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Studhalter: «Ich kenne die FCL-Führung nicht anders»
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FCL-Präsident Philipp Studhalter setzt alles daran, die zerstrittenen Aktionäre im Hinblick auf die neue Saison zumindest zu einer Defizitgarantie zu bewegen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Jetzt beanwortet der FCL-Präsident unsere Fragen Studhalter: «Ich kenne die FCL-Führung nicht anders»

5 min Lesezeit 01.11.2019, 11:39 Uhr

Der Hahnenkampf auf oberster Führungsebene des FC Luzern beschäftigt alle, die dem Klub in irgendeiner Art und Weise zugetan sind. Nun erklärt Philipp Studhalter, mandatierter Präsident des FCL-Verwaltungsrates und Geschäftsführer in Personalunion, wie er eine Lösung im Investorenkrach sucht.

Es ist Tag 9, seit der Krach zwischen FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg und der ihm unversöhnlich gesinnten Gruppe um Investor Marco Sieber ins Bewusstsein gedrungen ist. Die Situation scheint festgefahren. VR-Präsident Philipp Studhalter bestätigt im Interview, dass es nach wie vor keine Annäherung zwischen den «Zeugen Alpstaegs» und den «Sieberianern» zum Wohle der Institution FCL gegeben hat.

Was unternimmt also Studhalter? Und ist er mit seiner Vorgeschichte im FCL überhaupt die richtige Person, um eine gute und nachhaltige Lösung in diesem Konflikt herbeizuführen? Vor dem Heimspiel gegen den FC Lugano (Sonntag, 16 Uhr) beantwortet Studhalter die Fragen, die ihm zentralplus vor kurzem öffentlich gestellt hat.

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zentralplus: Philipp Studhalter, Ihnen ist es in den vier Jahren als FCL-Verwaltungsratspräsident nicht gelungen, die verschiedenen Persönlichkeiten in der Aktionärsgruppe auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen. Betrachten Sie sich deshalb noch als die richtige Person, um den FC Luzern in die Zukunft zu führen?

Philipp Studhalter: Es herrschte immer Einigkeit, wenn es um die Entwicklung des FC Luzern ging. In den letzten Monaten wurden deshalb einige substanzielle Entscheide zugunsten des FCL gefällt. Aber es gab keine Einigkeit, wenn es um die verschiedenen Persönlichkeiten im Verwaltungsrat ging.

zentralplus: Aber die Aussenwirkung des Hahnenkampfs in der FCL-Führungsriege ist fatal. Ein paar Sponsoren und Geschäftspartner zeigten sich konsterniert, als der Krach unter den Investoren an die Öffentlichkeit drang.

«Man kann mir nicht zum Vorwurf machen, dass der seit Jahren vorhandene Zwist nun über den internen Diskurs hinausging.»

FCL-Präsident und -Geschäftsführer Philipp Studhalter

Studhalter: Wir haben in einer Medienmitteilung gerügt, dass der persönliche Zwist dem FCL schadet. Aber man kann deshalb nicht behaupten, ich hätte die Verwaltungsräte nicht auf Kurs für den FCL gebracht. Fussball ist in der Schweiz ein Verlustgeschäft und die Aktionäre haben ins eigene Portemonnaie greifen müssen. Man kann mir nicht zum Vorwurf machen, dass der seit Jahren vorhandene Zwist nun über den internen Diskurs hinausging. Auch wenn das nicht passieren darf, weil es dem FCL schadet.

zentralplus: Wie sieht jetzt ihr Plan aus, um eine Lösung in der Führungskrise des FCL herbeizuführen?

Studhalter: Die Klubführung läuft strategisch und operativ einwandfrei. Seit ich 2015 zum FCL gekommen bin, kenne ich das System nur so, wie es sich noch immer darstellt. Und trotzdem sind wir statistisch in den letzten Jahren eine der konstantesten Kräfte in der Super League am Ende der Saison. Es gibt aber Aktionäre, die sich aus persönlichen Gründen nicht zusammenbringen lassen. Also muss ich sie individuell abholen.

zentralplus: Aber die aktuelle Situation kann ja kein Dauerzustand sein. Sie wird den FCL früher oder später negativ beeinflussen.

