Stadttunnel 2.0 oder Promenade? In Zug  wird um die Innenstadt gerungen
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War teuer, wurde abgelehnt: Das Projekt eines Zuger Stadttunnels, hier das Nordportal. (Bild: zvg)

Jetzt kann Bevölkerung mitreden Stadttunnel 2.0 oder Promenade? In Zug wird um die Innenstadt gerungen

4 min Lesezeit 21.04.2021, 05:04 Uhr

In Zug werden die Weichen für die Verkehrsplanung der Zukunft gestellt. Im politischen Kampf um die Stossrichtung blickt man nun auf den Geist des gescheiterten Stadttunnels zurück. Manche wollen ihn wiederbeleben, andere endgültig beerdigen.

Die Stadt Zug hätte da noch ein paar Fragen an dich. Noch bis Ende April läuft die zweite Mitwirkung zur Ortsplanung. Die Bevölkerung kann sich mittels eines online aufgeschalteten Fragebogens zu einem breiten Spektrum an Fragen äussern. Neben Frei- und Naherholungsräumen und dem Ausbau des Fuss- und Velonetzes gehören auch mögliche «Massnahmen in der Innenstadt» zu den Kernthemen dieser Mitwirkung. Selbstredend geht es hier um den Verkehr im Zentrum.

Während der Stadtrat mittels Mitwirkung den Puls der Bevölkerung erfühlen will, arbeiten die politischen Kräfte der Stadt bereits unter Hochdruck daran, die Haltung des Stadtrats mittels Vorstössen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Dabei wird spannenderweise von verschiedener Seite auf ein altes Zuger Gespenst verwiesen: den Stadttunnel. Bereits in den 1980er-Jahren angedacht, wurde er 2015 an der Urne versenkt (zentralplus berichtete). Vergessen ging das gescheiterte Grossprojekt aber offensichtlich bis heute nicht.

SVP: Karten wurden neu gemischt

Es gibt diesen Standardsatz, den man nach Wahlen regelmässig von der jeweils unterlegenen Seite hört: «Den Volkswillen gilt es zu akzeptieren.» In Zug will die SVP aber genau dies nicht so stehen lassen. Im Rahmen der Orts- und Zonenplanrevision will die Partei dem Stadtrat den Auftrag erteilen, «Möglichkeiten für die Umsetzung eines Stadttunnels 2.0» zu prüfen. Dies auch weil die Partei tragfähige Alternativen vermisst (zentralplus berichtete).

Wieso aber sollte man auf den Zuger Volkswillen von 2015 nochmals zurückkommen? «Selbstredend wäre es nicht die genau gleiche Vorlage für einen solchen Tunnel wie damals», erklärt Motionär Gregor R. Bruhin (SVP) auf Anfrage. Für ihn ist klar, dass sich die Ausgangslage in den vergangenen sechs Jahren wesentlich verändert hat.

«Einerseits hat sich das Verkehrsproblem in den vergangenen Jahren weiter akzentuiert. Andererseits sind die damals versprochenen ‹einfacheren Konzepte› bis heute nicht vorgelegt worden.»

Gregor R. Bruhin, Grosser Gemeinderat (SVP)

Bruhin nennt mehrere Beispiele dafür: «Einerseits hat sich das Verkehrsproblem in den vergangenen Jahren weiter akzentuiert. Andererseits sind die von der Gegnerschaft des Stadttunnels damals versprochenen ‹einfacheren Konzepte› bis heute nicht vorgelegt worden.»

Auch das damals oft geäusserte Argument der zu hohen Kosten ist für den SVP-Politiker nicht mehr zulässig. «Die Stadt hat in den vergangenen Jahren jeweils sehr gute Abschlüsse präsentiert. Und der Kanton wies zuletzt sogar ein absolutes Rekordergebnis aus.» Tatsächlich präsentierte der Kanton zuletzt einen Ertragsüberschuss von 285,5 Millionen Franken (zentralplus berichtete). «Für uns ist aus diesen Gründen klar, dass die Zeit reif ist, um die Kernidee des Stadttunnels in neuem Licht seriös zu prüfen», so Bruhin.

ALG: Stadtrat soll Position beziehen

Der bevorstehenden Orts- und Zonenplanungsrevision misst Bruhin grosses Gewicht bei. «Die Zeiten, in denen nach Lust und Laune ein- und umgezont werden konnte, sind definitiv vorbei. Es gilt also den bestehenden Raum gerecht zu verteilen», sagt Bruhin. Diesbezüglich wolle man den Stadtrat beim Wort nehmen, der in der Vergangenheit wiederholte, dass er «wo räumlich möglich, auf die Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer» setzt. «Diesbezüglich bin ich sehr skeptisch», sagt Bruhin. «Mit einem Stadttunnel könnte man eine solche Lösung tatsächlich bewerkstelligen, ansonsten klingt das für mich sehr nach der Quadratur des Kreises.» Eine Stellungnahme des Stadtrates zur Motion steht noch aus.

Ebenfalls noch ausstehend ist die Beantwortung der ALG-Interpellation «Promenade Zug – Verkehrslösung statt Tunnel». Das kleine Wortspiel im Titel des Vorstosses ist für Zuger natürlich unübersehbar. Inhaltlich fordert die Interpellation den Stadtrat auf, Stellung zur Vision «Promenade Zug» des VCS zu beziehen. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung des VCS-Verkehrskonzepts «Durchgang Zug», das bereits 2017 präsentiert wurde. Im Kern sieht dieses mittels Verkehrsumleitungen die Möglichkeit einer autofreien Vorstadt vor (zentralplus berichtete).

Unter anderem will die ALG wissen, inwiefern das Konzept Promenade Zug in die momentane Strategiephase der Ortsplanungsrevision einfliesst. Dass die Idee einer solchen Promenade in der Ortsplanung berücksichtigt werden soll, untermauert die ALG mit dem Verweis auf die erste öffentliche Mitwirkung. Die Auswertung der Mitwirkung zeigte, dass der Fuss- und Veloverkehr im künftigen Mobilitätsverhalten der Zuger Bevölkerung eine tragende Rolle spielen soll (zentralplus berichtete).

Nach heutigem Fahrplan soll die Bevölkerung im September 2025 an der Urne über die Ortsplanungsrevision abstimmen können. Bis dahin dürfte sich das Tauziehen um die Ausrichtung der Verkehrsplanung nur noch intensivieren – und die Erinnerung an das Projekt Stadttunnel weiterhin kaum verblassen.

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