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Stapi Cyrill Wiget: «In Kriens ist es 5 vor 12»
  • Regionales Leben
Für den abtretenden Krienser Stadtpräsidenten Cyrill Wiget steht die Stadt an einem Scheideweg. (Bild: bic)

Neues Stadtkonzept als Befreiungsschlag Stapi Cyrill Wiget: «In Kriens ist es 5 vor 12»

5 min Lesezeit 8 Kommentare 01.06.2020, 12:00 Uhr

Der Krienser Stadtrat hat ein Konzept zur städtischen Entwicklung vorgelegt. Für den abtretenden Stapi Cyrill Wiget war dies höchste Zeit. Denn wenn die Probleme und Herausforderungen der Stadt nicht rasch angepackt würden, könnte es zu spät sein.

Über mehr als 3,5 Kilometer schlängelt sich die Kantonsstrasse vom Kupferhammer bis Obernau durch Kriens. So langgezogen die Stadt ist, so unterschiedlich sind die Stadtteile entlang der Hauptachse. Doch genau diese «Lebensader» will der Stadtrat zu einer städtischen Einheit verschmelzen lassen.

Denn Kriens habe sich in den letzten Jahren nicht nur dem Namen nach zur Stadt gewandelt – sondern durch verdichtete Bebauung auch zusehends städtischen Charakter entwickelt.

Auf der Suche nach Identität?

Dies war am Donnerstag aus dem Stadthaus zu vernehmen. Der Stadtrat hat deshalb ein umfassendes Konzept für die Zukunft vorgelegt. Es war eines der grossen Ziele der zu Ende gehenden Legislatur (zentralplus berichtete).

Wer sich die dem Konzept beigelegte Broschüre zu Gemüte führt, dem bietet sich das Bild einer Stadt, die auf der Suche nach einer neuen Identität ist. Auf einen kurzen historischen Abriss über die Entwicklung der Gemeinde seit dem 19. Jahrhundert folgt ein kleines Porträt über die identitätsstiftenden Elemente wie Pilatus und Krienbach. Dann folgen Visionen einer selbstbewussten, urbanen und modernen Stadt innerhalb des Kantons und der Agglomeration Luzern, eingebettet zwischen Eigenthal, Sonnenberg und Krienseregg.

«Es gilt jetzt, den verschiedenen Interessengruppen möglichst schnell aufzuzeigen, dass man gewillt ist, in Kriens gemeinsam in die Zukunft zu gehen.»

Cyrill Wiget, Stadtpräsident Kriens

Verschiedene in der jüngsten Vergangenheit realisierte sowie diverse anstehende Projekte zeugen vom Wunsch nach Aufbruch. Das neue mit viel Kampf und Krampf errichtete Stadthaus, das Kulturquadrat bei der Busschleife, die Siedlung bei der Teiggi oder die künftige moderne Überbauung des Bell-Areals (zentralplus berichtete) sind nur ein paar prominente Beispiele.

Die Hoffnung auf eine neue Ära ist spürbar im Südwesten der Stadt Luzern. Der Rücktritt von drei Stadträten nach deren schlechtem Abschneiden beim ersten Wahlgang im März markiert wohl nur einen Zwischenschritt in der einsetzenden Zeitenwende (zentralplus berichtete).

Diversität ist gewollt

Federführend für die Ausarbeitung der Zukunftsvision war unter anderen der abtretende Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne). Dass Kriens seine Identität verloren habe, will er so nicht stehen lassen. «Das ist ja gerade das Ziel des Konzepts, die verschiedenen Stadtteile mit ihren unterschiedlichen Identitäten zu stärken und weiterzuentwickeln. Die bestehenden Unterschiede sind gewollt. Am Mattenhof darf es sehr urban zu und hergehen, im Obernau soll der Übergang zur Landschaft spürbar bleiben.»

