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Stephan Eicher fügt sich in das euphorisch tobende Chaos
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  • Rezension
Mit seinem ersten Schritt auf die Bühne zieht Stephan Eicher das Publikum in seinen Bann. (Bild: Nikola Gvozdic)

Traktorkestar in der Luzerner Schüür Stephan Eicher fügt sich in das euphorisch tobende Chaos

3 min Lesezeit 24.11.2019, 11:45 Uhr

Das Berner Traktorkestar hat auf seiner Jubiläumstournee im ausverkauften Konzerthaus Schüür Halt gemacht. Die zwölf Musiker legten am Samstag einen Moloch von Konzert hin. Mittendrin: Stephan Eicher, der weit mehr war als nur ein Gast.

Eine körperliche und klangliche Wand türmt sich vor dem Publikum auf und bricht über dieses nieder. Drei Trompeten, drei Posaunen, ein Alt-Saxophon, ein Tenor-Saxophon, eine Tuba, Perkussion, Snare und Bass-Drum: Es ist definitiv eindrücklich, zwölf Musiker auf einer Bühne zu sehen.

Die Band, die so voll ausgerüstet in ihr Set hineinsteigt, ist Traktorkestar. Das Berner Dutzend ist in diesem Jahr mit seinem neusten Album «Ostring» auf Jubiläumstournee. Zehn Jahre spielen sie sich schon durch die Musikhallen Europas. Am Samstagabend machten die Blechbläser zum ersten Mal Halt im ausverkauften Konzerthaus Schüür.

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Skepsis verfliegt ab der ersten Note

Vorwiegend mit Balkan-Musik, aber auch Jazz, Reggae, Dub, Pop und zügelloser Energie packt Traktorkestar das Publikum in der ausverkauften Schüür sofort an der Hand und führt zum Tanz.

Vorgängige persönliche Erfahrungen haben – leider – gezeigt, dass Bands mit vielen Blechbläsern nur schwer abzumischen sind, und darum häufig schlecht klingen. Die Skepsis verfliegt hier jedoch ab der ersten Note, die das Trommelfell trifft. Traktorkestar klingt fast schon unverschämt gut.

Unverschämt gut: Traktorkestar brachte die Schüür zum Beben.

Zur Feier des Zehnjährigen hat Traktorkestar im Verlauf der Tournee unterschiedliche Gäste an die Konzerte mitgenommen, die sie in ihrer Musikkarriere in verschiedener Form und Ausmass begleitet haben. An diesem Abend ist es Stephan Eicher. Mit dem Chansonnier hat Traktorkestar in diesem Jahr das Album «Hüh!» veröffentlicht, mit neuen Versionen von Eichers Songs. Sein Erscheinen wird wohl massgeblich zum Ausverkauf beigetragen haben, und das ist verständlich.

Als hätten sie zehn Jahre gemeinsam gespielt

Stephan Eicher ist eine magnetische Person. Mit dem ersten Schritt auf die Bühne zieht er das Publikum in seinen Bann. Mit einer beeindruckenden Lockerheit und Souveränität hat er die Menge sofort in der Hand und diese lässt sich nur allzu gerne von ihm führen, lauscht gebannt jedem seiner Worte.

Dabei ist Eicher weit mehr als ein Gast an diesem Abend. Er fügt sich in die Band ein, als ob auch er die letzten zehn Jahre mit ihr gespielt hätte. So vertraut, so nahtlos, so natürlich funktioniert diese Verbindung. 

Treiben bis zur Ekstase

Eicher hebt Traktorkestar auf eine höhere Ebene. Und Traktorkestar gibt Eicher eine neue, unersättlich scheinende Kraft. Es ist ein perfektes Werk. Es wird auch getanzt und gefeiert, als ob es kein Morgen gäbe. «Die Band gehört euch», ermahnt Eicher. Und spornt das Publikum zum taktangebenden Klatschen an, das immer schneller und schneller wird, bis Traktorkestar und Eicher, in erlösender Ekstase, in den nächsten Refrain überleiten.

Wuchtig, treibend, euphorisch: Traktorkestar mit Stephan Eicher.

Gut über zwei Stunden spielen sich die Musiker die Seele aus dem Leib. Man muss ihre Ausdauer und auch jene des dicht gedrängten Publikums bewundern. Kaum ein ruhiger Moment wird geboten, auf einen Tanz folgt der nächste. Euphorisch werden die bekannten Songtexte mitgesungen, Formationen getanzt und viel gelacht.

Im grössten Chaos winkt Eicher einmal in gespielter Frustration ab, setzt sich hin und nippt lächelnd an seiner Tasse, während um ihn herum Traktorkestar wie ein Wirbelsturm tobt. Am Ende sind Musiker und Publikum völlig ausgelaugt, verschwitzt und glücklich.

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