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Streit um Zugs rekordhohe Bildungsausgaben
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Die Bildungskosten in Zug sind überdurchschnittlich hoch. (Bild: Yvonne Anliker)

Bildung in der Stadt Zug Streit um Zugs rekordhohe Bildungsausgaben

4 min Lesezeit 7 Kommentare 28.08.2013, 05:57 Uhr

Kaum eine Schweizer Stadt investiert so viel in die Bildung wie Zug. Das wird nicht überall gleich positiv gesehen. Rechte Politiker monieren, der Verwaltungsapparat sei dadurch unkontrolliert gewachsen. Während ein Regierungsrat vor einer Krise warnt, sehen andere das grosszügige Betreuungsangebot in Gefahr.

Der Zuger Stadtrat legt grossen Wert auf ein attraktives Bildungsangebot. Dieses umfasst nicht nur qualitativ gute Schulen und Kindergärten, sondern auch Sportangebote, eine bedeutende Musikschule, eine umfangreiche Bibliothek und adäquate ausserschulische Betreuung, die preislich für alle erschwinglich ist. Das Angebot kostet die Stadt Zug jedoch eine ganze Stange Geld. Und genau das wird kritisiert. Gemeinderat Philip C. Brunner (SVP) moniert: «Seit 2007 haben sich die Kosten im Bildungsdepartement dramatisch erhöht.»

Fest steht, dass der Totalaufwand des Zuger Bildungsdepartements 2012 bei 62,2 Millionen Franken lag. Auf 1994 Schüler verteilt, ergäbe dies milchbüchleinmässig gerechnet rund 30’700 Franken pro Kopf. Im Jahr 2007 waren es Gesamtaufwände von 46,6 Millionen auf 1952 Schüler. Detaillierte Pro-Kopf-Zahlen gibt es nicht und die Bildungsausgaben in den verschiedenen Gemeinden sind schwierig zu vergleichen. Die Normpauschale, die der Kanton Zug allen Gemeinden vorgibt, liegt für Primarschulen bei 10’466 und Sekundarschulen bei 18’248 Franken. Die Stadt Luzern hat pro Lernende Vollkosten zwischen 13’000 (Primarstufe) und 17’500 Franken im Jahr (Sekundarstufe).

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Zankapfel ausserschulische Betreuung

Den rechten Kreisen ist vor allem das schulergänzende Betreuungsangebot ein Dorn im Auge, das im Bildungsdepartement integriert ist. Denn dieses ist – zusammen mit diversen Vereinsbeiträgen und inklusive KITA-Subventionen – der zweitteuerste Kostenfaktor im Budget. Die Stadt hat – anders als die restlichen Zuger Gemeinden – gerade dieses Angebot kontinuierlich ausgebaut. So subventioniert sie Plätze in Kindertagesstätten, Mittagstischen und stellt Betreuungsangebote am Nachmittag zur Verfügung. Sogar während den Ferien können Familien ihre Kinder seit kurzem betreuen lassen. Alle Angebote werden auch rege genutzt. Beispielsweise wurden im vergangenen Jahr 129 Kinder während der Ferienzeit betreut.

Der Zuger Bildungsdirektor und Brunners Parteikollege Stephan Schleiss hat dazu eine klare Meinung. «Schulergänzende Angebote sollten kostendeckend an die Eltern weiterverrechnet werden. Kostenwahrheit ist die fairste und klügste Lösung für alle Beteiligten.» Denn es sei schon eine ganze Menge, dass der Staat mit der Schule den Zugang zur Bildung für alle sicherstelle. «Eine darüber hinaus gehende Betreuung darf es nur in Notfällen geben, etwa im Zusammenhang mit Armut oder auch Verwahrlosung», so Schleiss.

Ein Schweizer Leuchtturm

Der für das Bildungsdepartement zuständigen Stadträtin Vroni Straub-Müller (CSP) ist aber gerade das Angebot an Betreuung besonders wichtig: «In Sachen Betreuungsangebot ist die Stadt schweizweit ein Leuchtturm», betont sie. «Wir schaffen damit die Voraussetzungen, dass Mütter in ihren Beruf zurückkehren können, wenn sie das möchten – auch in sozial schlechter gestellten Familien. Volkswirtschaftlich gesehen zahlt sich dies für die Stadt doppelt und dreifach aus.»

Von einem Staat, der sich via soziale Wohlfahrt in immer mehr Lebensbereiche einmischt, hält Stephan Schleiss aber gar nichts. Ein solcher Staat bevormunde seine  Bürger und mache Versprechungen, die er über kurz oder lang nicht halten kann. «Ein solches Verhalten des Staates führt zuletzt immer in eine Krise», malt er gar ein Schreckensszenario.

