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Steht die Kunstpause vor dem Aus?
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Julian Denzler, der neue künstlerische Leiter der Kunstpause, in der Shedhalle. Er sieht sich mit grossen finanziellen Herausforderungen konfrontiert. (Bild: pbu)

Junges Zuger Kunstfestival mit dem Rücken zur Wand Steht die Kunstpause vor dem Aus?

4 min Lesezeit 13.08.2016, 12:01 Uhr

Die Zuger Kunstpause durchläuft gerade einen Generationenwechsel. Doch nicht nur die Köpfe haben sich geändert, sondern auch die finanzielle Situation – und diese lässt ein paar rabenschwarze Wolken über der Shedhalle aufziehen.

Bald steigt sie zum zwölften Mal, die Zuger Kunstpause. Dieses Jahr mit einem fast komplett neuen Team (siehe Box unten). Der Zuger Designer Timon Sager übernimmt als Vereinspräsident die Gesamtleitung – und hat keinen einfachen Einstand. Wegen finanzieller Engpässe sieht er sich nämlich gezwungen, den Gürtel etwas enger zu schnallen: «Im Vergleich zu meinen Vorgängern muss ich mit deutlich weniger Geld auskommen.»

Das hat vor allem zwei Gründe: «Einerseits unterstützt uns die Ernst Göhner Stiftung nur alle zwei Jahre. Da fällt schon mal ein grosser Teil weg. Andererseits waren die Zuger Gemeinden dieses Jahr nicht mehr so spendabel wie letztes Jahr. Auch da ist einiges weggefallen», erklärt Sager. Direkt zu spüren bekomme dies zum Beispiel das Werbebudget: Ausstellungsflyer und Plakate sind heuer dünner gesät als auch schon.

Künstler sind auf sich alleine gestellt

Es leiden aber nicht nur die Werbemittel unter dem versiegenden Geldfluss. Auch die Ausstellung selbst und die einzelnen Künstler bekommen die Auswirkungen zu spüren. «Wir können überhaupt keine Produktionszuschüsse geben», sagt Julian Denzler, der den Posten der künstlerischen Leitung dieses Jahr neu besetzt. «Selbst für die Anreise der Künstler und den Transport ihrer Exponate können wir nichts beisteuern. Das müssen sie alles selber tragen.» Zudem habe sich bei der Szenografie eine «sehr praktikable Lösung» durchgesetzt, wie der gebürtige Deutsche ausführt.

«Wenn es finanziell so bleibt, dann wird es sehr schwierig, die Kunstpause in dieser Form aufrechtzuerhalten.»

Timon Sager, Präsident Verein Kunstpause

Wie ist diese Baisse zu verorten? Steht die Kunstpause vor dem finanziellen Aus? «Ein Abwärtstrend lässt sich momentan nicht herauslesen», meint Sager. «Aber wenn es finanziell so bleibt, dann wird es sehr schwierig, die Kunstpause in dieser Form aufrechtzuerhalten.» Letztlich gehe es auch auf die Kosten ihrer Arbeitszeit, betont der 33-jährige Zuger. Man arbeite hier zwar im Ehrenamt, aber nach jeder Kunstpause blieb ein kleiner Überschuss übrig, von dem alle Beteiligten profitierten. Dass diese Art von kleiner Wertschätzung nun wegfällt, könne auf einige schon abschreckend wirken.

Generationenwechsel im Verein

Neben Timon Sager und Julian Denzler gab es innerhalb der Kunstpause noch weitere Wechsel. Hannah Schneidt ist neu für die Finanzen und für das Sponsoring zuständig. Sam Heller ist Verantwortlich für den Aufbau und die Künstlerbetreuung. Und Michael Frey führt neu die technische Leitung und ist für das Rahmenprogramm zuständig. Von der alten Garde übriggeblieben sind Thierry Ackermann und Carl-Theodor Heldman. Sie fungieren als Mentoren für das neue Team.

Die Kunstpause findet vom 18. bis 21. August 2016 in der Shedhalle in Zug statt. Es stellen aus: Antonia Röllin, Anna Sophia Podany, Alina Asalkhanova, Asemina Ates, Cina Lufran, Christian Indergand, Daniel Züsli, Dominik Zietlow, Doreen Schmid, Fiona Könz, Jürgen Baumann, Luc Marrel, Maria Bänziger, Matthias Moos, Natasha Zünd, Nicola Cotti, Nora Longatti, Ramon Bachmann, Rafael Casaulta, Ronja Römmelt, Rolf Müller, Sam Heller, Samuel Hegetschweiler, Stefan Marty, Valentina Spillmann, Vera Mühlebach und Yvonne Lanz.

