SVP der Stadt Luzern eilt dem Blue Balls zu Hilfe
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Zur Blue-Balls-Zeit zeigt sich jeweils ein buntes Treiben rund um das Luzerner Seebecken. Hier im Bild James Levaux & Co. beim Blue Balls 2017. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Grossstadtrat soll eingreifen SVP der Stadt Luzern eilt dem Blue Balls zu Hilfe

3 min Lesezeit 11 Kommentare 02.06.2020, 11:51 Uhr

Die Verhandlungen zwischen dem Stadtrat und der Festivalleitung sind gescheitert. Die diesjährige Ausgabe musste wegen Corona abgesagt werden. Die Zukunft des Blue Balls ist ungewisser denn je. Nun fordert die SVP die Rettung des Festivals.

Nach der Corona-bedingten Absage des Blue Balls, das vom 17. bis 25. Juli hätte stattfinden sollen, ist die Zukunft des Festivals offener denn je.

Unerwartete Hilfe ereilt das Festival nun von bürgerlicher Seite. Eine Motion, die Jörg Krähenbühl und Marcel Lingg im Namen der SVP-Fraktion einreichten, fordert Klärung, was das diesjährige Aus für die Zukunft des Festivals bedeutet.

Nachdem sich Festivalleitung und Stadtrat nicht einig geworden sind (zentralplus berichtete), nehmen die Motionäre «besorgt zur Kenntnis, dass nun offensichtlich nur noch Stillstand und Konsternation herrscht». Es müsse davon ausgegangen werden, dass es Festivaldirektor Urs Leierer und der federführenden Bildungsdirektion der Stadt «möglicherweise nicht mehr gelingen wird, eine nachhaltige Lösung zur Sicherung des Festivals zeitnah zu vereinbaren».

Der Grossstadtrat soll das Dossier übernehmen

Der Vorschlag: Die Kompetenzen über das Dossier sollen dem Grossen Stadtrat überwiesen werden. Konkret fordern die Motionäre einen Planungsbericht, wie er etwa für das Luzerner Stadtfest ausgearbeitet wurde (zentralplus berichtete).

Die Veranstalter sollen ihre Ansichten und Vorstellungen dem Grossen Stadtrat, voraussichtlich der zuständigen Bildungskomission, unterbreiten.

Im Zentrum steht die Frage, wie das Blue Balls Festival ab 2021 und darüber hinaus durch die Stadt Luzern «ideologisch, durch Sachleistungen oder finanzielle Beiträge unterstützt werden könnte». Auch eine Neuausrichtung des Festivals soll diskutiert werden können. Ferner soll geklärt werden, wie es zum Scheitern der Verhandlungen über das Stiftungsmodell kam.

Vergleich mit dem Stadtfest hat seine Tücken

Die Motionäre nennen das Blue Balls in einem Atemzug mit traditionsreichen Veranstaltungen wie der Luzerner Fasnacht oder dem Luzerner Stadtfest. Letzteres hat ebenfalls mit finanziellen Engpässen zu kämpfen und wird nach einer zweijährigen Pause im Jahr 2021 mit einem neuen Konzept an den Start gehen (zentralplus berichtete). Die Stadt beteiligt sich mit über einer Million Franken. Das ist ungefähr der Beitrag, der auch das Blue Balls retten könnte.

Stadtpräsident Beat Züsli hat im Zuge der Neuausrichtung des Luzerner Festes einen Vergleich mit dem Blue Balls jedoch relativiert: Während das Luzerner Fest ein vielfältiges Angebot anstrebe mit einem kulturellen Teil, Musik, Sport und Begegnungsorten, handle es sich beim Blue Balls um eine bestehende, positionierte Marke im Musikbereich. Zudem steht beim Luzerner Fest eine Stiftung im Hintergrund, beim Blue Balls ein professioneller Veranstalter. «Das miteinander zu vergleichen, wäre nicht richtig.»

Notorisch von Geldsorgen geplagt

Das Blue Balls Festival ist notorisch von Geldsorgen geplagt. Um sich das Problem ein für alle Mal vom Hals zu schaffen, schlug die Leitung ein Stiftungsmodell vor, das teils von privater, teils von der öffentlichen Hand gespiesen wird. Doch der Luzerner Stadtrat will dieses nicht mittragen.