Kostentreiber oder Standortvorteil?

Vroni Straub-Müller reagiert sehr unwirsch auf solche Vorwürfe. «Wollen wir stolz auf unser Angebot sein oder wollen wir es lediglich als Kostentreiber erachten? Ich bin der Meinung, wir sollten stolz darauf sein.» Genau solche Angebote mache schliesslich die Stadt für die Wohnbevölkerung attraktiv. «Ein Kind etwa das in der Schönegg wohnt, soll nicht kilometerweit laufen müssen, um in den nächsten Kindergarten zu kommen. Den Leuten, die in unsere Stadt ziehen, sind genau solche Sachen wichtig.» Und damit leiste das Angebot auch seinen Beitrag für ein wirkungsvolles Standortmarketing.

«Das Bildungsdepartement hat einen hohen Nutzen», betont auch der Stadtzuger Finanzchef Karl Kobelt (FDP). Doch er räumt ein, dass dies zu entsprechend hohen Kosten führe. Das Departement sei indes im Sparpaket nicht geschont worden. «Auch das Bildungsdepartement ist gefordert, mit den vorhandenen Mitteln haushälterisch umzugehen.» Die Wahrscheinlichkeit, dass das Budget bedeutend beschnitten würde, ist gering, denn die Stadt will den Hebel zuerst bei den hohen Finanzausgleichskosten ansetzen. Kleinere Sparmassnahmen aber sind gemäss Kobelt in die Wege geleitet, zum Beispiel eine leichte Erhöhung der Klassengrössen.

«Die Stadt Zug nimmt mit ihrem ausgezeichneten Stadtschulen einschliesslich der Tagesschule sowie dem guten Betreuungsangebot ihre Aufgabe sehr gut wahr», lobt Kobelt. In der Bundesverfassung ist im Bildungsartikel sogar festgehalten, dass Bund und Kantone für einen qualitativ hoch stehenden und durchlässigen Bildungsraum Schweiz zu sorgen hätten.

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7 Kommentare
  1. manfred pircher, 10.09.2013, 10:13 Uhr

    Lieber Stefan Gisler, nicht die Kritik am Sozialismus ist altbacken, sondern der Sozialismus selbst. Der Teufel hat es übrigens am liebsten, wenn man behauptet, es gebe ihn nicht.

    Manfred Pircher

    Fraktionschef SVP -Stadt Zug

  2. Stefan Gisler, 09.09.2013, 09:00 Uhr

    Geschätzter Herr P.B. – Angebote für familienexterne Kinderbetreuung werden in Zug von Wirtschaft, Politik und Volk gefordert und gefördert. Bestehende Gesetze und Volksaufträge per Abstimmungen untermauern dies in Zug. Als Stimmbürger wie P.B. kann man gerne eine Minderheitsmeinung vertreten – das tue ich in anderen Bereichen als freiheitlich-demokratisch denkender Mensch ebenfalls. Doch ein gewählter Regierungsrat hat sich an diese Aufträge sowie an die Konkordanz zu halten. Offenbar beruft sich die SVP und Herr P.B. nur auf das Volk, wenn es genehm ist. Kann sich die SVP mit ihrer Ideologie gegen das Volk nicht durchsetzen, bedient sie sich altbackener Staats-und/oder Sozialismuskritik, um so zu kaschieren, dass sie – wie so oft – nicht mehrheitsfähig ist.

  3. Pedro Bilar, 06.09.2013, 16:09 Uhr

    Seit vielen Jahrzehnten setzt sich die Linke für eine Ausdehnung des Staates ein. Und die Geschichte lehrt uns: Da, wo dies leider gelungen ist, mit verheerenden Folgen. Armut, Arbeitslosigkeit, Ausländerhass sind alles Folgen sozialistischer Gesellschaftsversuche.
    Der Mensch kann sich nämlich nur da wirklich entfalten, wo er Verantwortung für sich und sein Leben übernimmt. Dazu gehört auch, dass er selbst für seine Kinder sorgt. Unser Staat stellt ein hervorragendes Bildungssystem zur Verfügung. Mehr braucht es nicht, um die soziale Mobilität zu gewährleisten. Eine Mobilität, übrigens, die in der Schweiz grösser ist als sie in jedem sozialistischen Staat jemals war.
    Das sollte Stefan Gisler zu denken geben, tut es aber nicht. Viel lieber ereifert er sich über Regierungsrat Stephan Schleiss, der sich eine eigene Meinung leistet und durch selbständiges Denken zu den richtigen Schlüssen kommt. Aber selbständiges Denken ist wohl etwas, vor dem es jeden echten Sozialisten graust. Mich graust es vor den rot-grünen Etatisten! Dem wackeren Bildungsdirektor jedoch, der sich für die echte Freiheit und Würde des Menschen einsetzt – ihm sei getrommelt und gepfiffen.

