Stand-up-Paddling: Gefährlicher Boom für brütende Wasservögel in Luzern
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Soll künftig besser reguliert werden: Stand-up-Paddling im Kanton Luzern. (Bild: RealKina / Unsplash)

Politikerin will Wassersport besser regulieren Stand-up-Paddling: Gefährlicher Boom für brütende Wasservögel in Luzern

5 min Lesezeit 2 Kommentare 16.05.2021, 14:00 Uhr

Die Badis sind bereits offen und bald dürften die Seen im Kanton Luzern wieder gut besucht werden – am Ufer und auf dem Wasser. Das freut zwar die Menschen, dürfte aber bei vielen Wasservögeln für ängstliches Schnattern sorgen. Denn nebst Booten können vor allem Stehpaddler für die Tiere zum Ärgernis werden.

Mit einem Stehpaddel langsam über das Wasser zu gleiten hat etwas Beruhigendes. Man ist draussen in der Natur, spürt den Wind im Gesicht und fühlt sich nah mit der Natur verbunden – vorausgesetzt, man hat die Paddelei im Griff und geht nicht unfreiwillig unter die Seebewohner. Was für viele Menschen seit rund sechs Jahren ein Trendsport ist, können andere, namentlich die Wasservögel, als störend empfinden.

Denn nicht selten übersehen Stehpaddler – oder Neudeutsch: Stand-up-Paddler (SUP) – die Nist- und Brutplätze von Wasservögeln und stören so deren Dasein. Die Vogelwarte Sempach warnt davor, dass Wasservögel während der Brutzeit besonders empfindlich gegenüber Störungen sind. «Weil SUP nahezu geräuschlos erfolgt, schätzt man das Störpotenzial für Tiere fälschlicherweise als gering ein», erklärt Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach auf Anfrage.

Insbesondere Wasservögel würden die Silhouette und die Bewegungen von Paddelnden als Bedrohung wahrnehmen. «Sie können bereits auf einen einzelnen Paddelnden in 1000 Meter Abstand mit Flucht reagieren. Das kostet Energie, belastet die Wildtiere und kann ihr Überleben und ihren Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen», so Schaad weiter. Dadurch werden wichtige Lebensräume und insbesondere Brut- und Rastgebiete gefährdet.

Auswirkungen sind den Sportlern selten bewusst

Und gebrütet wird derzeit. Die Brutzeit einiger Wasservögel, wie beispielsweise Enten, Blässhuhn oder Haubentaucher findet zwischen März und Juli statt, also durchaus in einem Zeitraum, in dem das Wetter sommerlicher wird und sich menschliche Wasserfreunde auf die Paddling-Bretter schwingen, um über die Seen zu staken. Dass sie dabei möglicherweise in Sperrzonen eindringen, ist vielen nicht klar.

«Viele Erholungssuchende sind sich der Auswirkungen nicht bewusst und sie kennen die Verhaltensempfehlungen zum Schutz der Wasservögel nicht», schreibt die Luzerner SP-Kantonsrätin Meta Lehmann in einer Anfrage an den Regierungsrat.

«Es dürfte nicht allen Menschen auf dem See klar sein, dass eine gelbe Boje Sperrgebiet bedeutet.»

Meta Lehmann, SP-Kantonsrätin

In dieser konfrontiert sie den Kanton mit diversen Fragen. So beschäftigt es Lehmann unter anderem, ob die Ruhezonen und Sperrgebiete wasserseitig überhaupt so markiert sind, dass Freizeitsportler diese als Sperrgebiete erkennen können. Bisher werden gesperrte Gebiete im Wasser nämlich nur mittels einer gelben Boje gekennzeichnet. Das reicht gemäss Lehmann nur bedingt. «Es dürfte nicht allen Menschen auf dem See klar sein, dass eine gelbe Boje Sperrgebiet bedeutet», sagt die SP-Kantonsrätin auf Anfrage von zentralplus. Es werde wohl deutlichere Hinweise benötigen, wenn diese verstanden und eingehalten werden sollen.

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Kanton kennt die Problematik

Eine Möglichkeit wäre für Lehmann ein System, das bereits auf dem Neuenburgersee eingesetzt wird. «Da werden betreffende Stellen mit einem Icon versehen, dass ein durchgestrichenes SUP zeigt.» Wenn nun ein solches Icon auf den gelben Bojen in Luzerner Gewässern angebracht würde, wäre das schon ein deutliches Signal für die Paddler.

