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Studie bestätigt: Mit Airbnb lässt sich «ganz schön Geld verdienen»
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Mozarts und Beethovens: Hauseingang in einem Luzerner Apartmenthaus. (Bild: jwy)

Treibt Boom Luzerner Mietpreise in die Höhe? Studie bestätigt: Mit Airbnb lässt sich «ganz schön Geld verdienen»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 06.11.2019, 05:07 Uhr

«Leerstand? Airbnb!» rät eine neue Raiffeisen-Studie. Sie warnt aber vor übertriebenen Renditen. Und stützt damit die Befürchtungen in Luzern, dass die Gewinnmaximierung via Sharing-Plattformen stark zunimmt.

Die lukrative Vermietung von Wohnungen über Airbnb ist in Touristenhochburgen ein Riesenthema – auch in Luzern. Seitdem der politische Druck steigt, will auch die Stadtregierung gegen die kommerzielle Nutzung der Sharing-Plattformen vorgehen (zentralplus berichtete). Die Befürchtung: Durch die rentable Dauervermietung von zentralen Wohnungen über Airbnb verschwinden Mietwohnungen und werden die Zinsen in die Höhe getrieben.

Nahrung erhält die Befürchtung nun durch eine neue Studie der Raiffeisen Economic Research, die detailliert aufführt, wie viel man mit einer Wohnung auf Sharing-Plattformen verdienen kann. Zwar stehen schweizweit rund 2,6 Prozent der Wohnungen leer, nicht aber in grossen Zentren. Dort ist die Situation trotz reger Bautätigkeit angespannt. Wohnraum bleibe knapp, heisst es.

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Für findige Unternehmer ist die derzeitige Lage von Negativzinsen, Leerständen und sinkenden Einnahmen gar nicht schlecht: «Für Vermieter, die mit Leerstand konfrontiert sind, lohnt sich ein Blick auf die Internetplattform Airbnb», rät die Studie. Mit der Kurzzeitvermietung von Wohnungen könne man «ganz schön Geld verdienen».

Verdopplung in drei Jahren

Die Studie befasst sich nicht nur mit Luzern, sondern durchleuchtet den nationalen Airbnb-Markt: Rund 60’000 Objekte sind inzwischen auf der Plattform, was einer Verdopplung innert dreier Jahren entspricht. Pro Monat vermittelt Airbnb heute über 450’000 Logiernächte.

Die Raiffeisen-Analyse zeigt weiter, dass schweizweit rund zwei Drittel der Angebote auf Airbnb Dauerangebote seien, die mehrheitlich zu rein kommerziellen Zwecken vermietet werden und so dem Markt für Langzeitmiete entzogen werden. «Solche Angebote fallen nicht in die Kategorie der Sharing Economy, sondern sind eher in der Nähe der Parahotellerie anzusiedeln», so die Autoren.

«Professionelle Anbieter mit mehr als zehn Inseraten lösen deutlich höhere Erträge als private Anbieter.»

Studie zu Airbnb

Auch in Luzern wurden bei einer Stichprobe der Stadt nur rund 70 Objekte gelegentlich während Abwesenheiten vermietet. Degegenüber sind es fast 300 Wohnungen, die professionell vermietet werden.

Luzern auf Platz 6

Die Luzerner SP kam in einer eigenen Untersuchung zum Schluss, dass das kommerzielle Angebot in Luzern um über 80 Prozent gewachsen sei (zentralplus berichtete).

Die Raiffeisen-Studie stützt die Befürchtungen von Luzern, auch wenn es noch extremere Beispiele gibt. Luzern liegt bezüglich Airbnb-Übernachtungen in der Schweiz auf Platz 6 – hinter Zürich, Genf, Nendaz, Basel und Lausanne.

Abgesehen von Nendaz sind das alles grössere Städte als Luzern, doch gerade das Wallis sei eine wahre Airbnb-Hochburg. Über ein Viertel der Wohnungen wird dort zur Kurzzeitmiete ausgeschrieben.

30’000 Franken Jahresumsatz

Die Bank rechnet in der Studie exemplarisch und detailliert vor, wie viel sich mit einer 2-Zimmer-Wohnung in der Stadt Zürich verdienen lässt – das Ergebnis: Airbnb rentiert mehr als die normale Vermietung. Im Rechenbeispiel erzielen Wohnungsbesitzer nach Steuern eine Eigenkapitalrendite von 2,92 Prozent. Bei der konventionellen Vermietung sind es nur 1,82 Prozent – also über 1 Prozent weniger.

Die Rendite entspricht einem Jahresumsatz von fast 30’000 Franken – dies bei einer einzelnen Wohnung. Raiffeisen geht dabei von einer Monatsmiete von 1’800 Franken aus (in Luzern wären es rund 1’500 Franken).

Dabei ist Zürich noch nicht mal am lukrativsten: Renditen von bis zu 14 Prozent locken in Tourismusregionen wie Davos, Aigle, Locarno, im Berner Oberland – und in der Innerschweiz. Luzern ist nicht einzeln ausgewiesen, aber: «Der mittels Airbnb erzielbare Umsatz ist massgeblich von der touristischen Attraktivität einer Region und der Grösse des Angebots an Wohnungen abhängig», heisst es in der Analyse.

Die Luzerner SP, die Druck gegen die kommerzielle Nutzung macht, kam in einer Berechnung für Luzern auf eine Gewinnmarge bis zum Fünffachen des normalen Mietpreises (zentralplus berichtete). «Jenseits von Gut und Böse», sei diese Berechnung, wehrte sich ein Anbieter gegenüber zentralplus.

Anbieter gehen ans Limit

Was die Raiffeisen-Analyse ebenfalls zeigt: Anbieter mit mehreren Objekte würden die Grenzen des Machbaren ausloten und «bis ans Limit gehen». «Professionelle Anbieter mit mehr als zehn Inseraten lösen deutlich höhere Erträge als private Anbieter, welche nur eine Unterkunft anbieten», heisst es.

Darum mahnt auch die Raiffeisen bei der Vermietung in Städten mit Wohnungsnot zu Verantwortungsbewusstsein.

Die kommerziellen Airbnb-Anbieter in Luzern wehren sich gegen Verbote und Einschränkungen. Sie liebäugeln damit, sich in einem Verband zusammenzuschliessen.

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2 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 06.11.2019, 08:09 Uhr

    Dieser Wildwuchs muss dringend unterbunden werden. Es kann nicht sein, dass die Heuschrecken unter den Vermietern mit dieser miesen Masche Kohle machen, während der normale Mieter nur noch wenig Wohnungen findet, dafür zu viel zahlen muss und – hat er Pech – auch noch die täglich wechselnden “Nachbarn” erdulden muss.
    Baudirektion, an die Säcke!

  2. Joseph de Mol, 06.11.2019, 07:17 Uhr

    Gerade in einer äusserst beliebten Touristenstadt wie Luzern wird Airbnb auf die Preisentwicklung der Mietwohnungen einen infamen Einfluss ausüben. Die Verlockungen und Gewinnmargen sind einfach zu verlockend!! Widerstand zwecklos. Der Stadtrat hat das Problem zwar erkannt und will Gegensteuer geben – doch aufgrund welcher gesetzlichen Grundlage, will er hier regulieren. Zudem ist mit erbitterter politischer Gegenwehr der Anbieter zu rechnen, die bereits heute eine beträchtliche Marktmacht haben und eine Regulierung mittels Lobbying zu verhindern wissen.