  4. Redaktion Christian Hug, 05.09.2013, 13:39 Uhr

    Es ist korrekt, dass in den Gesamtausgaben verschiedene Posten enthalten sind. Diese sind in der Box aufgeschlüsselt, darunter auch die Vereinsbeiträge und Musikschule. Wenn dies aus dem Artikel zu wenig klar hervor geht, dann bedauern wir dies.

    Der genannte “kritische Beitrag” wurde von mir gelöscht. Dies nicht wegen seines Inhaltes, sondern aufgrund seines Tons. Das Forum ist der falsche Ort, um persönliche Kritik an Autoren oder Community-Mitgliedern zu äussern. Dies habe ich dem Verfasser auch so mitgeteilt und ihm ein klärendes Telefonat vorgeschlagen. Wir schätzen die inhaltlich hochstehende Diskussion, wie sie hier fast ausnahmlos geführt wird.

  5. Stefan Gisler, 05.09.2013, 13:05 Uhr

    Seit 2005 existiert im Kanton Zug ein Gesetz zur Regelung und Förderung der Kinderbetreuung. Zu den Legislaturzielen bis 2014 der Zuger Regierung gehört, die “Schaffung von Rahmenbedingungen für bessere Kinderbetreuungsangebote”. Regierung und Kantonsrat wissen, die familienergänzende Kinderbetreuung wird von Wirtschaft wie Gesellschaft in Zug stark nachgefragt. Sie stärkt unseren Standort und sie trägt zum Kindeswohl bei. Auch haben 82% der StadtzugerInnen im 2012 dem Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung zugestimmt, indem sie Ja sagten zu neuen Betreuungspavillons bei 4 Schulhäusern.

    Die Haltung des Bildungsdirektors, Kinderbetreuung sei nur bei Armut und Verwahrlosung durch den Staat anzubieten, missachtet den Willen von Kantonsrat und Bevölkerung und er kritisiert so pauschal die Investitionen und Bemühungen der Gemeinden in diesem Bereich. Bedenklich!

    Schade ist, dass im Bericht Kosten für Schule, Musikschule, Kinderbetreuung, Vereinsbeiträge, Freizeitangebote, Elternweiterbildung etc. in einen Topf geworfen werden. So sind Musikschule und Schulsport explizit keine familienergänzende Kinderbetreuungsangebote. Und schade ist, dass ein kritischer Beitrag zur Qualität des Artikels aus dem Forum gestrichen wurde.

  6. Flavia Rivola, 28.08.2013, 13:33 Uhr

    Sehr geehrte Frau Roth-Koch
    Ja, es handelt sich um den gesamten Budgetposten Kind Jugend Familie. Wir haben dies im Artikel entsprechend präzisiert. Der Begriff ausserschulische Betreuung impliziert nach meinem Verständnis jede Form von Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die ausserhalb der Schule und der Familie stattfindet. Es ist mir durchaus bewusst, dass jede Gemeinde ihre Budgets und die Posten darin anders benennt und ausweist. Das führt zu gewissen Unschärfen bei einem Vergleich.
    Die Glaubwürdigkeit der Zahlen ist damit nicht per se in Frage gestellt.
    Freundliche Grüsse
    Flavia Rivola

  7. Regula Roth-Koch, 28.08.2013, 11:52 Uhr

    Sehr geehrte Frau Rivola

    Woher haben Sie wohl die Zahlen zur ausserschulischen Betreuung? Als Verantwortliche für diese Budgetposition – ich bin Abteilungsleiterin im Bildungsdepartement der Stadt Zug – weiss ich mit Sicherheit, dass Sie sich um einige Millionen verschätzt haben. Wahrscheinlich haben Sie alle übrigen Ausgaben unserer Abteilung mitgerechnet (Jugendarbeit, Unterstützung von Pfadilagern oder Spielgruppen, soziokulturelle Arbeit, Betreuung im Vorschulalter etc.). Es stellt sich damit natürlich sofort die Frage nach der Glaubwürdigkeit Ihrer übrigen Aussagen in diesem Artikel…

    Schade, die Diskussion um Bildungsnutzen und Bildungskosten hätte eine sorgfältige Berichterstattung gelohnt und wäre diesem Medium gut angestanden. So bildet der Artikel nicht einmal eine Grundlage für eine konstruktive Diskussion.