Die Vision lasse sich wie folgt zusammenfassen: In Luzern Süd die grossen Büro- und Ladenflächen, im Zentrum die traditionellen Beizen und das Kleingewerbe und beim Grosshof ein Quartier für Freizeit und Erholung. «Eine Stadt zeichnet sich ja dadurch aus, dass sie verschiedene Quartiere mit unterschiedlichen Stärken und Potenzialen hat», sagt Wiget dazu.

So stellt sich der Stadtrat die Entwicklung entlang der Hauptachse vor.

Dringend nötige Signale aussenden

Dass die präsentierte Zukunftsvision dringend nötig ist, ist für Cyrill Wiget aber klar. Sie komme keinen Tag zu früh: «In Kriens ist es 5 vor 12», warnt er. Wenn man jetzt nicht loslege, ziehe das Gewerbe weg und leere Schaufenster wären die Folge. «Es gilt jetzt, den verschiedenen Interessengruppen wie dem Gewerbe, den Investoren und auch dem Kanton möglichst schnell aufzuzeigen, dass man gewillt ist, in Kriens gemeinsam in die Zukunft zu gehen.»

Wigets Aussagen sind unmissverständlich und lassen die Idee hinter dem Konzept eindeutig erkennen. Dennoch schwingt beim abtretenden Stadtpräsidenten ein Hauch von Enttäuschung über den Stillstand während der vergangenen Jahrzehnte mit.

«Die trennende Wirkung der Strasse, insbesondere im Zentrum, die unattraktiven Verbindungen zwischen den Einkaufsmagneten, die mangelnde Aufenthaltsqualität entlang der Hauptachse und in die Quartiere zeichnen leider ein eher trauriges Bild», so Wiget.

«Es braucht ein Umdenken»

So habe trotz vieler neuer Wohnbauprojekte der Charakter im Zentrum nur bedingt aufgewertet werden können, bedauert Wiget. «Die Leute ziehen zwar nach Kriens, ein öffentliches Leben in pulsierenden Quartier- und Stadtzentren findet aber noch viel zu wenig statt.»

Den Schwarzen Peter möchte er niemandem zuschieben, obwohl ihm insbesondere das Gegeneinander der Parteien und Verbände ein Dorn im Auge ist. «Es reut mich, dass wir mit unserer Politik nicht weiter gekommen sind und ich bedaure die Verzögerungen bei kantonalen Strassenprojekten», räumt Wiget ein.

«Sicher ist es manchmal frustrierend, wie viel Zeit gewisse Entwicklungen benötigen, obwohl wir die Zeichen der Zeit schon lange erkannt hätten.»

Für seine Nachfolger im Stadtrat hat er eine klare Botschaft: «Ich bin überzeugt, dass sich die Menschen kein Verkehrschaos wünschen, sondern ein lebendiges, urbanes Zentrum mit attraktiven öffentlichen Plätzen, Parks, Gastroangeboten und kleinen Läden.» Dafür brauche es aber einen grundlegenden Wandel in den Köpfen der Politikerinnen und der verschiedenen Player.

Wiget bleibt optimistisch

Für eine bessere Zukunft der Stadt Kriens möchte sich Wiget auch nach seiner politischen Karriere einsetzen. «Sicher ist es manchmal frustrierend, wie viel Zeit gewisse Entwicklungen benötigen, obwohl wir die Zeichen der Zeit schon lange erkannt hätten.»

Dennoch gelte es positiv und optimistisch zu bleiben. «Viele Menschen machen sich Gedanken, an vielen Orten erfolgt ein Umdenken, es liegen auch Aufbruch und Wandel in der Luft. Und dies durchaus zum Guten. Ich spüre solche Prozesse gerade auch in Kriens», sagt Wiget. Das neue Kulturzentrum Kulturquadrat, das neue Stadthaus, die Spielanlage Langmatt seien positive Beispiele, dass etwas geht.

