Studie sieht das Luzerner Shopping-Center Schönbühl in der Krise
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«Grösser heisst nicht gleich besser», sagt der Leiter des Shopping-Centers Schönbühl. (Bild: mag)

Ist beim Schweizer Zentrum der Lack ab? Studie sieht das Luzerner Shopping-Center Schönbühl in der Krise

4 min Lesezeit 2 Kommentare 25.04.2019, 05:00 Uhr

Offenbar steckt das Shopping-Center Schönbühl in der Krise. So besagt es eine Studie. Es sei eines der Einkaufszentren, die leergewordene Ladenflächen nur schwer wieder füllen können. Was steckt dahinter?

Einst wurde es vom «Vaterland» als «Haus der unbeschränkten Möglichkeiten» angepriesen und gar als «Zauberland» betitelt: Das Einkaufszentrum Schönbühl. 1967 eröffnet, wurde es als das erste und zugleich modernste Einkaufszentrum der Schweiz gefeiert.

Mehr als 50 Jahre sind seither vergangen, die Konkurrenz hat rasant zugenommen. Unweit des Shopping-Centers Schönbühl, das an der Langensandstrasse gelegen ist, eröffnete Ende 2017 die Mall of Switzerland – ein Gigant. Während in dieser rund 100 Läden einquartiert sind, sind es beim Shopping-Center Schönbühl gerade einmal 21 Geschäfte.

Neuste Zahlen des «Retail Atlas Schweiz», einem Analyseprodukt für den Schweizer Detailhandel, zeigen, dass gerade mittelgrosse Einkaufszentren Mühe haben, leergewordene Ladenflächen wieder zu füllen. Explizit erwähnt wird das Shopping-Center Schönbühl. Es ist das älteste Einkaufszentrum der Schweiz – doch wie geht es ihm heute?

42 Millionen Umsatz im vergangenen Jahr

Die Studie wird von Stefan Styger, dem Leiter des Shopping-Centers Schönbühl ernst genommen: «Der Retail Atlas ist ein gutes Instrument, um die Marktsituation einschätzen zu können.» Das Einkaufszentrum erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 42 Millionen Franken, 2016 waren es noch 54 Millionen Franken. Ein Vergleich zu den Vorjahren sei schwierig, da es sich im vergangenen Jahr um ein «ausserordentliches Jahr» handle. 2018 wurde das Einkaufszentrum über zehn Monate hinweg durch diverse Sanierungs- und Renovationsarbeiten erneuert. Daraus würden auch die Umsatzeinbussen resultieren.

«Das Center ist über die Jahre hinweg zu einem wichtigen Treffpunkt im Quartier geworden.»

Stefan Styger, Leiter Shopping-Center Schönbühl

«Nur eine Fläche ist aktuell nicht vermietet», sagt Stefan Styger. Die Fläche sei zuvor vom Migros-Non-Food-Bereich genutzt wurde. Momentan sei die Suche nach einem neuen Mieter am Laufen. Vergangenes Jahr mieteten sich im Shopping-Center Schönbühl ein neues Modegeschäft für Frauen und ein Schuhanbieter ein.

Schweizer Einkaufszentren, die am meisten geschlossene Filialen haben. Auch das Luzerner Shopping Center Schönbühl gehört mit drei Filialen dazu. (Bild: Screenshot aus dem Retail Marktbericht Schweiz 2019)

Schweizer Einkaufszentren, die am meisten geschlossene Filialen haben. Auch das Luzerner Shopping Center Schönbühl gehört mit drei Filialen dazu. (Bild: Screenshot aus dem Retail Marktbericht Schweiz 2019)

Läden auf das Alter der Besucher angepasst

Das Shopping-Center Schönbühl hat sich in den letzten Jahren verändert. Zum einen wurden Sanierungsarbeiten vorgenommen, um sich «für die Zukunft zu rüsten und dem Zahn der Zeit zu widersetzen». Zum anderen wurde den Besuchern genauer auf die Finger geschaut: Über Jahre hinweg seien die meistvertretenden Altersgruppen, die das Einkaufszentrum aufsuchen, analysiert worden. Dementsprechend sei das Angebot im Einkaufszentrum auch angepasst worden, insbesondere die Dienstleistungsangebote im Bereich Gesundheit. So befindet sich direkt hinter dem Shopping-Center Schönbühl ein Ärztezentrum, im Center selbst eine Apotheke, auf dem Parkdeck eine Physiotherapiepraxis. Bald folge zudem eine Spitex-Filiale.

Die Geschichte des Shopping-Centers Schönbühl

Am 16. November 1967 wurde das Shopping-Center Schönbühl eröffnet. In einem Fernsehbeitrag musste Gründer Felix von Schuhmacher damals erklären, was denn ein solches Einkaufszentrum ausmacht. Seine Worte: «Die Läden müssen so angeordnet sein, dass der einkaufende Kunde, wenn er von einem Laden zum anderen geht, nicht an die Kälte, in den Regen raus muss, sondern in einem voll klimatisierten Raum bleiben kann. In einer Ladenstrasse, in der er bei sehr angenehmer Temperatur von einem Laden zum anderen gehen und flanieren kann.»

