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Stiftung warnt Politiker vor unüberlegtem Todesstoss
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Ursula Stämmer und Hubert Achermann vor dem Modell der Salle Modulable. (Bild: lwo)

Salle Modulable könnte diesen Donnerstag sterben Stiftung warnt Politiker vor unüberlegtem Todesstoss

4 min Lesezeit 2 Kommentare 16.05.2016, 21:20 Uhr

Die Stiftung Salle Modulable warnt in einem Schreiben an die Stadtparlamentarier eindringlich vor einem Scheitern des Projekts bereits diesen Donnerstag. Dann diskutiert das Stadtparlament über einen Vorstoss von SP/Grünen. Überweisen die Politiker den Vorstoss, ist der 161 Millionen Franken teure Theaterneubau am Ende – behauptet die Stiftung.

Seit Jahren diskutiert Luzern über den Bau der visionären Salle Modulable. Seit Kurzem steht fest, dass dieser Theaterneubau auf dem Inseli hinter dem Bahnhof, nahe beim KKL, realisiert werden soll. Doch dagegen laufen Linke und Umweltschützer Sturm. Sie befürchten eine Verschandelung des Inseli-Areals, dieser grünen Oase der Neustadt. Diesen Donnerstag nun könnte es ein vorzeitiges, bitteres Ende geben für das insgesamt 208 Millionen Franken teure Prestigeobjekt. 

Linke wollen Motorboothafen vors Volk bringen

Denn am Donnerstag debattiert das Stadtparlament über einen Vorstoss von SP/Grünen. Diese fordern, dass das Volk am 27. November auch über den Standort Motorboothafen abstimmen soll. Der Motorboothafen im Alpenquai sei besser dafür geeignet. Die Stiftung Salle Modulable aber geht nun in die Offensive und warnt eindringlich davor, diesem Vorstoss der Linken zuzustimmen. Ein Ja, so die Stiftung, bedeute den Todesstoss für den modularen, in dieser Form einzigartigen Theaterneubau. Dies geht aus einem zentralplus vorliegenden Brief an alle Fraktionen hervor. 

Visualisierung der Salle Modulable beim Motorboothafen.

Visualisierung der Salle Modulable beim Motorboothafen.

(Bild: zVg)

«Klare Fakten für Politiker»

Im Brief, unterschrieben von Stiftungsratspräsident Hubert Achermann und Stiftungsrat Ernst F. Schmid, heisst es im Wortlaut: «Wir stecken mitten in einer entscheidenden Phase des Projektes Neues Theater Luzern/Salle Modulable. Die vom Parlament und der Öffentlichkeit aufgeworfenen Fragen zu Bau- und Betriebskosten, Betriebsmodell, Inhalt und Standort werden intensiv bearbeitet.» Im Sommer sollen die entsprechenden politischen Geschäfte bekanntlich von Stadt- und Regierungsrat zuhanden der Parlamente verabschiedet werden, und im November soll die Volksabstimmung betreffend Projektkredit sowie Gewährung des Baurechts auf dem Inseli stattfinden.

Die Stiftung wolle nun vor der Donnerstagssitzung des Parlaments «klare Fakten auf den Tisch legen». Dann betonen Achermann und Schmid zum wiederholten Mal, dass gemäss zweier Studien einzig das Inseli als Standort in Frage komme. Der Motorboothafen sei jeweils «ausdrücklich» verworfen worden. «Die Schenkung des Butterfield Trust (Bermuda) Ltd. (BTBL) ist deshalb an die Voraussetzung geknüpft, dass das Neue Theater Luzern/Salle Modulable auf dem empfohlenen Standort Inseli realisiert wird. Eine Unterstützung des Projekts an einem anderen Standort ist ausgeschlossen.»

Mögliche Innenansicht der grossen Bühne in der Salle Modulable: Möglich sind alternative Inszenierungen mit Akteuren in Fensteröffnungen.

Mögliche Innenansicht der grossen Bühne in der Salle Modulable: Möglich sind alternative Inszenierungen mit Akteuren in Fensteröffnungen.

(Bild: Visualisierung PD)

Weitere Fristverzögerung ist ausgeschlossen

Achermann/Schmid warnen: «Mit der nun geforderten Erarbeitung und Unterbreitung einer weiteren Standortvariante würde sich das Projekt zudem massiv verzögern.» Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass bis Ende 2018 sämtliche für die Realisierung erforderlichen Entscheide der Parlamente und des Volkes ergangen und die Finanzierung sichergestellt sein müssen.