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8 Kommentare
  1. Ränggloch-Böög, 02.06.2020, 20:46 Uhr

    Kriens ist das neue Reussbühl! Wächst zwar in der Bevölkerung, aber leider nur bei den Sozialhilfeempfänger. Deshalb hat man wohl mehr Einwohner, jedoch weniger Steuereinnahmen. Aber mit was will Kriens gute Steuerzahler anziehen? Im Zentrum reihen sich Döner-Läden an Wigets Imperium und erneut an Döner-Läden. Da kann man Programme aufgleisen wie man will, attraktiv wird dieser Mix nie mehr! Nein, der Renggloch-Böög hat sich längst zurückgezogen und das Trauerspiel den paar Ewiggestrigen überlassen, welche Jahr für Jahr die Krienser Tradition so hoch loben. Beim genauen Hinsehen stellt man jedoch fest, dass beim Chlausen und Fasnächtlen seit gefühlten 50 Jahren immer die Gleichen, in Kriens sitzen gebliebenen, herumstehen und selbst die werden immer weniger.

  2. Joseph de Mol, 02.06.2020, 11:45 Uhr

    Wetten dass…, es nun von Seiten der Stadt Luzern nicht mehr lange dauert bis der Fusionsgedanke wieder ganz, ganz oben auf der politischen Agenda steht. Kriens ist finanziell derart angezählt, faktisch bereits ausgenockt, dass sie in der jetzigen Situation ein hilfloses Opfer für eine „feindliche Übernahme“ ist. Also Achtung: Die Fusions-Ideologen betreten wieder die Bühne! Die Messer werden gewetzt. Die Parolen ergriffen. Den Plänen in den Amtsstuben der Stadt Luzern und in den Schreibtischen der Unternehmensberater wird neues Leben eingehaucht…..!

    1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 04.06.2020, 13:02 Uhr

      Bei der aktuellen linken Dominanz der Exekutiven der Stadt Luzern und alsbald auch in Kriens, dürfte dieser kollektivistische Ansatz tatsächlich recht schnell wieder verfolgt werden. Kriens hat seine Absichten mittels Spontan-Bewerbung – Plattenbausiedlung Matthof-Marzahn und Schweighof (schweigen, nicht leben!) – jedenfalls bereits sehr offen und überdeutlich auf den Tisch gelegt.

  3. Der Obernauer, 02.06.2020, 09:51 Uhr

    Nun hat man etliche Jahre gewurstelt und fröhlich Optimismus versprüht und nun, nachdem vernichtenden ersten Wahlgang wird der Stadtrat von Kriens nun hyperaktiv. Leitbilder und Durchhalteparolen im Stundentakt.
    Das Universum hat zugeschlagen und alle optimistischen Prognosen sind verraucht. Finanzielles Desaster und keiner weiss woher. Der Stadrat rätselt und will noch weiter auf dem ausgetretenen Pfad weitermachen, Der Einwohnerrat nickt ohne zu Hinterfragen ab ..
    Es ist nun an der Zeit zu Gehen und auf weitere Ratschläge an die Bevölkerung zu Verzichten.
    Man hat die Gemeinde in den Ruin geritten und sollte nun endlich neue Kräfte agieren lassen…..

