Langjähriger Mitarbeiter reicht Strafanzeige gegen Zuger Gesundheitsdirektor ein
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Haben eine Strafanzeige am Hals: Der Zuger Regierungsrat Martin Pfister.

Wollte er eine Praxisinspektion verhindern? Langjähriger Mitarbeiter reicht Strafanzeige gegen Zuger Gesundheitsdirektor ein

3 min Lesezeit 15 Kommentare 11.08.2020, 08:28 Uhr

Der kantonale Heilmittelinspektor richtet happige Vorwürfe an Regierungsrat Martin Pfister und Kantonsarzt Rudolf Hauri. Diese hätten eine Inspektion in einer Arztpraxis verhindern wollen. Er hat Strafanzeige eingereicht. Ob die Staatsanwaltschaft nun aktiv wird, ist aber noch nicht entschieden.

Die Zuger Gesundheitsdirektion hat Ärger am Hals. Grund ist eine Strafanzeige des kantonalen Heilmittelinspektors Ludek Cap gegen seinen Arbeitgeber. Der Vorwurf: Ihm seien die E-Mail-Adresse, der Zugang zu seinem Diensthandy sowie zum kantonalen Intranet gesperrt worden, nachdem er in einer Arztpraxis eine Inspektion durchgeführt hat, die zu deren Schliessung hätte führen können. Dies berichtet die «Zuger Zeitung» am Dienstag.

Doch es kommt noch dicker für die Gesundheitsdirektion. Ludek Cap behauptet, dass Gesundheitsdirektor Martin Pfister (CVP) und Kantonsarzt Rudolf Hauri die Inspektion verhindern wollten. Entsprechend richtet sich eine erste Strafanzeige vom 30. Juli gegen Pfister, Hauri und den Arzt, der nicht namentlich genannt wird.

Kritische und gefährliche Zustände in der Praxis

Eine zweite Strafanzeige datiert vom 7. August und nimmt den Mediziner alleine ins Visier. Darin zählt Cap gemäss Zeitungsbericht diverse verschiedene Verstösse gegen das Betäubungs-, das Heilmittel-, sowie das Gesundheitsgesetz auf. Der «Zuger Zeitung» liegen die Anzeigen vor. Gegenüber dem Blatt beschreibt Cap die Zustände in der Praxis als «kritisch und gesundheitsgefährdend».

Wie konnte es so weit kommen? Wie Ludek Cap sagt, habe er eine irrtümlich ausgestellte Bewilligung für das Führen der Praxisapotheke für ungültig erklärt, eine Inspektion angekündigt und wie üblich die Pläne der Räumlichkeiten verlangt. Der Arzt habe die Überprüfung jedoch verhindern wollen.

Wollten Hauri und Pfister die Inspektion verhindern?

Hier folgen Pfisters und Hauris Auftritte: In einer Voicemail vom 29. Juli sei er angewiesen worden, «auf ausdrücklichen Wunsch des Gesundheitsdirektors» von der Inspektion abzusehen, heisst es in Caps Strafanzeige. Als er am 30. Juli dennoch bei der Praxis erschienen sei, habe ihn die Generalsekretärin der Gesundheitsdirektion erwartet und ihm «nachdrücklich» nahe gelegt, auf die Inspektion zu verzichten. Cap entschied dann, den Termin zu verschieben. Am 7. August kam es schliesslich zu einer unangemeldeten Inspektion, bei der er Zugang zur Praxis erhalten habe.

Ludek Cap hat 30 Jahre Berufserfahrung: «In dieser Zeit ist es mir noch nie passiert, dass meine Vorgesetzten mich an einer Inspektion hindern wollten – und das derart vehement», sagt er gegenüber der «Zuger Zeitung».

Strafanzeige als letztes Mittel

Er habe keine persönlichen Probleme mit dem Mediziner und er wolle seinen beruflichen Pflichten nachkommen. «Es geht mir um die Sache.» Aufgrund der schlimmen Mängel in der Praxis müsste dem Arzt die Bewilligung entzogen werden», so Cap. Die Strafanzeige sei das letzte Mittel, da seine Vorgesetzten ihm den Zutritt zu der Praxis verweigert hätten.

