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Stau, Lärm, Abgase – aber was tun?
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SVP-Grossstadtrat Peter With (zweiter von links) erklärt sich. Eine angeregte Diskussion, geleitet durch Luca Wolf (zentral+. links), mit Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) und Karin Hess (Verein Umverkehr). (Bild: yab)

Talk Im Neubad Stau, Lärm, Abgase – aber was tun?

3 min Lesezeit 06.11.2015, 00:16 Uhr

Täglich herrscht auf den Strassen der Luzerner Innenstadt Verkehrsüberlastung zu den Stosszeiten. Was sind die Ursachen, und was lässt sich dagegen tun? Beim Neubad-Talk stand die SVP-Initiative «für einen flüssigen Verkehr» im Zentrum. Und es wurde angeregt diskutiert.

Zu Beginn zischen die Deckel. Bei einem Bier lässt es sich besser reden. So gemütlich die Gästerunde im Rahmen des «Neubad Talk» am Donnerstagabend zusammen sass, so gegensätzlich wurde zeitweise diskutiert. Und das Thema war kein einfaches: Staus, Abgase und Lärm: Der kränkelnde Luzerner Verkehr. Und besonders zu reden gab die Initative «Für einen flüssigen Verkehr». 

Für das Wortgefecht wurden eingeladen: Adrian Borgula (Grüne), Stadtrat und Vorsteher der Direktion Umwelt, Verkehr und Sicherheit. Peter With, SVP-Grossstadtrat und Befürworter der Initiative – er sass im Neubad quasi in der Höhle des Löwen, die rund 50 Zuschauer richteten ihre Fragen am Ende der Veranstaltung ausschliesslich an ihn. Und auf Karin Hess von der Organisation Umverkehr. Durchs Programm geführt hat Luca Wolf, Leiter der Luzerner Redaktion von zentral+. 

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«Der Stadtrat suchte immer eine ruhige Diskussion.»

Adrian Borgula, Stadtrat 

Wer hat den Vortritt in der städtischen Verkehrspolitik? Autos, der ÖV, Velos, Fussgänger, oder doch alle zusammen? Klar, ein Patentrezept für die Probleme Luzerns hatten die Podiumsgäste nicht. Dennoch konnten sie durch unterschiedliche Ansichten und Argumente das Thema den Zuhörern näherbringen.

Adrian Borgula erklärte zum Beispiel das «Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität». Dieses schreibe vor, dass der Mehrverkehr über den öffentlichen Verkehr und über den Velo- und Fussverkehr abgewickelt werden sollte. «Wir haben ein Verkehrswachstum, das ist Fakt.» Die Argumente seien immer emotional aufgeladen gewesen. «Der Stadtrat suchte deshalb immer eine ruhige Diskussion. Nur mit vernünftigen und pragmatischen Ansätzen kommt man vorwärts.» 

Adrian Borgula und Karin Hess.

Adrian Borgula und Karin Hess.

Peter With: «Verkehrsmittel werden gegeneinander ausgespielt»

SVP-Vertreter Peter With kritisierte das Verkehrsreglement und erläuterte die Ziele seiner Initiative «Für einen flüssigen Verkehr» (siehe Box) «Die Stadt sagt, dass der mobilisierte Individualverkehr auf das Niveau von 2010 begrenzt werden muss. Er dürfe nicht mehr wachsen. Das ist unrealistisch.»

With wohne in der Agglomeration Luzerns und sei beruflich viel mit dem Auto unterwegs. «Die Stadt baut in Zukunft die Agglomerationen aus, aber mit viel weniger Parkplätzen. Das geht nicht auf.» Die Stadt halte stur am Reglement fest, und alle Verkehrsmassnahmen seien auf dieses Reglement ausrichtet. «So werden einzelne Verkehrsmittel gegeneinander ausgespielt, statt sie miteinander zu betrachten», so With.  

 

Luca Wolf und Peter With.

Luca Wolf und Peter With.

Was will die Initiative?

Die Stadt Luzern stimmt am 15. November über die Initiative «Für einen flüssigen Verkehr» ab. Lanciert wurde sie von SVP, FDP, dem Wirtschaftsverband, dem Automobilclub Schweiz sowie dem TCS. Sie soll

- ein massvolles Wachstum beim motorisierten Individualverkehr (MiV) wieder ermöglichen.

- die Förderung von «visionären Projekten» wie Metro oder Musegg-Parkhaus möglich machen. Diese seien wegen des Reglements zurzeit nicht mehr realisierbar ohne die gleichzeitige Kompensation durch den Abbau oberirdischer Parkplätze.

- der öffentliche und der Langsamverkehr sollen ausgebaut werden, ohne den MiV einzuschränken.

- Bei Grossprojekten zur Verkehrsentlastung wie Spange Nord oder Bypass vermisst das Komitee, dass der Stadtrat diese aktiver unterstützt. Bund und Kanton seien dafür.

Karin Hess sprach als Mitglied der Regionalgruppe Umverkehr. Ihre Organisation lancierte damals die Initiative, die dann 2010 zur Abstimmung kam. Ursprünglich hatte die Initiative eine Erhöhung des Anteils von ÖV, Fuss- und Veloverkehr um 10 Prozent gefordert. Schliesslich wurde ihr Vorschlag abgeschwächt und der Gegenvorschlag und somit das heute gültige städtische Reglement angenommen. 

«Das städtische Verkehrsreglement ist der Wille des Volkes. Mit einer Mehrheit von 63 Prozent wurde dieses bestätigt. Wir müssen dazu Sorge tragen. Die SVP will diesen Volkswillen wieder umstossen.» Knapp 45 Prozent der Stadtluzerner Haushalte verfügten über kein eigenes Auto. «Es geht auch um die Lebensqualität und Mobilitätsbedürfnisse dieser Personen.»

Die Zuhörer lauschten den Ausführungen interessiert. «Ich habe zwar nicht alles versanden. Aber ich weiss jetzt viel besser, was die heissen Themen in der Verkehrspolitik sind», sagte eine zufriedene Zuhörerin nach der Veranstaltung. Insgesamt war es ein gelungener Infoabend. Das komplette Video des ganzen Gesprächs folgt bis am Montag und wird hier noch ergänzt.

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