  4. Evelyne Ineichen, 01.06.2020, 22:44 Uhr

    „Denn wenn die Probleme und Herausforderungen der Stadt nicht rasch angepackt würden, könnte es zu spät sein“. Super Aussprache Herr Wiget!
    Es ist bereits zu spät. Bravo, der städtische Charakter hat sich tatsächlich entwickelt. Die Legislatur ist zu Ende, Gott sei Dank. Es kann nur noch besser werden. Die Stadt braucht tatsächlich eine neue Identität, die alte wurde verschandet. Man muss nicht erst dann etwas bewegen, wenn es bald 12 Uhr läutet. Das mit K(r)ampf errichtete Stadthaus ist alles andere als eine Augenweide mit dem verschwenderischen Stadthausplatz mit ein paar immer leerstehenden Bänkli und einem unattraktiven Brunnen, der wenigstens den Platz etwas füllt. Dafür vergass man aber die Parkplätze, sei es für die Paketabgabe in der düsteren Post noch für den Besuch beim Metzger. Mit der Siedlung Teiggi hat die Stadt den Vogel abgeschossen. Städtische Komunenwohnungen mit dem Gettocharme des nahen Ostens, das Kulturquadrat mit einem unbrauchbaren Saal, deren Durchzug einem vom Hocker bläst. Ja meine liebe Stadtregierung, wo bleibt da der Charme, die Wohlfühloase, die Herzlichkeit sich willkommen zu fühlen, zu verweilen und zu flanieren? Wo sind die kleinen Gastbetriebe, wo man mit Herzenslust ein Feierabend-Bier trinken geht. Die Stadt Kriens ist ab 21.00 Uhr lehrgefegt. Die wenigen kleinen gemütlichen Beizli sind verschwunden, man erhielt dafür mehr Biodiversität und viele unrentable Takeaway’s. Das füllt mit Sicherheit die Kassen. Kriens wurde unattraktiv. Die Vision von weiteren leerstehenden Büro-und Ladenflächen lässt einem aufhorchen. Von den leerstehenden Wohnungen erst gar nicht zu sprechen. Der finanzkräftige Steuerzahler flüchtet, wer will den schon in Kriens wohnen. Finanziell ist Kriens am Ende und es gibt noch Fantasten, die Planen weitere leerstehende Wohnungen, ungenutzte Büro-und Ladenflächen und als abschliessendes Krönchen soll dies noch zur Verkehrsentlastung führen. Eine Verzweiflungsidee nach der anderen. Platz für den Bau von mehreren Schulhäusern sollten man auch noch finden, oder reichen da die verstellbaren ansehnlichen Container? Den Schwarzen Peter muss man niemandem zuschieben, man weiss wo er zu finden ist. Wo die Bevölkerung sich heute hinbewegt, zeigen die unmissverständlichen Abstimmungsresultate. Liebe abtretende Stadtregierung, gibt den Nachfolgern bitte keine klaren Botschaften ab. Die haben dafür weder Zeit noch Lust, sie brauchen die ganze Energie für den Wiederaufbau einer attraktiven Stadt mit Charakter ohne aufgespannten Leintücher, herumstehenden Bierkisten und Wäscheleinen voller links/grünen von Fassade zu Fassade gespannten Fähnchen über mehreren dutzenden kreuz und quer stehenden und liegenden Fahrrädern, die sich teils bis in die Wohnräumlichkeiten, sofern man diese so nennen kann, ausbreiten.

    1. GRÜENEGGLER, 02.06.2020, 23:36 Uhr

      Herrlich geschrieben. Voll meiner Meinung. Liebe Grüsse aus dem noch schönen Horw.

  5. Rolf Wüst, 01.06.2020, 20:28 Uhr

    Ausgerechnet der C. Wiget!? Da hat man sich vor fünfundzwanzig Jahren als quasi noch Rotzlöffel überall angedient und sich unternehmerisch installiert! Nur, um auch nichts ferner mehr zu erreichen! Und nun fünf vor Zwölf zu schreien, nachdem man über Jahrzehnte zum „Klüngel“ gehörte, welcher seiner Meinung nach nichts handfestes erreichte, zeugt durchaus symptomatisch vom Charakter!

  6. Peter Bitterli, 01.06.2020, 19:46 Uhr

    Eine Kloake, die bis zum Luzerner Pilatusplatz bestialisch stinkt und noch den Gästen der Restaurants am Nadelwehr den Flammkuchen im Munde verwesen lässt als identitätsstiftendes Element? Da muss man schon sehr verzweifelt sein zwischen Kotzagglo an der Horwer Grenze und Ratten- äääh Schatten- äääh Renggloch in der Kurve nach Hinterst-Littau.

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