Studi-Olympia: Parlament murrt und zahlt
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Luzern wird die Hauptstadt der Winteruniversiade – Eröffnungs- und Schlussfeier finden hier statt (Bild:zvg/Montage zentralplus).

Stadt Luzern spricht 2 Millionen Studi-Olympia: Parlament murrt und zahlt

4 min Lesezeit 09.06.2016, 12:58 Uhr

Was Olympia für Profisportler, ist die Winteruniversiade für Studierende. Und die Ausgabe 2021 findet in Luzern statt. Die Stadt Luzern beteiligt sich mit einem Betrag von zwei Millionen Franken. Das Parlament hat den Zuschuss genehmigt – allerdings unter Protest.

Ende Januar und Anfang Februar 2021 wird Luzern zu einer richtigen Studentenstadt. Zusätzlich zu den Studierenden der Uni und der Hochschulen werden dann nämlich weitere 1600 Studentinnen und Studenten in der Stadt weilen. Nicht zum Studieren allerdings – sondern für den Sport: An der Winteruniversiade messen sich diese Studierenden im Skifahren, Eiskunstlaufen, Curling, Eishockey und in weiteren Sportarten.

Insgesamt werden für die Winteruniversiade rund 2500 Personen in die Zentralschweiz kommen, nebst den Athleten auch Betreuungs- und Begleitpersonen – und die meisten vermutlich in der Stadt Luzern übernachten. Luzern Tourismus freut sich deshalb ebenfalls auf den Anlass (zentralplus berichtete).

Kantone und Stadt zahlen 13 Millionen

Wie jeder Anlass (und wie die richtige Olympiade), bedeutet auch die Winteruniversiade für den Veranstaltungsort Ausgaben. Insgesamt soll die Veranstaltung 33,5 Millionen Franken kosten. 13 Millionen zahlt davon der Bund, für 13 Millionen müssen die Austragungsorte aufkommen. Der Rest soll durch Gebühren, Sponsoring und Spenden zusammenkommen.

Und welche Zentralschweizer Orte zahlen wie viel? Der Kostenverteiler richtet sich neben der Kantonsgrösse auch nach der Anzahl und Art der Veranstaltungen, die in einem Kanton durchgeführt werden.

Orte Millionen Fr.    Events
Luzern 4,5 Eiskunstlauf, Short Track Speed Skating, Eishockey Frauen, Host City
Uri 0,5 Biathlon
Schwyz 1,6 Ski Alpin, Ski Nordisch
Obwalden 1,2 Freestyle Skiing, Snowboard, Curling
Nidwalden 0,25 Social Events
Zug 1 Eishockey Männer, Final Frauen
Stadt Luzern 2 Host-City, Eröffnungs- und Schlussfeier
Total 11,05  
Nicht-monetäre Eigenleistungen 1,95  
Total 13  

Parlament war «not amused» – und stimmt zu

Während sich die Kantone bereits auf die Unterstützung geeinigt haben, musste am Donnerstag nun noch das Luzerner Stadtparlament über den Beitrag beraten – mit Widerwillen: Denn Bildungs-, Kultur- und Sportdirektorin Ursula Stämmer (SP) hatte den Beitrag der Stadt Luzern bereits versprochen, das Parlament sollte nur noch absegnen.

«Ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger Tourist mehr in die Stadt kommt.»

Grossstadtrat Urban Frye (Grüne)

«Wir wären froh, wenn wir in Zukunft von Anfang an mit einbezogen würden», formulierte Marcel Lingg (SVP) das Anliegen des Rats. Urban Frye (Grüne) sprach gar von einer Zwangsjacke. Seine Fraktion sei alles andere als begeistert von der Universiade: «Ich glaube nicht, dass deswegen auch nur ein einziger Tourist mehr in die Stadt kommt. Deshalb war Luzern wohl auch der einzige Standort, der sich beworben hat.»

«Es gibt hier eine Begeisterte für Universiade, und die bin ich.»

Sportdirektorin Ursula Stämmer (SP)

Auch die FDP hatte Zweifel an der internationalen Ausstrahlung, und Mirjam Fries (CVP) meinte: «Es wird noch einige Arbeit brauchen, die Bevölkerung für die Wettkämpfe zu begeistern. Ich auf jeden Fall habe vorher noch nie von dieser Universiade gehört.»

Ursula Stämmer stellte fest: «Es gibt hier eine Begeisterte für Universiade, und die bin ich.» Sie hätte das Geld für die Universiade auch auf eigene Faust budgetieren können, fand Stämmer, habe sich jedoch bewusst für den unbequemeren Weg übers Parlament entschieden: «Sie dürfen dazu weiterhin Nein sagen.»

Das wollte das Parlament dann aber doch nicht. Der drohende Imageschaden bei einer Ablehunung sei zu gross, befand SVP-Fraktionschef Marcel Lingg. Viele andere hoben die gute Imagewerbung für Luzern und das tolle sportliche Erlebnis hervor. Einstimmig (42:0) hiess das Parlament den städtischen Beitrag gut – nutzte seinen Gestaltungsspielraum jedoch im Detail.

Sportfonds wird geschont

Der Stadtrat hatte nämlich vorgeschlagen, den Beitrag aus dem Sportteil des städtischen Kultur- und Sportfonds zu bezahlen. Das ist jenes Geld, welches die Stadt mit der Billettsteuer einnimmt. Die SP-Fraktion war damit jedoch nicht einverstanden: «Die Hauptmotivation, die Winteruniversiade in Luzern durchzuführen, ist der wirtschaftsfördernde Aspekt», befand Grossstadträtin Martina Ackermann. Das sei legitim, so Ackermann: «Nicht legitim finden wir es jedoch, dass dafür der Sportfonds jährlich mit über 333’000 Franken belastet wird.»

Dieses Geld sei als Reserve für die hiesigen Sportvereine gedacht, dort solle es nicht fehlen. Deshalb, so der Antrag der SP, sollen der städtische Beitrag hälftig aus dem laufenden Budget und aus dem Kultur- und Sportfonds kommen. Nur dann wolle die SP dem Beitrag zustimmen.

Als «Erpressung, die im Fussball sofort mit einer gelben Karte geahndet würde» bezeichnete Sandra Felder (FDP) diese Position. Die FDP machte sich für die Finanzierung via Kultur- und Sportfonds stark. Sandra Felder: «Der Fonds hat eine Reserve von 1,5 Millionen Franken. Seit ich im Rat bin, ist immer mehr Geld zusammengekommen. Auch dieses Jahr wird es so sein – Allmend Rockt sei Dank.» Das Geld für die Universiade werde den Vereinen deshalb nicht fehlen.

CVP, GLP und Grüne jedoch sahen, wie die SP, die Universiade nicht als reinen Sportanlass, und die Mehrheit des Parlamentes beschloss, eine Million aus dem laufenden Budget und eine Million aus dem Sportfonds zu bezahlen.

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