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Stadtrats–Band geht aufs Ganze
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So könnte es in gut einem Jahr aussehen auf der Bühne des ESC. Man beachte die Zuger Flagge, die Dolfi Müller um den Hals trägt.

Zuger Stadtrat bewirbt sich für Song Contest Stadtrats–Band geht aufs Ganze

4 min Lesezeit 2 Kommentare 01.04.2016, 09:40 Uhr

Der Zuger Stadtrat will am Eurovision Song Contest 2017 mitmachen. Was als Jux begann, könnte nun zu europaweitem Ruhm führen. Das Outfit für die Vorentscheidung steht bereits fest, das Selbstvertrauen ist gross. Die Chancen, in Conchitas Fussstapfen zu treten, sind also intakt. Und der Stadtrat hat eine Geheimwaffe.

Eigentlich sollte die Zuger Stadtrats-Band nur eine temporäre Gruppierung werden. Nun ist aus Spass Ernst geworden. Die Zuger Stadtregierung hat beschlossen, am Eurovision Song Contest (ESC) aufzutreten. Noch ist etwas Zeit. Weil der Stadtrat die Anmeldefrist für den ESC 2016 verschwitzt hat, bleibt der Band noch ein gutes Jahr, um Dolfi Müllers Banjo-Klänge und Vroni Straub-Müllers Querflötensolos zu perfektionieren.

«Im Stadtrat herrscht im politischen Alltag keine Kakofonie. Wir sind uns zwar nicht immer einig, arbeiten aber sehr gut zusammen. Dies bringen wir als Stadtrats-Band auch emotional zum Ausdruck», erklärte Stadtpräsident Dolfi Müller bereits im Dezember.

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Dass die Ambitionen jedoch derart hoch sind, hätte damals wohl noch kaum jemand gedacht. Stadtschreiber und 1. Hornist Martin Würmli erklärt: «Es ging alles ziemlich schnell. Nach unserem Debüt am Weihnachtsapéro der Stadtverwaltung konnten wir uns vor Auftrittsanfragen kaum mehr retten. Das positive Feedback der Verwaltung verschaffte uns Mut und ein Input aus der Bevölkerung brachte uns letztendlich auf die Idee, es am ESC zu probieren.»

 

An Selbstvertrauen fehlt es dem Zuger Stadtrat jedenfalls nicht. Würmli sagt: «Wir waren uns recht schnell einig, dass wir der Schweiz zum lang ersehnten Eurovision-Sieg verhelfen können.»

Vorteil durch enge Zusammenarbeit?

Bei allem Respekt. Der Stadtrat wirkt auf der Bühne etwas angegraut, leicht bieder und, vergleicht man ihn mit dem Durchschnitts-ESC-Teilnehmer, auch eher handgestrickt. Ende dieses Jahres beginnt auf SRF die Vorausscheidung dafür, wen die Schweiz 2017 an den Wettbewerb schickt. Dabei entscheidet das Publikum per Internet-Voting. Warum sollte man da die Stadtrats-Band unterstützen?

«Da wir als gewählte Exekutive auftreten, haben wir im Gegensatz zu anderen Bands demokratischen Rückhalt.»

Martin Würmli, Zuger Stadtschreiber

Die Antwort von Würmli kommt wie aus der Pistole geschossen: «Weil wir mit Leib und Seele spielen. Die Passion, mit der wir auf der Bühne stehen, ist einmalig.» Dies insbesondere deshalb, weil man nicht nur eine Band, sondern gleichzeitig auch Arbeitskollegen sei. «Unser Auftritt hat etwas Magistrales. Plus, da wir als gewählte Exekutive auftreten, haben wir im Gegensatz zu anderen Bands demokratischen Rückhalt.»

Die Stadtrats-Band bei einer ihrer Proben.

Die Stadtrats-Band bei einer ihrer Proben.

(Bild: zvg)

Apropos demokratisch gewählt. Die Vorbereitungen auf diesen Event, von Proben über Songschreiben bis hin zum Kostümschneidern dürften zeitaufwändig werden. Wie will der Stadtrat verhindern, dass die Qualität seiner Arbeit nicht leidet während der kommenden circa eineinhalb Jahre?

«Wer zusammen musiziert, der politisiert auch besser zusammen.»

