SVP-Aeschi will Covid-Zertifikatspflicht beerdigen
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«Wir sind langsam am Ende der Pandemie», sagt SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi. (Bild: zvg)

Zuger Nationalrat: «Sind langsam am Ende der Pandemie» SVP-Aeschi will Covid-Zertifikatspflicht beerdigen

3 min Lesezeit 6 Kommentare 30.07.2021, 05:01 Uhr

Nicht nur Zuschauer der höchsten Fussball- und Eishockeyliga, sondern auch die Spieler brauchen ein Covid-Zertifikat. Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi hinterfragt diesen Entscheid. Und fordert: Die Zertifikatspflicht müsse aufgehoben werden. Ungeimpften empfiehlt er aber nicht, Grossanlässe zu besuchen.

Wer sich ein Spiel des EVZ oder des FCL anschauen will, braucht ein Covid-Zertifikat. Neuerdings müssen auch die Profis auf dem Eis oder Rasen sowie ihr Staff geimpft, genesen oder getestet sein. Wie zentralplus berichtete, führen die beiden obersten Sportligen diese Neuerung ein.

Der Einsatz des Covid-Zertifikats gibt diesen Sommer viel zu reden. Soll man es auch in Restaurants und Fitnesszentren zur Pflicht machen? Der Zuger SVP-Nationalrat und Fraktionschef Thomas Aeschi hat dazu eine klare Meinung.

zentralplus: Thomas Aeschi, Sie haben sich zuletzt dagegen ausgesprochen, das Covid-Zertifikat auf neue Bereiche auszuweiten. Was halten Sie vom Entscheid der Fussball- und Eishockey-Ligen, dieses für Spieler und Staff obligatorisch zu erklären?

Thomas Aeschi: Ich finde das nicht richtig. Unsere Meinung ist seit Langem, dass man die Massnahmen lockern sollte, sobald alle geimpft sind, die sich impfen lassen wollen. Das dürfte laut Bundesamt für Gesundheit Ende August der Fall sein. Spätestens dann muss die Zertifikatspflicht aufgehoben werden.

zentralplus: Die Ligen argumentieren mit der gegenwärtigen Situation rund um das Corona-Virus: Die Fallzahlen steigen wieder.

Aeschi: Die Covid-Massnahmen dienten immer dazu, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Im Moment sind nur wenige Spitalbetten durch Covid-Patienten belegt. Wir sind langsam am Ende der Pandemie. England ist dafür ein gutes Beispiel: Die Massnahmen wurden weitgehend gelockert und die Fallzahlen sinken.

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zentralplus: Die Zertifikatspflicht stellt die Sportler den Zuschauern gleich, die auch geimpft, negativ getestet oder genesen sein müssen, um ins Stadion zu kommen.

Aeschi: Ja, aber die Gleichstellung muss in die andere Richtung gehen. Auch bei den Besuchern muss die Zertifikatspflicht spätestens Ende August aufgehoben werden. Sobald alle Impfwilligen sich impfen lassen konnten, ist eine Zweiklassengesellschaft nicht mehr legitim.

«Wer geimpft ist und damit geschützt, muss keine Angst haben.»

zentralplus: Doch als Besucherin eines Spiels möchte ich eine gewisse Sicherheit haben, dass ich mich nicht einem hohen Ansteckungsrisiko aussetze – auch wenn ich geimpft bin.

Aeschi: Wer geimpft und damit geschützt ist, muss keine Angst haben. Doppelt Geimpfte stecken sich nur selten an und wenn das trotzdem passiert, sind die Krankheitsverläufe in der Regel milde, es kommt bei solchen Personen äusserst selten zu Hospitalisierungen.

zentralplus: Und die Ungeimpften? Ohne Covid-Zertifikat sind sie ja einer potenziellen Ansteckung ungeschützt ausgeliefert?

Aeschi: Ich würde einer ungeimpften Person nicht empfehlen, an grossen Menschenveranstaltungen teilzunehmen. Denn es stimmt, sie gefährden sich. Aber es gibt auch Leute, die eine Risikosportart betreiben, rauchen oder zu viel Zucker essen: Der Staat kann und vor allem darf die Bevölkerung nicht so eng an der Leine führen, dass er ihr alles vorschreibt. Wer sich nicht impfen lassen will, soll nicht indirekt dazu gezwungen werden. Die Impfung muss ein freiwilliger Akt sein – auch bei Fans und Profisportlern.

zentralplus: Was ist mit denen, die sich nicht impfen lassen können – zum Beispiel Kinder?

Aeschi: Kinder haben ein sehr geringes Risiko für einen schweren Verlauf. Und für alle älteren und gefährdeten Personen, die nicht geimpft sind, gelten weiterhin die Schutzmassnahmen wie Maskentragen, Abstand und Hygiene.

zentralplus: Ohne Zertifikate sind Ungeimpfte weniger gut geschützt. Könnte das Kippen der Zertifikatspflicht folglich die Impfquote erhöhen?

Aeschi: Es kann sein, dass dies mehr Leute zu einer Impfung bewegt, es kann aber auch sein, dass eine Ausweitung der Zertifikatspflicht zum Beispiel auf Restaurants diese Wirkung hat. Das ist schwierig vorherzusagen, ich bin kein Sozialpsychologe.

zentralplus: Die politische Diskussion zum Einsatz des Covid-Zertifikats ist derzeit in vollem Gange. Wie erleben Sie sie?