Auf Nachfrage der «Zuger Zeitung» wollte man bei der Gesundheitsdirektion keine Stellung nehmen. Man verweist auf das laufende Verfahren. Der betroffene Mediziner weist «sämtliche Vorwürfe als unbegründet zurück». Auch er wollte sich nicht weiter äussern.

Ob ein Strafverfahren eröffnet wird, ist noch unklar

Der Fall liegt nun bei der Zuger Staatsanwaltschaft. Diese bestätigt den Eingang der beiden Anzeigen auf Anfrage von zentralplus. «Diese werden nun geprüft», kündigt Sprecher Frank Kleiner an.

Danach gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Staatsanwaltschaft tritt auf den Fall ein und eröffnet ein Strafverfahren. In diesem Zusammenhang würde untersucht, welche Straftatbestände – beispielweise Amtsmissbrauch – erfüllt sein könnten.

Die zweite Möglichkeit ist, dass die Staatsanwaltschaft eine Nicht-Anhandnahme verfügt. Dies wäre der Fall, wenn sie zum Schluss käme, dass keine strafrechtlichen Verstösse vorliegen.

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15 Kommentare
  1. Matthias Jauch, 14.08.2020, 15:37 Uhr

    Um es mit William Shakespeare zu sagen: „Something is rotten in the canton of Zug.“

  2. igarulo, 13.08.2020, 18:28 Uhr

    Übrigens ist auch alt Nationalrat Andy Tschümperlin vor einem Monat klammheimlich im Kanton Zug freigestellt worden. Er wurde im 2017 Leiter des Amtes für Soziale Dienste Asyl im Kanton Zug. Niemand, der ihn wirklich kannte, konnte verstehen, weshalb er als Reallehrer und Schulleiter ohne Diplom (vorgängig angestellt als Schulleiter am Integrations-Brücken-Angebot ZG vom Stadtzuger Rektor Jürg Kraft, der auch in gegenseitigem Einvernehmen die Stadtschulen Zug verliess) die Stelle bekam, bis klar wurde, dass im rechten Kanton Zug auch der linke Filz spielt, denn die damalige Regierungsrätin Manuela Weichelt hievte Tschümperlin auf den Posten, obwohl im Inserat ein Jurist oder Wirtschaftwissenschafter gesucht wurde. Ich bin nicht erstaunt, denn ein Reallehrer ist eben kein Wissenschafter. Nach drei Jahren geht Tschümperlin und ich habe im 2017 in der Zuger Zeitung gewarnt, dass Tschümperlin den Anforderungen nicht gewachsen sei. Ich habe recht bekommen und Manuela Weichelt verpulvert mit ihren filzigen Entscheidungen Steuergeld. Dafür ist sie jetzt Nationalrätin und der Filz heisst dort Lobbyarbeit. Wer schaut ihr auf die Finger?

    1. Hans Peter Roth, 15.08.2020, 12:46 Uhr

      Tönt nach übler Schlammschlacht gegen Manuela Weichelt . Es fehlen die Argumente für die angebliche Unfähigkeit von Andy Tschümperlin. Dieser war nicht nur ein Jahr unter der grünen Weichelt, sondern zwei Jahre unter dem freisinnigen Hostettler als Amtsleiter tätig. Damit werden Fragen an den einheitlich bürgerlichen Zuger Regierungsrat aufgeworfen, dessen auffälligen Personalentscheide sich häufen und das Misstrauen breiter Bevölkerungskreise befeuern.

  3. Gunda, 11.08.2020, 17:29 Uhr

    Wundert mich gar nicht bei der Zuger Gesundheitsdirektion, falls sich die Vorwürfe erhärten sollten. Es muss sich etwas ändern in Zug. Der Filz ist unerträglich geworden.

    1. Guellemaetteli, 11.08.2020, 20:46 Uhr

      Der Filz ist unerträglich geworden.

