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Städtchen am See: So wird das Ägerital vereint
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Blick über das Ägerital vom Weissen Kreuz. (Bild: ewy )

Gemeinden sollen um 10 Prozent wachsen Städtchen am See: So wird das Ägerital vereint

3 min Lesezeit 1 Kommentar 21.02.2019, 09:50 Uhr

Unter- und Oberägeri werden zukünftig deutlich näher zusammenrücken. So will es der neue Richtplan im Kanton Zug. Trotz einer engen Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen schliesst man in den beiden Gemeinden aber eine Fusion aus. Warum eigentlich? 

Der neue Richtplan des Kantons Zug (zentralplus berichtete) sieht ein «Städtchen am See» im Ägerital vor. Zehn Prozent des Bevölkerungs- und Beschäftigtenwachstums des Kantons soll im Zentrum der beiden Gemeinden stattfinden.

Beim «Städtchen am See» und der vom Kanton geforderten Zusammenarbeit der beiden Gemeinden stellt sich die Frage, ob denn noch zwei politisch eigenständige Orte nötig sind. Oder anders gesagt: Kommt es in absehbarer Zeit zu einem Zusammenschluss zwischen Ober- und Unterägeri? Immerhin bilden die beiden Gemeinden zusammen mit Sattel seit letztem Jahr auch eine gemeinsame Tourismusregion.

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Ägerer arbeiten zusammen

«Die Ägeritaler Gemeinden wollen übergreifende Themen, welche für beide Gemeinden gleichermassen von Bedeutung sind, zusammen eruieren, festlegen und vorantreiben», erklärt der Oberägerer Gemeindepräsident Pius Meier die Pläne. Dies diene als Basis, im Anschluss daran werde aber jede Gemeinde die Ortsplanrevision eigenständig angehen.

Dass jede Gemeinde die Ortsplanrevision alleine ausarbeitet, sorge neben den Freiheiten auch für die jeweilige Identität und einen eigenen Charakter, ergänzt Unterägerer Gemeindepräsident Josef Ribary.

Eine Fusion lohnt sich finanziell nicht

Das seien auch Gründe, welche die Ägerer von einer Fusion abhalten. Laut Ribary würde eine solche bei Gemeinden dieser Grösse alleine schon aus finanzieller Sicht keinen Sinn machen. Bei 10’000 bis 12’000 Einwohnern lohne sich dies in der Regel nicht.

Für Ribary geht die momentane Zusammenarbeit in die richtige Richtung. Man nutze Synergien wie beispielsweise beim neuen Ägeribad, aber auch bei den Fussballplätzen, der Bibliothek und der gemeinsamen Schwinghalle.

Das «Vorzeigeding»

«Zwei- bis dreimal pro Jahr sitzen wir mit Oberägeri zusammen», erzählt Ribary. Er halte die Zusammenarbeit der Ägerer Gemeinden für ein «Vorzeigeding».

Jede Gemeinde bestehe darauf, dass sie die Schönere sei und man könne sich gegenseitig auch noch necken. «Am Ende verkaufen wir gegen aussen aber immer das ganze Ägerital», so der Gemeindepräsident von Unterägeri.

Hauptproblem Wohnungspreise 

Ägeri sei in den letzten 30 bis 40 Jahren stetig gewachsen. Das grösste Platzproblem würden aber Einzelpersonen verursachen, die zu grosse Wohnungen belegen, meint der Unterägerer Gemeindepräsident.

Das liege unter anderem an den Wohnungspreisen. «Ich verstehe auch, dass man nicht aus der eigenen Viereinhalbzimmer-Wohnung auszieht, wenn eine Zweieinhalber genau so viel kostet», sagt Ribary.

Richtplan: Wachstum im urbanen Gebiet

Eingebettet ist das «Städtchen am See» in den kantonalen Richtplan, der kürzlich im Kantonsrat verabschiedet wurde. In diesem wird die Region als  Zwischenlandschaft bezeichnet. Daneben gibt es die Stadtlandschaft, welche die urbanen Teile von Risch-Rotkreuz, Hünenberg, Cham, Steinhausen, Zug und Baar umfasst. Dort soll 85 Prozent des Wachstums stattfinden.

So teilt sich der Kanton Zug neu in die vier Landschaftstypen ein.

So teilt sich der Kanton Zug neu in die vier Landschaftstypen ein.

(Bild: zvg)

Gemeinsam sollen in der Stadtlandschaft beispielsweise Fragen angegangen werden wie: Wo soll und kann verdichtet werden? Eine einzige Skyline am Zugersee wird es aber nicht geben, sagt Regierungsrat Florian Weber (FDP). «Es geht eher darum, Fragen der Freiraumplanung und Erholung gemeinsam anzugehen», erklärt er.

Neuheim, Menzingen und Walchwil gehören zur Kulturlandschaft. Zu dieser gehören auch weite Teile der restlichen Gemeinden. Stadt- und Zwischenlandschaft umfassen jeweils nur die dichtbesiedelten Zentren der jeweiligen Gemeinden. Das Wachstum soll in der Kulturlandschaft über alle Gemeinden hinweg nur etwa 5 Prozent betragen.

22’000 Personen mehr in 20 Jahren

Der vom Kantonsrat erlassene Richtplan geht davon aus, dass in zwanzig Jahren 148’500 Personen im Kanton Zug leben. Das wären ungefähr 22’000 mehr als heute und folglich etwa 18’700 in der Stadtlandschaft, 2’200 in der Zwischenlandschaft und 1’100 in der Kulturlandschaft.

«Das momentane Ballungszentrum Zug ist auch jenes, das weiter wachsen soll, dies zusammen mit dem Rest der Stadtlandschaft», so Weber. «Auch die Zwischenlandschaft soll entsprechend der 10 Prozent etwas wachsen, aber halt nicht stark», ergänzt er.

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1 Kommentare
  1. Räto Leber, 21.02.2019, 17:49 Uhr

    “Das grösste Platzproblem würden aber Einzelpersonen verursachen, die zu grosse Wohnungen belegen, meint der Unterägerer Gemeindepräsident.” Nein, lieber Herr Gemeindepräsident. Das grösste Problem sind die wenig nachhaltigen Wachstumsphantasien der Wirtschaft. Einer Wirtschaft, die nur den turnusmässigen Profit kennt, den Umweltschutz bloss als zusätzliches Marketinginstrument nutzt und die Politiker, die diesen Kurzfristwerten hinterher hecheln. Damit zerstören sie bei den angestellten Arbeitern und von den Profitmaximierungshebeln des Geschäftens ausgeschlossenen Einwohnern mehr als nur Heimat. Wenn nur die einen profitieren, schwindet bei den andern die Vertrautheit in ihrem Leben.