Stadtrat Luzern lehnt Gratis-ÖV für Kinder ab
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Innerhalb der Zone 10 gratis Bus fahren: Das ist ein Vorschlag des Luzerner Kinderparlaments. (Bild: Wikimedia/Zurflchr)

Antrag aus dem Kinderparlament Stadtrat Luzern lehnt Gratis-ÖV für Kinder ab

3 min Lesezeit 6 Kommentare 18.03.2021, 11:01 Uhr

Das Kinderparlament der Stadt Luzern findet, dass die ÖV-Preise für Kinder zu hoch sind. Das fördere das Herumchauffieren durch Elterntaxis. Sie wollen in Luzern deshalb gratis oder stark vergünstigt den Bus nutzen dürfen. Der Stadtrat winkt ab – und schiebt hohe Kosten und falsche Anreize vor.

Ein aktueller Antrag des städtischen Kinderparlaments ist direkt aus dem Alltag der Kinder gegriffen: Er betrifft das Busfahren. Aktuell dürfen Kinder bis zum Alter von sechs Jahren gratis die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt Luzern benutzen. Danach bestehen noch starke Vergünstigungen, wenn ein Elternteil oder die Grosseltern mit einer entsprechenden Vergünstigungskarte mitfahren.

Tatsache sei aber, dass nicht wenige Kinder bereits ab acht Jahren selbständig unterwegs seien – beispielsweise, um zum Fussballtraining zu gehen. Für sie wird es schnell teuer: Ein Jahresabo der Zone 10 kostet für Kinder ab dem zweiten Schuljahr 610 Franken.

Die Konsequenz sei klar: Mehr und mehr werde das «Elterntaxi» genutzt. Sprich, ein Elternteil chauffiert die Kinder mit dem Auto von A nach B. Die Kinderparlamentarier stellen zuhanden des Stadtrates deshalb den Antrag, die Nutzung des öffentlichen Verkehrs für Kinder und Jugendliche gratis oder stark vergünstigt anzubieten (zentralplus berichtete).

Stadtrat befürchtet falsche Anreize

«Das Anliegen des Kinderparlaments ist im Kern natürlich ein sympathisches», sagt Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) auf Anfrage. «Wir haben es im Stadtrat denn auch intensiv diskutiert.» Letztlich sei er jedoch überzeugt, dass ein komplett kostenloser ÖV nicht der richtige Weg sein könne. «Die Nutzung des ÖVs ist zwar umwelt- und ressourcenschonender, sie stellt aber letztlich immer noch eine gewisse Belastung dar.»

In seiner Stellungnahme schreibt der Stadtrat deshalb: «Mobilität ist ein gewichtiger Faktor der Klimabelastung. Darum soll auch der öffentliche Verkehr bewusst genutzt werden. Eine Gratisnutzung würde zu einer gehäuften Nutzung führen. Aus ökologischer Sicht sollen kurze Wege jedoch möglichst zu Fuss oder fallweise mit dem Velo zurückgelegt werden.»

«Tatsache ist, dass die Eltern für die Abos aufkommen. Hier müssen entsprechend Anreize geschaffen werden.»

Adrian Borgula, Umwelt- und Mobilitätsdirektor

Die ÖV-Preise seien in diesem Sinne denn auch als «Lenkungsmassnahme» zu verstehen, erläutert Stadtrat Borgula auf Anfrage. «Tatsache ist, dass die Eltern ja für die entsprechenden Abos aufkommen. Hier müssen entsprechend Anreize geschaffen werden, um den Umstieg auf das Velo oder den Gang zu Fuss zumindest ernsthaft abzuwägen.»

Die städtische Mobilitätspolitik sei stark darauf ausgerichtet, möglichst gute, durchgehende und sichere Fuss- und Veloverbindungen sicherzustellen und den ÖV weiterzuentwickeln, sagt Borgula. «Damit eben für alle und besonders auch für Junge ein guter Anreiz besteht, diese umwelt- und flächeneffizienten Systeme auch zu benutzen.»

Kosten von 3,75 Millionen Franken

Die zweite Argumentationskette hat eher einen erzieherischen Hintergrund: «Kinder und Jugendliche sollen an einen bewussten Umgang mit der Mobilität herangeführt werden und verstehen, dass Mobilität nicht gratis zu haben ist», schreibt der Stadtrat dazu in der Stellungnahme.

Der Stadtrat habe – zur Veranschaulichung – beim Tarifverbund eine Offerte eingeholt für die zwei Varianten kostenloser beziehungsweise stark vergünstigter Tarif für Kinder und Jugendliche in der Zone 10. Der Tarifverbund habe der Stadt Luzern in der Folge ein Angebot unterbreitet, das vorsieht, Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren einen Gutschein abzugeben.

