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Sturm auf die Banken
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Liefen gestern auf Hochtouren: Bankautomaten in Luzern und Zug. (Symbolbild) (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

Luzerner und Zuger im Euro-Kaufrausch Sturm auf die Banken

4 min Lesezeit 1 Kommentar 16.01.2015, 15:27 Uhr

Die plötzliche Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat die Luzerner und Zuger Banken auf Trab gehalten. Unzählige Euros wurden bei den regionalen Banken bezogen – einige Automaten spuckten zeitweise gar keine Fremdwährung mehr aus. Der Ansturm war auch am Freitag noch gross. Unterschiedlich fallen hingegen die Prognosen der Touristengeschäfte aus.

Wohl noch nie hat die Schweizer Bevölkerung so viele Euros gewechselt wie gestern. In Luzern und Zug stürmte die Bevölkerung in die Banken, hob eifrig Euros ab und wollte den grösstmöglichen Profit aus dem Paukenschlag ziehen. Der Euro-Kurs sackte in den Keller und lag zeitweise unter einem Franken.

Kurs manuell angepasst

«Bei uns ist der Ansturm immer noch gross», erklärt Daniel von Arx, Mediensprecher der Luzerner Kantonalbank (LUKB), am Freitag auf Anfrage. Jedoch sei es kein Vergleich zum Donnerstag. «Den ganzen Tag lang haben Leute Euros bezogen.» Dies hielt die Bankangestellten mächtig auf Trab. «Normalerweise wird der Kurs bei der LUKB täglich sechsmal automatisch angepasst. Gestern mussten wir alle fünf Minuten prüfen und die Anpassung manuell übernehmen», so von Arx.

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«Wir erhielten auch etliche Telefonanrufe von KMU’s, die äusserst besorgt waren und nicht genau wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollen.» Immerhin sei der Vorrat nie ganz aufgekauft worden. Ob dies so bleibt, sei vom weiteren Ansturm abhängig. Daniel von Arx betont: «Physisch könnte uns der Euro ausgehen. Beispielsweise an kleineren Bankomaten, die in Tankstellen integriert sind.»

Euro-Bezug zeitweise blockiert

«Nach der gestrigen Ankündigung der SNB fand an den Devisenmärkten zeitweise keine adäquate Preisbildung statt», erklärt Johannes Möri, Mediensprecher von PostFinance. «Zum Schutz unserer Kunden haben wir den Devisenhandel in den Poststellen deshalb vorübergehend ausgesetzt». Immerzu hätte die Bank auf verlässliche Kurse gewartet. In den Poststellen selbst sei der Bezug der Fremdwährung seit Freitagmorgen wieder möglich.

Bei den Automaten der Raiffeisenbank Luzern hingegen war es tagsüber stets möglich, Euros zu beziehen. «Wir haben sehr viele Euro-Bezüge an unseren Bankautomaten registriert», sagt Urs Petermann, Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisen Luzern. «Eine wirklich aussergewöhnliche Situation», wie Petermann betont. Auch seien etliche Aufträge eingegangen, Devisen zu kaufen, was den Bestand der Euro-Noten schont. «Allerdings waren die Euro-Noten gegen Abend am Schalter in Luzern ausverkauft», so der Vorsitzende der Bankleitung.

«Panik ist nicht der beste Ratgeber»

Bei den Luzerner und Zuger Juweliergeschäften sind noch keine Auswirkungen zu spüren vom Absturz des Euros. Anne Gorgerat, die Sprecherin der Gübelin Gruppe erklärt: «Klar steigt der Preis für die Ausländer, die bei uns einkaufen. Doch gehen wir davon aus, dass die Kunden bei solch teuren Produkten weniger darauf achten.» Die Situation werde indes genau beobachtet. «Wir nehmen jedoch derzeit an, dass sich die Kurse mittel- bis langfristig wieder einpendeln.» Auch bei Bucherer in Luzern und dem Schmuckgeschäft Lohri in Zug habe man bis jetzt noch keine Veränderungen bemerkt. Dafür sei es noch zu früh. 