BTBL hat sich im Frühjahr auf Wunsch von Stadt- und Regierungsrat im Sinne eines Entgegenkommens bereit erklärt, einer Verlängerung dieser Frist für die Durchführung der geplanten zweiten Volksabstimmung um ein halbes Jahr, bis Ende Juni 2019, zuzustimmen; dies unter der Bedingung, dass die Abstimmung zum Projektierungskredit sowie zum Baurecht wie vom Stadtrat vorgeschlagen Ende November 2016 durchgeführt und die entsprechende Vorlage angenommen wird. «In der Vereinbarung mit der Stiftung Salle Modulable hat BTBL klar festgehalten, dass eine weitere Erstreckung der Frist gänzlich ausgeschlossen ist.»

Mit der im Postulat geforderten Evaluation eines zweiten Standortes könnte diese Frist laut den beiden Stiftungsvertretern nicht mehr eingehalten werden. «Damit würde die Schenkung – unabhängig vom Standort – hinfällig. Wir würden das zutiefst bedauern.»

Achermann/Schmid beschwören die Stadtparlamentarier: «Die Evaluation des Standorts war sorgfältig und breit begleitet. Die Projektleitung sollte aus unserer Sicht jetzt die offenen Fragen zuhanden der Parlamente zügig klären und dann die Parlamente und die Bevölkerung über die Realisierung des Projekts am dafür vorgesehenen Standort entscheiden lassen.»

Visualisierung der Salle Modulable auf dem Inseli.

Visualisierung der Salle Modulable auf dem Inseli.

Wer wird Totengräber der Salle Modulable?

Am Donnerstag könnten die Stadtparlamentarier also die Salle Modulable ein für alle Mal beerdigen. Vorausgesetzt, es findet sich eine Mehrheit für den Vorstoss von SP/Grünen. Das könnte allerdings knapp werden. SP und Grüne verfügen zusammen über 19 Sitze im 48-köpfigen Parlament. Sie bräuchten also noch sechs bürgerliche Stimmen für eine Mehrheit. Doch diese würden sich damit mit zu den Totengräbern der Salle Modulable machen. Ob sie das in diesem frühen Stadium schon riskieren? Eine Mehrheit dürfte wohl der Meinung sein, dass die Verantwortlichen – Stadt, Kanton, Stiftung – nun ihre Vorarbeiten wie geplant weiterführen sollen. Zumal erst im Sommer/Herbst die wichtigsten Infos zur Finanzierung, zum Betriebskonzept und zum künstlerischen Inhalt vorliegen.

Hinweis: zentralplus wird am Dienstag bei den Parteien nachfragen, wie sie zum Vorstoss der Linken stehen. 

Hinweis: In unserem umfassenden DOSSIER über die Salle Modulable finden Sie alles, was Herz und Hirn begehren. 


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2 Kommentare
  1. Marcel Moser, 17.05.2016, 12:36 Uhr

    Verbetonisiert die letzte kleine Grünfläche im Bahnhofsgebiet. Zuerst das unsägliche Kunst- und Kongresszentrum, jetzt ein Salle Modulable? Wer zahlt eigentlich am Schluss die Zeche? Im bairischen Sprachschatz gibt es ein geflügeltes Wort. „Wer oschafft, zoilt“ aber bitte nicht mit Geld des Steuerzahlers. Wenn sich die „Hautevolée“ ein Kulturzentrum wünscht, dann bitte selber bezahlen und unterhalten und nicht Steuergelder verprassen…

  2. Beat Stocker, 17.05.2016, 09:03 Uhr

    Das ist eine taktische Schutzbehauptung der Stiftung. Aber gewiss doch ist die salle modulable am Motorboothafen Alpenquai genausogut möglich wie auf dem Inseli. Warum hat denn die von der Stiftung selber hochgelobte Machbarkeitsstudie die Alternative Motorboothafen Alpenquai enthalten? Es ist also gar nicht möglich, dass die – nach wie vor verschwiegenen – Bedingungen der Schenkung diese Alternative nicht zulassen, wie die Stiftung jetzt plötzlich behauptet. Diese Taktierei ist offensichtlich! Für wie blöd halten die Stiftungsraete denn die LuzernerInnen?