Blue-Balls-Festivaldirektor Urs Leierer hatte zuvor angekündigt, er sei nicht mehr bereit, das Festival auf eigenes Risiko auszurichten. Im Anschluss an den Entscheid des Stadtrates zeigte sich Leierer denn auch enttäuscht und teilte mit, dass «der Entscheid der Stadt Luzern vom Verein Luzerner Blues Session nicht verstanden» werde.

Derzeit sieht die Unterstützung für das Blue Balls durch die Stadt wie folgt aus: Ein finanzieller Beitrag von 130’000 Franken pro Jahr, die Gewährung von Nutzungsrechten im KKL Luzern sowie die unentgeltliche Zur-Verfügung-Stellung des öffentlichen Grundes.

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11 Kommentare
  1. Marcel Lingg, 03.06.2020, 23:19 Uhr

    Zur Klärung eines offensichtlichen Missverständnisses: Der von der SVP eingereichte Vorstoss wurde nicht auf Anfrage oder Drängen von Herr Urs Leierer verfasst. Seitens der SVP erfolgte bewusst weder mit Urs Leierer noch mit Vertreter der Stadt eine vorgängige Absprache oder Information. Es war der SVP wichtig, in dieser Sache kein direkter Parteienvertreter zu sein. Es geht der SVP nicht in erster Linie um Personen oder eine private Organisation, sondern um ein in der Stadt Luzern jährlich stattfindendes Festival, welches trotz vielen kritischen Stimmen von vielen Bewohnern und Gästen besucht und geschätzt wird und zu einer gesellschaftlichen, kulturellen und volkswirtschaftlichen Bereicherung der Stadt Luzern beiträgt.

    1. M. Moser, 07.06.2020, 11:49 Uhr

      Herr Lingg, wollen sie gutes Geld einem toten Konzept hinterherwerfen? Ich denke nach den zahlreichen Fehlern die Herr Leierer in den letzten Jahren gemacht hat ist der Zenit überschritten.
      Muss ich ihnen die Fehler wieder aufzählen?
      – Marketingfehler
      – Fehlender Einbezug lokaler Exponenten der Musikszene
      – Fehler im Sponsoring
      Diese Fehler und die fehlenden Korrekturen brachen dem Blue Ball- Festival das Genick. Das Herr Leierer nicht selber über seine Bücher geht und nun einfach die Stadt verantwortlich macht (Geplänkel mit Billettsteuern) zeugt auch nicht von Kritikfähigkeit des Herrn Leierer. Notabene Herr Leierer ist kein Steuerzahler der Stadt Luzern, er und seine Organisation entrichten ihre Steuern in Zürich. Warum jetzt hier also ausgerechnet die SVP Stadt Luzern in die Bresche springt ist mehr als fragwürdig…

  2. Hugo Ball, 03.06.2020, 07:25 Uhr

    Warum geht Urs Leierer mit seinen Desperado-Geldbeschafffungsmassnahmen nicht mit gleicher Schärfe, Härte und Unnachgiebigkeit bei privaten Sponsoren wie z.B. Heineken vor? Eine Antwort erübrigt sich….! Die SVP der Stadt Luzern hat sich damit auch einen üblen Bärendienst erwiesen und ist noch unglaubwürdiger als je zuvor!

