Ständerat: Matthias Michel soll in die Fussstapfen von Eder treten
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Da war die Welt noch in Ordnung: Matthias Michel (links) setzte sich in der parteiinternen Ausmarchung gegen Andreas Hotz durch. (Bild: sib)

Zuger FDP zieht Ex-Regierungsrat Andreas Hotz vor Ständerat: Matthias Michel soll in die Fussstapfen von Eder treten

4 min Lesezeit 2 Kommentare 28.03.2019, 23:51 Uhr

Die Würfel sind gefallen: An der Nominationsversammlung sprach sich eine knappe Mehrheit der Zuger FDP für Matthias Michel als Ständeratskandidaten aus. Der ehemalige Regierungsrat soll den Sitz der Freisinnigen im Stöckli sichern.

Die Spannung stieg und stieg. Rund 25 Minuten lang diskutierten die 250 Stimmberechtigten der FDP Kanton Zug am Donnerstag untereinander, wer ihre Partei künftig im Ständerat vertreten soll und damit die Nachfolge von Joachim Eder antreten. Matthias Michel oder Andreas Hotz? Oberwil oder Baar?

Die beiden Kandidaten mussten derweil draussen ausharren. Beide gaben währenddessen zu, nervös zu sein. Schliesslich wäre es für jeden von ihnen ein grosser Moment.

Michel triumphiert

Kurz vor 22 Uhr war es soweit: Mit 144 von 248 gültigen Stimmen entschieden sich die Freisinnigen für Matthias Michel, 104 entfielen auf Andreas Hotz. Applaus brandete auf im Lorzensaal in Cham. Hotz gratulierte Michel fair, schliesslich kennen sich die beiden schon seit gemeinsamen Zeiten bei den Jungfreisinnigen.

Michel sagte in seiner Dankesrede denn auch, dass sein Verhältnis zu seinem Konkurrenten ungetrübt sei. «Es war eine offene Ausmarchung und schön, dass meine Parteikollegen eine Wahl hatten», so Michel. Nun freue er sich auf den Wahlkampf bis zu den Ständeratswahlen am 20. Oktober. Schon im Januar machte er seine Absichten klar, dass sein politischer Weg in den Ständerat führen soll (zentralplus berichtete).

Wieder ist die FDP die Gejagte

Patrick Mollet führte als interimistischer Präsident der FDP Kanton Zug, bis im April die Steinhauserin Carina Brüngger übernimmt, durch den Abend. Der gebürtige Solothurner wies darauf hin, dass seine Partei in diesem Jahr wiederum die Gejagte sein werde. Denn nicht nur der Ständeratssitz von Joachim Eder soll verteidigt werden, sondern auch jener von Bruno Pezzatti in der grossen Kammer. Wer sein Nachfolger werden soll, wird die Partei erst im Mai bestimmen.

«Schon als Jungfreisinniger habe ich die Motivation entwickelt, weshalb ich in den Ständerat möchte.»

Matthias Michel

Es ist dies keine neue Rolle für die Partei. Denn bereits für die abtretenden Zuger Regierungsräte Urs Hürlimann und Matthias Michel musste bei den Wahlen im vergangenen Jahr Ersatz gefunden werden. Die Verteidigung der Sitze gestaltete sich dank der Wahl von Andreas Hostettler und Florian Weber erfolgreich.

Politische Erfahrung ist reichlich vorhanden

Früher am Abend hatten Michel und Hotz vor vollen Rängen in ihrer Vorstellungsrunde begründet, weshalb sie die richtigen Kandidaten sind für das Stöckli in Bern, machten etwa auf ihre Leistungen auf kantonaler Ebene aufmerksam.

Hotz war unter anderem je zwölf Jahre im Kantonsrat und Gemeindepräsident von Baar. Michel auf der anderen Seite sass acht Jahre im Kantons- und 16 Jahre im Regierungsrat.

Michel zitiert Schneider-Ammann

Bei der Vorstellung trat Letzterer gewohnt staatsmännisch auf, mit Power-Point-Präsentation im Hintergrund stand er in der Mitte der Bühne. Mit drei Schlagworten versuchte er die Freisinnigen im Chamer Lorzensaal zu überzeugen: Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt. «Schon als Jungfreisinniger habe ich die Motivation entwickelt, weshalb ich heute in den Ständerat möchte», sagte der 55-Jährige.

