtratswahlen aufstellen? Oder er wirft den Bettel als Parteipräsident hin? Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

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