  3. M. Moser, 02.06.2020, 22:41 Uhr

    Ab jetzt wird es zu einer Lachnummer, Herr Leierer, Sie haben offensichtlich noch immer nicht kapiert, dass die Zeiten des Blue Balls jetzt abgelaufen sind. Was wollen sie denn noch? Einen totgerittenen Gaul künstlich am Leben erhalten. Totgeritten haben sie diesen Gaul selber… und fragen sie sich nicht warum? Wer so am Publikum vorbei seiner Liebhaberei frönt wird früher oder später auf dem Bauch landen. Neue Konzepte beim Blue Balls die man ihnen vorgeschlagen via ihre Staff vorgeschlagen hat wurden ja nicht mal geprüft. Nein der Herr Leierer rannte weiter blind ins Verderben. Jetzt haben sie ohne Hilfe von aussen, ganz allein einen Scherbenhaufen angerichtet. Wer nicht hören will, Herr Leierer der muss fühlen. Wer nicht bereit ist neue Konzepte ernsthaft zu überdenken, den bestraft das Leben in dem es ihm zeigt wie überholt die angewandten Konzepte ihrerseits waren. Und nein Corona war nicht schuld, das Kind fiel schon viel früher in den Brunnen. Oder muss man ihnen die Fehler einzeln aufzählen? 1. Verkaufskonzept total verfehlt. 2. Fehlende Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Kulturschaffenden. 3. Mangelndes Sponsoringkonzept. Zu Punkt 1: Wer meint er müsse Pinverkäufer wie Hornissen losschicken und Festivalgäste welche bereits einen Pin besitzen weiter belästigen darf sich nicht wundern wenn diese Gäste verärgert reagieren und beim nächsten Festival einfach zuhause bleiben. Ein Konzept mit festen Verkaufspunkten wurde ihnen mal vorgeschlagen. Zu Punkt 2: Wer meint er könne ein Festival ohne Einbindung von lokalen Kulturschaffenden hochziehen der macht schon mal einen grundlegenden Fehler. Die lokalen Exponenten der Musikszene kennen Luzern sehr genau und können abschätze wie das luzernische Publikum reagieren wird. Oder, Herr Leierer, ist es doch eher so, dass sie eine unbequeme Wahrheit welche nicht in ihr Weltbild passt einfach nicht zur Kenntnis nehmen will. Zu Punkt 3: Wer meint einen regionalen Player wie Heineken/Eichhof einfach vor die Türe stellen zu können, der darf sich nicht wundern wenn die Gäste ihr „Bier“ welches sie kennen und gerne mögen im Rucksack mitnehmen und dann dieses Bier auch trinken. Der Wechsel zu einem ausserregionalen Sponsor (Chopfab, Winterthur) war ein weiterer Marketingfehler ihrerseits. Letzendlich wollten sie ja in dem Theater auch noch Gott spielen, und einem eingesessenen Wirt am Quai vorschreiben, das er seine Werbetransparente einzurollen habe? Spätestens zu diesem Zeitpunkt als die Niederlage kam hätte ihnen ihr Fehler auffallen sollen. Alles in Allem waren das eben ein paar Fehler zu viel, Herr Leierer, jetzt wieder die Mesalliance mit der SVP, meinen sie eigentlich sie können die Luzerner für dumm verkaufen? Nein! Die Quittung für ihr unsägliches Verhalten wird folgen. Ich tippe 2023 dürfte das Blue Balls als historisches Ereignis gewertet werden.

  4. mebinger, 02.06.2020, 15:46 Uhr

    Wir werden uns im Herbst noch wundern, was die Massnahmen alles kaputt gemacht haben und wie viele indirekt wegen der Massnahmen gestorben sind. Wir haben vor allem die Zukunft der 20-30 Jährigen nachhaltig zerstört und unseren Kindern ein völlig hysterisches dummes Beispiel gegeben, wie man auf ein normales Ereignis handeln sollte

    1. Rolf Wüst, 03.06.2020, 17:44 Uhr

      Ach, lieber Herr mebinger … oder wie Sie auch immer heißen mögen! Was, genau, wollen Sie uns denn eigentlich vorjammern …!? Nun, Sie gehören wohl zu den „vorvorvorvorgestrigen“, welche sich nicht … NIE … vorstellen können, durch welche Untiefen die Welt, die Menschheit soeben watet! Und was unserer Bundesrat als Krisenmanagement durchaus achtbar gemeistert hat! Wenn es Ihnen denn hier, in der Schweiz, derart missfällt, so steht es Ihnen durchaus frei, nach wo zu emigrieren! Brasilien zum Beispiel … oder Peru, USA … alles Orte, wo man die Zukunft doch angeblich, nach Ihrem Dafürhalten, nicht derart „zerstört“ hat …!? Nun denn … wohlan, worauf warten Sie …!? Jedenfalls wie ein konstruktiv positiver Beitrag, diese Zukunft zu meistern, sieht Ihr Erguss echt nicht aus! Mit freundlichen Grüssen

    2. Andrea Stahl, 03.06.2020, 20:17 Uhr

      @Rolf Wüst: Als Opfer des Zuger Attentats kann sich Michel Ebinger sehr gut vorstellen, durch welche Untiefen Menschen waten können. https://www.zentralplus.ch/das-attentat-war-allenfalls-drei-vier-jahre-ein-thema-in-zug-855469/
      Dass Sie anderen Menschen, ohne diese oder ihren Hintergrund zu kennen, jegliche Empathie absprechen, nur weil diese anderer Meinung sind als Sie, sagt wohl mehr über Sie aus als Sie sich dies wünschen. Und ausgerechnet Sie rufen zu konstruktivem Denken auf? Einfach nur peinlich, wenn man sich selbst so entlarvt.