Jörg Baumann, Mediensprecher der Firma Bucherer sagt jedoch: «Wir können nicht ausschliessen, dass wir irgendwann Massnahmen ergreifen müssen, sollten sich die Euro- und Dollarkurse nicht erholen. Wir werden die Situation daher äusserst aufmerksam im Auge behalten. Dennoch gilt es nun, erst mal abzuwarten. Panik ist nicht der beste Ratgeber.»

Raiffeisenbanken ausgeschossen

Auch für die Zuger Banken war gestern ein langer Tag: «Man hat es schon gespürt am Tresen», sagt Matthias Brunner, der Vorsitzende der Bankleitung der Raiffeisenbank Zug. «Viele Leute haben sich an den Tresen erkundigt, was der Entscheid der SNB für sie bedeutet. Aber vor allem hat gestern ein wahnsinnig intensiver Börsenhandel stattgefunden, wie schon lange nicht mehr.»

Zudem war die Raiffeisenbank Zug gegen Abend ausverkauft, was den Euro angeht. «Ich kann mich nicht erinnern, dass das schon ein Mal vorgekommen ist.» Die Raiffeisenbank Zug hat auch am Bankomat weiterhin Euro beziehen lassen, trotz der grossen Volatilität der Kurse. Das Risiko dabei liegt bei der Bank. «Das sind aber nicht sehr grosse Summen an Bargeld, die wir da in der Schublade haben, bildlich gesprochen. Deshalb war das Risiko überblickbar.»

Nicht der Moment, um Panik zu bekommen

Man habe Respekt davor gehabt, das Geschäft mit den Euro einzufrieren. «Wie hätten das die Kunden verstehen sollen, dass wir plötzlich keine Euro mehr anbieten wollen?» Es sei nicht der Moment, um Panik zu bekommen. «Wir haben uns gesagt, der Markt ist halt so. Das gleich sich ja auch wieder aus, in dem wir jetzt wieder Euro zu einem günstigeren Kurs kaufen können. Und wie gesagt, unsere Euro-Vorräte waren beschränkt. Das vorhandene Risiko können wir gut handeln.»

Für die Zuger KMU sei es noch zu früh für eine Abschätzung der Konsequenzen, sagt Brunner. «Dazu müssen wir zuerst weiter verfolgen, was geschieht.»

«Frequenzen sind nach wie vor hoch»

Bei der Raiffeisenbank Cham hingegen ist man nicht ausgeschossen: «Wir haben noch genügend Euro», sagt Karl Martin Meyer, der Leiter der Raiffeisenbank Cham, «aber die Frequenzen sind auch bei uns nach wie vor hoch.» Er rät allerdings seinen Kunden dazu im Moment ruhig zu bleiben, Spekulationen seien nicht unbedingt sinnvoll. «Es ist nicht der Moment, um dem Herdentrieb zu verfallen.»

Bis zu 40 Prozent Umsatzeinbusse

Hart trifft den Entscheid der SNB auch Luzerner Geschäfte, die mit Touristen ihr Geld verdienen (siehe Box). Beim Touristengeschäft Casagrande zeigt man sich äusserst beunruhigt. Der Geschäftsführer Robert Grande erklärt: «Zwar befinden wir uns derzeit in der absoluten Low-Season, doch am 19. Februar ist das chinesische Neujahr, und dann holt uns der tiefe Kurs im Ausland voll ein. Ich rechne mit einer Umsatzeinbusse von 30 bis 40 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.»

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1 Kommentare
  1. Falco Meyer, 19.01.2015, 12:18 Uhr

    Matthias Brunner ist Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Zug, und nicht wie anfänglich im Text stand, der Zuger Kantonalbank. Da ist uns ein Fehler unterlaufen, das haben wir nun nachträglich im Text korrigiert.