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Südpol: Das sind die Vorwürfe an die Leitung
  • Kultur
Die Stimmung im Südpol könnte besser sein. (Bild: zvg )

Nach dem Knall im Luzerner Kulturhaus Südpol: Das sind die Vorwürfe an die Leitung

3 min Lesezeit 1 Kommentar 17.06.2018, 06:08 Uhr

Dass es hinter den Kulissen des Südpols schon vor dem geschlossenen Rücktritt des Vorstands brodelte, ist bekannt. Besonders von der freien Szene kommen happige Vorwürfe an die Leitung des Kulturhauses. Und eine Forderung zeigt, wie stark der Unmut vor dem Knall am Freitag geworden ist.

Selbst der Vorstand hat es gesagt: dass der Südpol nicht das Zuhause der freien Szene geworden ist. Und das würden wohl viele Luzerner Kulturschaffende bestätigen. Das Kulturhaus auf Krienser Boden hat nun intern diverse Baustellen zu beseitigen. Doch offenbar ist die Stimmung auch, zumindest in Teilen der freien Theaterszene Luzerns, mehr als angespannt.

Hülle vor Inhalt

Annette von Goumoëns kennt als Produktionsleitung zahlreicher freier Theatergruppen aus der ganzen Schweiz die Szene wie das Haus von Beginn an. Sie beobachtet, dass der Unmut in Teilen der lokalen freien Szene in den letzten zwei Jahren stetig gewachsen ist.

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«Im Moment ist es wie leider vielerorts die Hülle, die über die Inhalte bestimmt», obwohl es doch zumindest in der freien Szene umgekehrt sein sollte, sagt sie. Ein Prozess zur Entwicklung eines Konzepts von innen, also aus der freien Szene heraus, habe jedoch nie wirklich stattgefunden, so von Goumoëns. Die Leitung des Südpols sei daran offensichtlich nicht interessiert, sondern habe bisher immer an einer stark intendantischen Leitung festgehalten.

Kein «frei» mehr

So, wie es derzeit im Südpol laufe, müsse man das Wort «frei» im Begriff «freie Szene» streichen und das Ganze durch «Low-Budget-Szene» ersetzen. «Im Südpol ist im Moment alles so stark reglementiert, dass die freie Szene darin nicht den Platz hat, den sie bräuchte, um sich ‹frei› entfalten zu können.» Viele aus der freien Szene fühlten sich zudem hinten angestellt. «Die Leitung des Südpols wollte sich offenbar national und international positionieren und hat dadurch die lokale freie Szene benachteiligt», ein Umstand, der einer starken lokalen Verankerung des Hauses nicht zuträglich sei.

«Andere Meinungen sind im Südpol nicht wirklich erwünscht.»
Annette von Goumoëns, Produktionsleitung

Dass es nun zum geschlossenen Rücktritt des Vorstands kam (zentralplus berichtete), ist für von Goumoëns keine Überraschung. Es sei schon länger bekannt, dass die Kommunikation zwischen Geschäftsleitung und Vorstand nicht funktioniere. Auch sie selbst und weitere lokale Kulturschaffende hätten mehrfach versucht, Ideen, konstruktive Kritik und Vorschläge an die Leitung des Südpols heranzutragen, doch ohne Erfolg, sagt von Goumoëns: «Andere Meinungen sind im Südpol nicht wirklich erwünscht und konstruktive Kritik kommt eher schlecht an.»

Neu-Ausschreibung gefordert

Sie wisse nicht, was nun auf den Rücktritt des Vorstands folge, doch eine Forderung aus ihrem Umfeld ist: dass die Stadt den Südpol komplett neu ausschreibt, das Haus von Grund auf neu gedacht wird. Was dementsprechend bedeuten würde, dass das ganze aktuelle Team gehen müsste.

Eine Forderung, die radikal wirkt, aber offenbar gar nicht so weit hergeholt ist. So erklärte die Chefin Kultur und Sport, Rosie Bitterli, gegenüber SRF, dass die Stadt durchaus über einen neuen Betreiber, ein neues Konzept nachdenke. «Wir könnten uns auch vorstellen, dass wir den Auftrag neu ausschreiben», sagte die Kulturchefin.

Was kann eine neue Leitung bewirken?

Ob das Problem damit gelöst werde, sogar daran zweifelt Annette von Goumoëns. «Die Stadt hat der freien Kulturszene eine super Hütte zur Verfügung gestellt, die aber aufwändig zu betreiben ist und vor allem im Unterhalt viel Geld verschlingt. Geld, das eigentlich in die künstlerischen Inhalte investiert werden sollte. Die Infrastruktur im Südpol ist zwar toll, aber gleichzeitig ist sie eine Herausforderung für das Haus.» Und das werde sich auch mit einem neuen Vorstand oder einer neuen Leitung nicht ändern. «Wir haben hier in der lokalen freien Szene so wenig Geld für die künstlerischen und kreativen Inhalte, dass man schon genau abwägen muss, wie viel davon an Gebäude, ihre Infrastruktur und Stellenprozente für deren Betreibung gehen soll.»

Die Geschäftsleitung des Südpols, so wie auch die Leitung von ACT Zentralschweiz als Vertreter aus der freien Szene, wird in den kommenden Tagen zu den Geschehnissen Stellung beziehen.

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1 Kommentare
  1. Marcel Moser, 17.06.2018, 12:25 Uhr

    Hmm… was soll dort denn nun werden? Am liebsten wäre es gewissen Kunstschaffenden wohl, dass die Stadt nur einfach den Geldbeutel öffnet und sich die Kunstschaffenden daraus bedienen könnten. So läuft es nun mal aber nicht. Es gilt immer noch der Grundsatz wer zahlt befiehlt. An diesem Grundsatz wird sich auch im Südpol nichts ändern. A fonds perdu-Finanzierung in ein bodenloses Fass??? Hoffentlich nicht!