    2. Sonja, 25.08.2020, 10:39 Uhr

      Absolut!!!
      Schlimm was in der Gesundheitsdirektion „säuhäfeli/säudeckeli“ gaht –
      Leider auch in anderen politischen Bereichen (Fakten könnte ich liefern)

    3. Redaktion Redaktion zentralplus, 25.08.2020, 13:21 Uhr

      Wir freuen uns darauf. Bitte kontaktieren Sie uns unter [email protected]

  4. Matthias Jauch, 11.08.2020, 15:01 Uhr

    @Daniela Übersax, Alois Iten, Marianne Gruber
    Es ist Zeit dass sich in Zug etwas grundsätzlich ändert!
    Marianne Gruber ich habe das genau so, mehrfach und insbesondere, mit Herr Villiger und der Polizei erlebt!
    Erhebt eure Stimme! Ich habe es bereits im Facebook gepostet…

    Ich will mich nicht länger (meiner Meinung nach) von korrupten Kantonsräten verscheissern lassen.

    P.s. (meiner Meinung nach) habe ich nur geschrieben damit zentralplus das auch gewissensfrei veröffentlichen kann.

  5. Daniela Übersax, 11.08.2020, 14:01 Uhr

    Unglaublich. In Zug scheint ja einiges im Argen zu liegen. Wo Geld ist, geht es wohl immer nur um Pfründe…

  6. Matthias Jauch, 11.08.2020, 13:00 Uhr

    Ich befürchte der kantonale Heilmittelinspektor hat keine Chance gegen den korruptesten Kanton der Schweiz.

    1. Matthias Jauch, 13.08.2020, 12:37 Uhr

      Und schon ist der Heilmittelinspektor der Zugerkorruption zum Opfer geworden!!!

    2. Martin Sutter, 25.08.2020, 10:46 Uhr

      Ich wünsche mir – aus meinen schlimmem (!) Erfahrungen mit der Zuger Gesundheitsdirektion – dass Herr Cap trotz allem es weiterzieht.
      Doch ich gehe davon aus (auch aus Erfahrung im Kt Zug im Bildungssystem), dass Cap jetzt eine Abfindung vom Kanton bekommt, die ihm kein (Bundes)gericht oder europäischer Gerichtshof, husprechen könnte. Schlussendlich muss er bis zur Pensionierung leben können. In den ersten Instanzen würde es eh abgelehnt – und leben muss Herr Cap weiter können.
      Ich wünschte mir, er würde es weiterziehen – und die Staatsanwaltschaft müsste bei den Anzeigen nicht die vom Kt. zug sein.

  7. Alois Iten, 11.08.2020, 08:39 Uhr

    Gratulation an diesen Inspektor, der für seine Aufgabe einsteht. Im kleinräumigen Kanton Zug seinen vorgesetzten Regierungsrat anzuzeigen, dazu gehört Mut. Daher gehe ich schwer davon aus, dass da was dran ist. Denn sollten sich die Vorwürfe nicht bestätigen, wird er wohl nicht so schnell wieder einen neuen Job finden.

    1. Marianne Gruber, 11.08.2020, 10:20 Uhr

      Richtig! Es wundert mich bei den Zuger Behörden gar nichts mehr. Da ist bei der Polizei mit 3 Angestellten ein Verfahren seit 8 Monaten hängig, Regierungsrat Villiger hat seine eigene Drecksgeschichte und dann soll immer alles Privatsache sein. Solche „Vorbilder“ braucht es nicht. Alle kassieren weiterhin den Lohn, während Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft einem sehr hohen Wettbewerb ausgesetzt sind und täglich ihr Bestes geben müssen. Es ist schlicht inakzeptabel, wenn wir Steuerzahler für die fürstlichen Löhne dieser Fehlbesetzungen aufkommen müssen!

    2. Matthias Jauch, 11.08.2020, 13:15 Uhr

      @Alois Iten
      MeToo, ich Teile Ihre Ansicht zu 100%

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