    3. Rolf Wüst, 04.06.2020, 00:05 Uhr

      Hallo A. Stahl, ja was Sie denn nicht sagen …!? Danke schön für meine Qualifikation durch Sie! Andererseits … geht es hier ganz klar und echt nicht um Opfer und Attentate in Zug vor Jahren oder nicht wahr …!? Mitunter ist das, was Sie hier reklamieren, vollauf irrelevant, da es sich mitnichten um solch persönliche Untiefen dreht …!? Kommt doch das, von/für was der gute Hr. Ebinger hier schreibt, ja sowas von gut herüber, oder nicht etwa …!?

      Und zudem in weiterem Belang … da Sie ja offensichtlich meinen persönlichen Hintergrund nicht kennen, aber mich trotzdem derart dreist angehen, ist dann aber o.k., gell!? Oder um vielmehr … womöglich halt wirklich nur selber als oberpeinlich entlarvt …!?

      Nichts für ungut, liebe Frau Stahl, aber zu differenzieren und das Hirn einschalten beim Schreiben, lohnt sich halt noch immer alleweil! Mit freundlichen Grüssen

  5. CScherrer, 02.06.2020, 14:59 Uhr

    Lustig. Die SVP macht sich für ein sinkendes Schiff stark, welches ohne eine Restrukturierung nicht mehr zum fliegen kommen wird. Das Herr Leierer offenbar nicht wirtschaften kann, haben die vergangenen Jahre nun aufgezeigt. Das großzügige Angebot der Stadt Luzern auszuschlagen resp. darüber in aller Öffentlichkeit zu Jammern, zeigt die geringe Wertschätzung der Verantwortlichen der Blue Balls GmbH gegenüber der Stadt. Es kann und wird nicht sein, dass der Steuerzahler für die Misswirtschaft weiter zur Verantwortung gezogen wird. Das sollte auch den beiden Exponenten der SVP klar sein oder brauchen die Nachhilfe in Sachen Marktwirtschaft etc.?

  6. Dunning-Kruger, 02.06.2020, 13:00 Uhr

    Dem Blue Balls Festival droht nun dasselbe Schicksal wie dem Luzerner Fest. Auch das Blue Balls wird nicht umhin kommen, kleinere Brötchen zu backen, viel kleinere Brötchen, wenn sie sich nicht komplett von der Festival-Landschafts-Bühne verabschieden wollen! Ohne verzerrte Wahrnehmung kann man gar nicht zu einem anderen Schluss gelangen. Und nun noch dieser Move mit der SVP – das riecht nach barer Verzweiflung.

  7. Hans Hafen, 02.06.2020, 12:51 Uhr

    Jetzt hat Urs Leierer verzweifelt seine letzten Netzwerke am neoliberalen Flügel angezapft. Sind wohl alte Freunde aus dem Regiment der Zentralschweizer Industrie- und Handelskammer. Die SVP soll’s im Kulturbetrieb nun also richten – hört, hört. Dieser Kniff an sich ist bereits ein bezaubernder Kunstgriff à la Copperfield, der einen stauend zurücklässt! Nun, die SVP ist ja sonst die Haus-Apologetin, wenn es um die Verkündung des Evangeliums der freien Marktkräfte geht, muss hier also für die Rettung einer Kulturinstitution mittels Steuergeld einstehen. Das Blueballs und dessen Dimensionen gemessen an einer Stadt von der Grösse von Luzern (immer noch provinziell) ist meiner Einschätzung nach giantoman aufgeblasen, völlig überhitzt und kann so am Markt unmöglich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien bestehen. Der messbare volkswirtschaftliche Nutzen für die Stadt Luzern und Region auch marginal. Jetzt wird es halt auch für U. Leierer existenziell – dass aber gerade die SVP die glühenden Kastanien aus dem Feuer holen soll, ist einfach nur ein bizarrer Witz!

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