Basierend auf der Bevölkerungsstatistik des Jahres 2019 ging der Tarifverbund von einer Gesamtzahl von 6’100 Kindern und Jugendlichen in der Stadt Luzern aus. Könnten sie gratis reisen, würde das mit 3,75 Millionen Franken zu Buche schlagen.

Zu teuer, findet der Stadtrat und lehnt den Antrag deshalb ab. Nun wird der Grosse Stadtrat über den Antrag befinden müssen.

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6 Kommentare
  1. L. Kaufmann, 19.03.2021, 12:58 Uhr

    Vernünftiger und konsequenter Entscheid. Ich habe das Gefühl viele Wissen gar nicht, wie viel Energie pro Person im ÖV pro Kilometer benötigt wird. Nach den neusten Zahlen benötigt die VBL 17kw/h Strom oder 4.2l Diesel auf 100km pro Person. Dies ist nicht um Welten effizienter als der MIV. Daher sollte man auch beim ÖV diesbezüglich sensibilisiert sein, ansonsten schlägt der Rebound-Effekt zu. Auch bei der Ausgestaltung des ÖV-Angebots besteht, das Henne-Ei Problem. Denn die Aussage «der Bus fährt ja sowieso» ist zu einfach, da für die Ausgestaltung des Angebots / Fahrzeugdisposition die Auslastungszahlen genutzt werden. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

  2. Jung Spund, 18.03.2021, 23:27 Uhr

    Wenn jemand vom Gratis-ÖV profitieren sollte, dann wären das einzig und alleine die Rentner! Die haben ihren Einsatz zum Wohle der Gesellschaft geleistet und uns unser heutiger Wohlstand ermöglicht. Es wäre an der Zeit, sich endlich erkennbar zu zeigen. Es reicht schon, wenn sie ihre Rente ein zweites Mal versteuern müssen. Junge Beine sind zum marschieren gemacht…..

    1. Wirklich Jung, 18.03.2021, 23:49 Uhr

      Schön, sind Sie jung geblieben. Namen wie Jung Spund oder Sätze wie Junge Beine sind zum marschieren gemacht klingen jedoch verdächtig nach den 50er und 60er Jahren. Gerade Rentner geworden?

    2. Jung Spund, 19.03.2021, 08:24 Uhr

      @Wirklich Jung – Ihre Annahme ist leider…….. Falsch! Ich bin weder Rentner, noch kann ich mir den ÖV nicht leisten. Aber Bis ich meinen Ruhestand geniessen darf, fehlen bei mir, so Gott will, noch über 20 Jahre. ABER, ich werde meine Dankbarkeit gegenüber unseren Vorfahren bis an mein Lebensende mit grösster Demut in mir tragen. Dass es uns grösstenteils sehr gut geht und dass wir relativ sorgenfrei leben dürfen, das verdanken wir unseren heutigen Rentner. Ich bin mir übrigens nicht ganz sicher, ob unsere Generation der nachkommenden eine genauso gut funktionierende Welt hinterlassen wird!

  3. Tim Schmid, 18.03.2021, 13:32 Uhr

    Ich bin ebenfalls grün und links eingestellt, jedoch verstehe ich dann solche Aussagen nicht: „Eine Gratisnutzung würde zu einer gehäuften Nutzung führen. Aus ökologischer Sicht sollen kurze Wege jedoch möglichst zu Fuss oder fallweise mit dem Velo zurückgelegt werden.“
    Das ist ja eben der sinn an der Sache… es sollen weniger Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden, mehr mit dem effizienteren ÖV. Klar noch idealer mit dem Velo oder zu Fuss – aber da finde ich es wesentlich sicherer wenn ein Kind mit acht Jahren den Bus verwendet als mit dem Velo durch die Stadt fährt! Und ob jetzt Kinder bis z.B. 12 Jahren den ÖV gratis nutzen können macht – auf gut Deutsch gesagt – de Brate au ned feiss…

  4. Andreas, 18.03.2021, 12:45 Uhr

    “Die städtische Mobilitätspolitik sei stark darauf ausgerichtet, möglichst gute, durchgehende und sichere Fuss- und Veloverbindungen sicherzustellen”
    Leider spürt man (noch) nicht viel davon…
    Anderseits wird richtig geschrieben, dass auch das ÖV eine Umweltbelastung darstellt. Nur ist es jetzt günstiger wenn ich als GA Besitzer meine Kinder begleite. Dann sitzen aber zwei im Bus…

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