Alt Regierungsrat Matthias Michel nimmt die Gratulationen entgegen – auch von Andreas Hotz.

Alt Regierungsrat Matthias Michel nimmt die Gratulationen entgegen – auch von Andreas Hotz.

(Bild: sib)

Ansonsten fielen in seiner Rede parteitypische Schlagworte wie tiefe Steuern oder Bürokratieabbau. Michel zitierte zudem seinen Parteikollegen Johann Schneider-Ammann, der die Schweiz eine «Crypto Nation» nannte. Dies wolle er in Bern proklamieren, so Michel.

Wie sieht es bezüglich Nationalrat aus?

Andreas Hotz auf der anderen Seite kam ohne projiezierte Bilder im Hintergrund aus. Hinter dem Rednerpult in der Ecke stehend, musste er seinen Worten umso mehr Nachdruck verleihen, um die nötige Präsenz im Saal zu erreichen.

«Ich bin kein Idealist oder Visionär. Ich setze mich für tragfähige Lösungen ein.»

Andreas Hotz

Der 59-Jährige betonte, dass er auch nach 40 Jahren in der Politik immer noch Lust auf ein politisches Amt habe. Lust auf Verantworung, Lust auf Gestaltung, Lust darauf, Koalitionen zu schmieden. «Ich verfüge über das nötige Rüstzeug, um mich in Bern einzubringen», zeigte sich der Baarer überzeugt. «Ich bin kein Idealist oder Visionär. Ich setze mich für tragfähige Lösungen ein», so Hotz.

Aus dem Plenum tauchte die Frage auf, ob sich die Kandidaten auch eine Nationalratskandidatur vorstellen könnten – die FDP-Nominationsversammlung dafür findet am 6. Mai statt. Beide verneinten. Hotz gar sehr vehement. «Ich will Koalitionen schaffen. Dafür ist der Ständerat besser geeignet», so seine Begründung.

Ja, ja und ja

Vor der Nominationsversammlung stand noch die Generalversammlung auf der Traktandenliste. Unter anderem mussten die Parolen für die kantonalen und eidgenössischen Abstimmungen vom 19. Mai gefasst werden.

Was die Teilrevision des Planungs- und Baugesetzes in Zug anbelangt, war das Formsache. Die Ja-Parole wurde einstimmig beschlossen. Das Kontra-Referat der Zuger SP-Präsidentin vermochte die Freisinnigen nicht umzustimmen.

Ebenfalls deutlich sprach sich der FDP-Anhang für ein Ja aus, was die Steuerreform und AHV-Finanzierung anbelangt. Weniger klar gestaltete sich die Haltung in Bezug auf die Änderung der EU-Waffenrichtlinie. Doch auch hier sagten die Anwesenden schlussendlich ja bei 57 Gegenstimmen.

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2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 01.04.2019, 14:54 Uhr

    Matthias Michel hat sich durch die Plakataffaire selbst disqualifiziert. Er hat offenbar nicht bemerkt, wie weit er sich von seinen einstigen liberalen Grundsätzen als Jungfreisinniger distanziert hat. Der Ständerat braucht keinen Zuger Crypto-Politiker (sic!). Herr Michel, bleiben Sie besser zuhause und gießen die Hortensien in Ihrem Gärtli!

  2. Michel Ebinger, 29.03.2019, 09:31 Uhr

    Ich kenne Matthias seit bald 40 Jahren und ich schätze an ihm, das er nie seine Überzeugungen über Bord geworfen hat. Ich bin nicht immer gleicher Meinung wie er, aber ich kann mir keine Person vorstellen, die Zug besser im Stöckli vertreten kann. Die FDP hat gut getan. Leider gibt es immer noch ein paar Betonköpfe, die kritisch mit links verwechseln, aber damit musste schon Andreas Iten leben. Ich bin überzeugt, das nur eine eher linksliberal orientierte FDP uns weiter bringt, eine FDP. die ein Bollwerk gegen die linke Bevormundungskultur darstellt und auch die neoliberale SVP in die Schranken weist, eine die mit ökonomischen Verstand auch zur den Benachteiligten schaut sei es die Natur, seien die sozial Schwächeren

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