Aeschi: Die Diskussion um den Anwendungsbereich der Covid-Zertifikate ist ein typischer Sommerloch-Disput. Ich denke, die Situation wird sich beruhigen, wenn der Bundesrat am 11. August die nächste Medienkonferenz abhält. Ich gehe aufgrund von Gesprächen mit der Verwaltung davon aus, dass er dann die Aufhebung der Massnahmen in die Vernehmlassung schickt.

«Christoph Blocher hat soeben in einem Interview empfohlen, sich impfen zu lassen.»

zentralplus: Eine Befragung von Sotomo zeigte kürzlich, dass sich 51 Prozent der SVP-Anhänger nicht impfen lassen wollen (siehe Grafik). Die NZZ bezeichnete die SVP als Partei der Impfgegner. Sind Sie das?

Aeschi: Christoph Blocher hat soeben in einem Interview empfohlen, sich impfen zu lassen. Ich bin zweimal geimpft, unser Parteipräsident auch: Viele in der SVP lassen sich impfen, aber selbstverständlich haben wir auch impfkritische Mitglieder und Wähler.

zentralplus: Sie pochen also nicht auf die Aufhebung der Massnahmen, weil das in der Basis gut ankommt.

Aeschi: Nein, sondern weil es das Richtige ist. Wir haben von Anfang an gesagt: Sobald die Risikopatienten und ältere Menschen mit geschwächtem Immunsystem geimpft sind, können wir die Massnahmen aufheben.

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6 Kommentare
  1. [email protected], 31.07.2021, 14:57 Uhr

    also Herr Aeschi sollte sich mal schleunigst besser informieren; vor kurzem hat er gemeint, dass man in den Spitälern die Betten ausbauen könnte, um mehr Patienten aufnehmen zu können.Dumm ist nur, dass das entsprechende Personal fehlt, vor allem auf den Intensivstationen.Jetzt fordert er per Ende August eine Aufhebung der Massnahmen,analog zu Grossbritannien,nur ist die Impfquote höher als in der CH. Und wie hoch bei uns die Impfquote in einem Monat sein wird, steht noch in den Sternen.Ja, die Hospitalisationzahlen sind noch niedrig, aber sie steigen langsam an: 16.7.: 83, 21.7.:128, 27.7.:167, 30.7.:174

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  2. Daniel S., 31.07.2021, 13:10 Uhr

    Ich finde es eine Katastrophe, wie das gerade ein Zuger schreiben darf. Der Kanton Zug/Die Kantonale Verwaltung, geht mit COVID seit längerem um als ob es kein COVID gibt. So wird z. B. keinerlei Kontaktregistrierung im Hauseigenen Restaurant von den Beamten vorgenommen. Zusätzlich streicht man Homeoffice/Telearbeit komplett per 16. August (Urlaubsende im Kanton) dies, obwohl nach wie vor eine Homeoffice-Empfehlung besteht, auch scheint man eine Inkubationszeit nach dem Urlaub zu ignorieren, schön aus den Ferien zurück und schön alle anstecken gehen! Gutes Vorbild dieser Kanton Zug.

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  3. Kasimir Pfyffer, 30.07.2021, 10:36 Uhr

    Ja genau. Aeschi spricht vom «Sommerlochthema», macht aber selber seit Jahren nichts anderes, als Nichtprobleme zu Scheinproblemen aufzublasen. Das ist die ideale Ablenkung für seine WählerInnen, damit er hinter den Kulissen das wahre Parteiprogramm der $VP vorantreiben kann: Abbau des Sozialstaats, Steuerdumping zugunsten der Firmen und Reichen, Umverteilung von unten nach oben, Verwandlung der Schweiz in ein Alpen-Monaco.

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  4. MikeLeon, 30.07.2021, 09:21 Uhr

    Eine Zertifikatspflicht schadet niemandem und könnte zumindest einzelne Unschlüssige dazu bewegen, sich impfen zu lassen. Dem Virus muss der Nährboden entzogen werden, das sollte auch dieser Partei einleuchten. Diese ständige «Mit dem Kopf durch die Wand Politik» hilft höchstes der Weiterverbreitung. Trügt der Schein, dass die SVP eine Herdenimmunität anstrebt?

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    1. Kasimir Pfyffer, 30.07.2021, 10:37 Uhr

      Ich bewundere Ihren Optimismus. Warum sollte dieser Partei irgendetwas einleuchten? Sie ist doch so unglaublich stolz auf ihre Zwängigrinde, Realitätsverweiger und «neyn, neyn, neyn!»-Blöker.

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    2. MikeLeon, 30.07.2021, 11:41 Uhr

      Mit Aeschi’s «Herdenimmunität» meinte ich natürlich eine Durchseuchung (sorry). Eine Herdenimmunität (welch schrecklicher Begriff) wäre wünschenswert, wenn diese durch die Impfung erreicht werden könnte. Diese werden wir mit diesen weit verbreiteten Verschwörungstheorien aber leider niemals erreichen.

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