Julian Denzler pflichtet dem bei. Für den Kurator ist klar: Die Kunstpause steht und fällt mit dem Engagement des Teams. Die Leidenschaft der Beteiligten sei für ihn letztlich der Grund dafür gewesen, die künstlerische Leitung zu übernehmen. «Ich habe ja nicht wirklich einen Bezug zu Zug. Aber als ich das Team bei der Ausschreibung kennengelernt habe, war mir sofort klar, dass da Leute mit Herzblut am Werk sind. Wenn dieses Engagement aus irgendeinem Grund versiegen sollte, dann wars das wohl für das Zuger Kunstfestival.»

Finanzielle Unterstützung hinkt hinterher

Dabei hat sich der Anlass mittlerweile fest in die Zuger Kulturagenda eingebrannt. Als Maturaarbeit gestartet, mauserte sich die Kunstpause zum grössten Festival für junge Kunst in Zug (zentralplus berichtete). «Es ist eigenartig, denn die Zustimmung der Leute und der Künstler für die Kunstpause ist über die letzten Jahre stetig gewachsen. So auch dieses Jahr. Aber die finanzielle Unterstützung hält da nicht mit», konstatiert Denzler.

Allen voran sei es der Plattformgedanke, der die Kunstpause zu einem wichtigen Anlass mache. Zum einen biete sie jungen Künstlern die Gelegenheit, sich und ihre Arbeiten zu zeigen. Zum anderen komme die Kunstpause mit ihrem Rahmenprogramm wie ein Festival daher. «So lassen sich Leute anziehen, die sonst nicht viel mit Kunst-Ausstellungen am Hut haben», sagt Denzler. «Wir bringen Menschen in die Shedhalle, die man mit einem klassischen Ausstellungsformat nicht hierherbringen würde.»

Noch ist nicht viel zu erkennen. Doch schon bald werden Werke junger Künstler die Shedhalle füllen.

Noch ist nicht viel zu erkennen. Doch schon bald werden Werke junger Künstler die Shedhalle füllen.

(Bild: pbu)

Hinter Gittern

In diesem Sinne passt das diesjährige Ausstellungsmotto wie die Faust aufs Auge: «Zeit für Begegnung» heisst dieses und fungiere für die Besucher als Gedankenfolie, erklärt Denzler. «Man braucht als Besucher einen roten Faden. Ansonsten ist es fast unmöglich, 27 Positionen folgen zu können.» 27 Positionen, die darüberhinaus in vielfältiger Multimedialität daherkommen. Während in den vergangenen Jahren die Malerei dominierte, kommt die aktuelle Ausgabe der Ausstellung vielschichtiger daher: Von Bildhauerei über Fotografie bis hin zu Performances ist alles vertreten.

Die Szenografie greift überdies den Aspekt der Begegnung auf. Es werden keine Holz- oder Gipswände sein, welche die einzelnen Exponate voneinander abtrennen, sondern Baugitter. Günstig und praktisch. «Ich wollte durchlässige Wände, damit der Raum nicht verschlossen ist und sich die Leute auch in Blicken begegnen können», erklärt Denzler. Zudem hätten die Baugitter etwas Provisorisches. Sie stünden für einen Übergang, was in Denzlers Augen das Werden der jungen Kunst widerspiegelt. «Wenn Baugitter stehen, wird suggeriert, dass etwas im Bau ist, dass noch mehr kommt.»

Das ging also gerade noch einmal gut, trotz finanziellen Engpässen. Ob aber künftig mehr Mittel für die Kunstpause zur Verfügung stehen werden, bleibt allerdings ungewiss. Timon Sager, Julian Denzler und das ganze Team wären indessen für weitere Ausführungen zu haben – sofern es die Umstände zuliessen. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding werden jedenfalls schon mal in Betracht gezogen.

Einzelne Exponate, die an der diesjährigen Kunstpause ausgestellt werden.

Einzelne Exponate, die an der diesjährigen Kunstpause ausgestellt werden.

(Bild: pbu)

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