Dem Kanton Luzern ist die Problematik bekannt und er hat im vergangenen Jahr auch schon bei hochfrequentierten Stellen beispielsweise auf dem Sempachersee Infotafeln aufgestellt. Ebenfalls hat die Vogelwarte Sempach im Verbund mit Pro Natura und Swiss Canoe eine Informationsbroschüre herausgegeben, die Paddler sensibilisieren soll (zentralplus berichtete). Weiter wurden bei grundsätzlichen Hotspots wie dem Baldeggersee und dem Hallwilersee Schutzzonen, Ruhezonen und Sperrgebiete definiert und markiert – mit besagten Bojen.

Grundsätzlich ist das ein Schritt in die richtige Richtung. «Es existieren aber noch viele andere Einwasserungsstellen, bei denen es weder Schilder noch Broschüren gibt.» Was der Kanton in dieser Hinsicht zu tun gedenkt, ist eine weitere Frage, die in Lehmanns Anfrage steht.

Tafeln wie diese am Sempachersee sollen Wasservögel vor Belästigungen durch Menschen minimieren.

Müssen Stand-up-Paddler künftig sanktioniert werden?

Die Kantonsrätin fragt auch nach, ob und wie der Kanton Luzern die definierten Sperrgebiete kontrolliert und ob es für allfällig fehlbare Personen Sanktionen gibt oder ob solche bereits ausgesprochen werden mussten. In Lehmanns Augen müssten sich mögliche Sanktionen in einem vergleichbaren Rahmen äussern wie bei anderen Verstössen gegen Schutzbestimmungen in Naturgebieten. Letztlich findet sie aber: «Wenn die betreffenden Gebiete gut markiert sind und man mit fehlbaren Paddlern das Gespräch sucht, ist schon viel erreicht – ohne Bussen aussprechen zu müssen.»

«Wenn die betreffenden Gebiete gut markiert sind und man mit fehlbaren Paddlern das Gespräch sucht, ist schon viel erreicht – ohne Bussen aussprechen zu müssen.»

Meta Lehmann, SP-Kantonsrätin

Meta Lehmanns Anfrage wurde am 4. Mai an den Regierungsrat eingereicht. Dieser hat nun sechs Monate Zeit, um Antworten auf die gestellten Fragen zu liefern. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob die SUP-Betreibenden die Schilder lesen und die Bojen deuten können. Denn Fakt ist: Der SUP-Trend scheint nicht einzubrechen. Im Gegenteil: «Mit Corona hat auch die Nutzung der Seen stark zugenommen», sagt die in Oberkirch wohnhafte Kantonsrätin, die das stetig wachsende Treiben auf dem Sempachersee praktisch von ihrem Zuhause aus beobachten kann.

Über Stand-up-Paddling

Der Trendsport SUP stammt ursprünglich aus Hawaii, geht aber auf traditionelle Fischereitechniken aus Polynesien zurück. Beim SUP steht man bei ruhiger See auf einem surfboardähnlichen Brett, ist mittels einer Schnur mit selbigem verbunden und bewegt sich mit einem Paddel vorwärts.

SUP ist gemäss verschiedenen Anbietern von Ausrüstung und Kursen leicht zu erlernen, benötigt aber ein gutes Balancegefühl, damit man nicht dauernd im Wasser landet. Es kann das ganze Jahr über in Flachgewässern praktiziert werden.

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2 Kommentare
  1. Andreas Gosso, 19.05.2021, 18:40 Uhr

    Guten Tag
    Sind Sie sicher, dass wir Hr. Schaad Michael gesagt hat, dass sich Wasservögel schon auf 1000 Meter durch einen SUP gestöhnt fühlen könnte und die Flucht ergreift. Dieses würde bedeuten, dass wenn ein Fussgänger beim Richard Wagner Weg vorbei geht, dass ein Wasservogel beim Lido erschreckt. Diese Distanz scheint mir schon sehr gross.

    Gruss A.Gosso

  2. Theresa Hofmann, 17.05.2021, 11:10 Uhr

    «Müssen Stand-up-Paddler künftig sanktioniert werden?» Ja, unbedingt! Wir Menschen müssen endlich die Naturräume mehr respektieren. Wir sind schliesslich Gast in der Natur.

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