Martin Würmli, Zuger Stadtschreiber

Auch mit diesem Thema habe man sich intensiv befasst, so Würmli. «Was Guildo Horn kann, können wir auch. Drei Proben vor dem ESC werden genügen müssen. Das war übrigens auch bei unserem ersten Auftritt so. Als Stadtrat muss man sowieso immer alles unter einen Hut bringen. Und wer zusammen musiziert, der politisiert auch besser zusammen.»

Auf Conchitas Spuren

Letzten Winter hat der Zuger Stadtrat eine Band gegründet. Die instrumentale Besetzung: Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) am Banjo, Karl Kobelt (FDP) am Klavier, Vroni Straub-Müller (CSP) an der Querflöte und Urs Raschle (CVP) am Waldhorn. Die Band wird zudem von Stadtschreiber Martin Würmli am Horn begleitet. Stadtrat André Wicki (SVP) soll – nach dem Besuch der entsprechenden Intensiv-Stimmbildungskursen – als Leadsänger fungieren.

Country-Gesangsunterricht für André Wicki

Auffallend: Nicht alle Stadträte scheinen ein Instrument zu spielen. Dies liege laut Insidern daran, dass André Wicki das «musikalische Flair für einen Auftritt dieser Grösse noch nicht besitzt.» Ein Informant, der anonym bleiben will, erklärt zentralplus jedoch, dass bereits Massnahmen gegen Wickis Unmusikalität ergriffen worden seien. «Wie ich aus sicherer Quelle vernommen habe, besucht Wicki diesen Sommer während mehreren Wochen ein amerikanisches Musik-Camp und widmet sich dort insbesondere der Country-Musik. Später soll Wicki als Leadsänger der Band fungieren.»

Einen Namen für die Band habe man noch nicht. Die Stadtzuger Exekutive ist sich jedoch bewusst, dass mit dem Namen «Zuger Stadtrats-Band» kaum Preise gewonnen werden. Man habe deshalb die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Gemeinderates damit beauftragt, geeignete Namen zusammenzutragen. An der kommenden Gemeinderatssitzung wird darüber abgestimmt.

«Je steifer der Kragen, desto lebendiger der Auftritt.»

Martin Würmli, Zuger Stadtschreiber

Das Outfit für die erste Ausscheidungsrunde stehe, so Würmli, bereits fest. «Wir tragen den traditionellen Ratsherrenlook. Das gilt auch für unsere Dame. Je steifer der Kragen, desto lebendiger der Auftritt», so seine Devise. Genäht werden die Gewänder von Karl Kobelt, da dieser zuhause über die nötigen technischen Möglichkeiten und zudem als Einziger über das nötige Fingerspitzengefühl verfüge.

Das Notfallszenario steht bereits

Und was, wenn der Zuger Stadtrat den ESC tatsächlich gewinnt? «Davon wagen wir zwar noch fast nicht zu träumen», erklärt Stadtpräsident Dolfi Müller. Dennoch sei man bereits an einem entsprechenden Notfallszenario dran. Denn, gewinnt die Zuger Stadtrats-Band den ESC, wird sie daraufhin zweifellos während einiger Monate durch Europa touren müssen.

«Im Notfall müssten während dieser Zeit die Gemeindepräsidenten der umliegenden Ortschaften für uns Stadträte einspringen.» Das liesse sich jedoch gut einrichten, so Müller. «Die Gemeindepräsidentenkonferenz ist eine starke Macht, die werden das schon managen.» Die entsprechenden Schreiben werden nächste Woche an die betroffenen Gemeinden versandt.

Am Freitagabend um 17 Uhr findet im Zuger Musikschulhaus eine öffentliche Probe der Stadtrats-Band statt. Wer sich ein Bild über deren Können machen will, sei herzlich dazu eingeladen. Zudem dürfen Musikfreunde auf Einladung des Stadtrates ihre eigenen Instrumente mitbringen, um an der anschliessenden Jamsession teilzunehmen.

 

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2 Kommentare
  1. Anna Lustenberger, 01.04.2016, 22:50 Uhr

    schade, ist es ein April-Scherz, die Aussage, dass sich das gemeinsame Musizieren auf die politisch Arbeit auswirkt, ist bestimmt richtig

  2. Edith Seger Niederhauser, 01.04.2016, 18:25 Uhr

    Habe mich beim Lesen köstlich amüsiert! Danke für die Unterhaltung.