Neben dem Shopping-Center Schönbühl wurde zudem das Aalto-Hochhaus gebaut. Das 14-stöckige Hochhaus wurde nach den Vorstellungen und Plänen des finnischen Stararchitekten Alvar Aalto erstellt.

Kunden, die das Shopping-Center Schönbühl aufsuchen, kämen insbesondere aus dem Quartier: «Das Center ist über die Jahre hinweg zu einem wichtigen Treffpunkt geworden», so Stefan Styger.

Selbst die Grossen haben zu schlucken

Doch Styger verschweigt auch nicht, dass der Schweizer Shopping-Center-Markt anspruchsvoll geworden ist. «Die Retail-Dichte in der Schweiz ist europaweit eine der höchsten.» Und selbst die ganz Grossen haben heutzutage zu kämpfen: Seit 2010 haben die 25 grössten Einkaufszentren der Schweiz über 500 Millionen Franken Umsatz eingebüsst. Zu diesem Schluss kam das Marktforschungsinstitut GfK 2017.

Auch in der Mall of Switzerland blieben die Mieter lange Zeit aus. Ein gutes halbes Jahr vor der Eröffnung waren 30 Prozent der Flächen zumindest auf den Papier noch frei (zentralplus berichtete). Kurz nach der Eröffnung waren über 80 Prozent vermietet. Fast eineinhalb Jahre später sind rund 15 Prozent der Ladenflächen noch frei, sagt Sergio Belfanti von der Medienstelle der Mall of Switzerland.

Wie lange es gehe, bis ein leergewordener Laden wieder gefüllt werde, sei von der jeweiligen Fläche abhängig. Bei grösseren Flächen könne es länger dauern, die Pop-up-Stores seien nahtlos wieder belegt worden.

Wächst das Zentrum weiter?

Im Ebikoner Einkaufstempel kann jedoch nicht nur eingekauft werden. Im letzten Herbst wurde beispielsweise eine Indoor-Surfanlage eröffnet (zentralplus berichtete). Eine Arztpraxis folgte (zentralplus berichtete) und zwölf Kinosäle stehen den Kunden zur Verfügung (zentralplus berichtete). Das Einkaufsverhalten habe sich in den letzten Jahren stark verändert, sagt Sergio Belfanti.

Nicht ganz unschuldig sei der rasante Anstieg des Onlinehandels, weswegen man sich als Einkaufszentrum profilieren und abgrenzen möchte. «Die Besucher wollen nicht immer nur einkaufen, sondern Angebote und Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die sie so eben nicht im Internet bekommen», so Belfanti.

«Grösser heisst nicht gleich besser.»

Stefan Styger

Davon abgrenzen möchte sich das Einkaufszentrum Schönbühl: Für den Erfolg im Tribschen-Quartier sprächen die übersichtliche Centerstruktur, die lokale Verankerung, aber auch der ausgewogene Mietermix, ist Styger überzeugt: «Für viele Anwohner bietet das Center auch heute noch alles, was für den täglichen Bedarf gebraucht wird.» Der Fokus soll weiterhin auf dem täglichen Einkauf liegen. «Mit Migros, Coop, Denner und Aldi befinden sich sogleich vier der fünf grossen Lebensmittelanbieter der Schweiz unter einem Dach.»

Auch bei der Grösse möchte sich das Einkaufszentrum abgrenzen. 1992 erweiterte man die Verkaufsfläche, 2006 gab es erneut einen Umbau. Seither erstreckt sich die Verkaufsfläche auf fast 6’700 Quadratmeter. Und das soll reichen: «Grösser heisst nicht gleich besser. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir mit dem bestehenden Angebot, über zwei Geschosse verteilt, für die Zukunft und die Quartieransprüche optimal gerüstet sind.»

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2 Kommentare
  1. David Lehner, 27.04.2019, 22:39 Uhr

    Keine Ahnung ob die Macher dieser Studie jemals einen Fuss in diese Center gesetzt haben. Ich jedenfalls stelle fest, dass das Schönbühl-Center immer gut gefüllt ist, während bei meinen wenigen Besuchen in der „Mall“ jeweils gähnende Leere herrschte.

  2. Kurt Heller, 25.04.2019, 13:23 Uhr

    Das Shoppen Center Schönbühl ist eigentlich ein Quartiercenter und hat damit gut geführt sehr gute Zukunfts-Chancen.
    Die Mail of Switzerland hingegen ist ein Mitglied der weltweit sterbenden Spezies „Mammut-Center“ und in dieser Form nich überlebensfähig. Die Zahl der noch nicht besetzten Läden auf dem zweiten und dritten Stock, die unübersichtliche Anlage, das komplizierte Parkhaus und die schwierige Zu- und Wegfahrt sind die klaren Zeichen für einen Misserfolg.

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