Studhalter: Das ist richtig. Darum hoffen wir auf eine schnellstmögliche und gute Lösung für den Klub. Aber ich kann Ihnen beim besten Willen keinen Zeithorizont nennen.

zentralplus: Ist es richtig, dass es seit dem öffentlichen Bekanntwerden des Hahnenkampfs keine Annäherung gegeben hat?

«Eine Mediation unter Unternehmern, die dank einer starken Persönlichkeit beruflich erfolgreich wurden, erachte ich als das falsche Tool.»

Studhalter: Ja.

zentralplus: Sind Sie nun auf der Suche nach einem Mediator, der die verfeindeten Parteien in der Investorengruppe an einen Tisch bringt?

Studhalter: Eine Mediation unter Unternehmern, die dank einer starken Persönlichkeit beruflich erfolgreich wurden, erachte ich als das falsche Tool. Es wäre zum Scheitern verurteilt.

zentralplus: Welchen Weg verfolgen Sie?

Studhalter: Ich bemühe mich darum, über den persönlichen Austausch eine Lösung zu finden.

zentralplus: Aber als «Zeuge Alpstaegs» sind Ihnen doch auch ein Stück weit die Hände gebunden, weil Ihnen die «Sieberianer» nicht mehr über den Weg trauen.

Studhalter: Jeder einzelne Aktionär stärkt mir den Rücken, ich habe bis jetzt die Unterstützung aller. 2015 bin ich zwar über Bernhard Alpstaeg in den VR gekommen. Aber es war nicht er, der ein halbes Jahr später sagte, ich solle Präsident werden. Sondern alle Aktionäre wollten das, weil sie erkannten, dass der Diskurs besser wurde und wir Lösungen zum Wohle des FCL fanden. Der FCL kam voran. Und darum gehts einzig und allein.

zentralplus: Können Sie erklären, wie Sie als Vertrauter Alpstaegs und in der Stadt Luzern bestens vernetzter FCL-Präsident nichts davon wussten, dass Bernhard Alpstaeg die Aktienmehrheit an der Stadion Luzern AG übernommen hat?

«Trauen Sie mir diese Blauäugigkeit wirklich zu?»

Studhalter: Weil es genau so ist. Ich wusste nichts davon, dass der Stadtrat den Beschluss fasste, die Aktien nicht zu kaufen. Und ich erfuhr erst per Brief von Bernhard Alpstaeg, dass er die 60 Prozent Aktienanteile an der Stadion Luzern AG von Toni Eberli übernommen hatte. Das schriftliche Dokument habe ich zur Kenntnisnahme sogleich an die anderen Aktionäre weitergeleitet.

zentralplus: Ist es richtig, dass Sie Ihre Anwaltskanzlei nur noch auf die Einkünfte als VR-Präsident und Geschäftsführer des FCL ausgerichtet haben?

Studhalter: Trauen Sie mir diese Blauäugigkeit wirklich zu? Im Wissen darum, wie schnell man im Fussball-Geschäft weg vom Fenster ist, hätte ich dergestalt geradezu naiv gehandelt. Richtig ist, dass ich seit meinem Einstieg beim FCL keine Gerichtsprozesse mehr als Anwalt führen kann. Damals waren drei Anwälte bei mir angestellt, heute sind es unter der Führung meiner Geschäftspartnerin Heidi Pfister deren sieben. Die Kanzlei ist also gewachsen.

zentralplus: Ein erfolgreicher Anwalt hat aber für gewöhnlich keinen finanziellen Anreiz, ins Fussballgeschäft zu wechseln.

Studhalter: Da gebe ich Ihnen Recht. Ich verdiene gewiss weniger als vorher. Aber mich fasziniert das Amt beim FCL: der Umgang mit spannenden Menschen verschiedener Anspruchsgruppen, die Prozesse innerhalb eines Klubs von der Grösse eines KMU, die Arbeit in der Liga. Ich erachte es als persönliche Weiterbildung und kann zur Entwicklung von Luzern und der Innerschweiz beitragen.

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