Stadtrat erteilt der Metro eine Abfuhr: «Unrealistisch, unpassend, unnötig»
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Direkt am Schwanenplatz wäre der Ausgang der Metro, so die Idee. (Bild: Visualisierung/zvg)

ÖV-Vision für Luzern viel zu teuer Stadtrat erteilt der Metro eine Abfuhr: «Unrealistisch, unpassend, unnötig»

4 min Lesezeit 4 Kommentare 01.07.2019, 11:01 Uhr

Der Luzerner Stadtrat lehnt die Metro-Initiative klar ab. Er sieht zu viele Risiken und einen zu kleinen Nutzen für das ÖV-Projekt. Das hat auch mit dem Durchgangsbahnhof zu tun. Im Herbst entscheidet das Parlament.

Die Metro-Idee geistert schon seit über sechs Jahren in Luzern herum, war schon oft totgesagt, erfreut sich aber ungebrochener Popularität. Letztes Jahr nun das politische Comeback: Im Juni 2018 wurde die Initiative «Metro-Luzern verdient eine Chance» eingereicht (zentralplus berichtete).

Die Initianten sind überzeugt, dass sich mit der unterirdischen Verbindung zwischen Ibach, wo ein Parkhaus gebaut würde, und dem Schwanenplatz die Car-Probleme in Luzern lösen liessen. Einen Zwischenhalt gäbe es beim Kantonsspital.

Bei der Initiative geht es noch nicht um den Bau der Metro, sondern sie fordert, dass eine Kosten-Nutzen-Nachhaltigkeitsanalyse erstellt wird, damit man das Projekt den anderen gegenüberstellen kann: dem Parkhaus Musegg und dem Seeparking.

Mehr als 400 Millionen Franken?

Nun hat der Stadtrat am Montag seine Haltung zur Metro-Initiative geäussert – und er lehnt sie ab. Diese auf den ersten Blick reizvolle Idee sei insgesamt «unrealistisch, unpassend, unverhältnismässig und unnötig», so das deutliche Verdikt des Stadtrates. Grund: Die geschätzten Kosten von 400 Millionen Franken und die Risiken seien angesichts des geringen Nutzens zu hoch.

«Wir sind gefordert, jetzt Haltung zu zeigen.»

Adrian Borgula, Stadtrat

Zudem rechnet der Stadtrat mit deutlich höheren effektiven Bau- und vor allem Betriebskosten – die 400 Millionen Franken beruhen auf Schätzungen. Ein weitverzweigtes Netz mit bis zu fünf Metro-Linien, wie es den Initianten vorschwebt, würde nach Ansicht von Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) sogar mehrere Milliarden Franken kosten. «Die Metro hat den Reiz einer Vision, aber man muss sehr gut überlegen, was sie beinhaltet.»

Die Ziele der Metro verfolge zwar auch der Stadtrat: Aufwertung der Innenstadt, Car-Problem lösen, Kantonsspital besser erschliessen, Nahverkehr verbessern. Der Ansatz sei jedoch der Falsche. Sowohl eine einfache Linie zwischen Ibach und Schwanenplatz sowie ein allfälliges Metro-Netz seien nicht finanzierbar. Darum will die Stadt keine weiteren personellen und finanziellen Ressourcen in die Ausarbeitung stecken.

Schon 2014 taxierte ein Bericht aus einer externen Evaluation im Auftrag des Stadtrates die Metro-Idee als «unverhältnismässig» und «nicht zukunftsträchtig». Daran hat sich also fünf Jahre später nichts geändert.

Weiter ergebnisoffen

Der Stadtrat hält an seinem Vorgehen fest, dass er zuerst eine ergebnisoffene und mehrheitsfähige Strategie für den Tourismus und das künftige Carregime erarbeiten will. Diesen Schritt zurück hat die Stadtregierung gemacht, nachdem das Parlament die Pläne eines Car-Hubs auf der Allmend abgelehnt hatte (zentralplus berichtete). Erst in einem weiteren Schritt will sich die Stadt für oder gegen weitere Projekte entscheiden.

Diese Ergebnisoffenheit ist der Grund, wieso der Stadtrat keine Vorentscheide für oder gegen ein Projekt fällen will. Die Metro-Initiative jedoch zwinge nun zu einem Vorentscheid: «Wir sind gefordert, jetzt Haltung zu zeigen», so Borgula. Die Initianten des Musegg-Parkings hatten aufgrund der Auslegeordnung der Stadt ihre Initiative zurückgezogen – die Metro-Initianten hingegen halten bisher an ihrem Vorhaben fest (zentralplus berichtete).

Stadt hält an S-Bahn und Bus fest

Als weiterer Nachteil für die Metro kommt hinzu: Für den ÖV sei es zielführender, wenn die bewährte Kombination aus S-Bahn und Busnetz weiter ausgebaut wird. Dies vor allem im Hinblick auf den Durchgangsbahnhof, der mit grosser Wahrscheinlichkeit in den nächsten 20 Jahren realisiert wird und laut Stadtrat einen «Quantensprung für das Luzerner ÖV-System» darstellen werde.

Das Metro-Projekt

Die privat lancierte Metro-Idee sieht ein Parkhaus für 170 Reisecars und bis zu 2'500 Autos im Gebiet Reussegg/Ibach vor, das durch eine unterirdische Metro mit dem Touristen-Hotspot Schwanenplatz verbunden würde. Einen Halt könnte es auch beim Kantonsspital geben. Das Metronetz könnte nach Ansicht der Initianten auf bis zu fünf Linien erweitert werden. Unter den Unterstützern sind auch Politiker von GLP, CVP, BDP und SVP.

Der Durchgangsbahnhof habe jetzt wirklich Fuss gefasst, sagt Adrian Borgula. «Wir wissen noch nicht genau wann, aber er kommt.» Zudem seien die Entwicklungsgebiete im Norden, Süden und Osten Luzerns bereits heute gut erschlossen. «Sie liegen auf der Achse des heutigen ÖV-Systems», so Borgula.

Die Metro hingegen wäre ein «isoliertes Parallelsystem» ohne Anbindung. Sie entspreche weder den Verkehrs- und Mobilitätsstrategien von Stadt und Kanton Luzern, noch sei sie im Agglomerationsprogramm enthalten.

Luzern zu klein für Metro

Metro-Systeme seien erst für Städte ab 300’000 Einwohnern sinnvoll – Luzern kommt mit Agglomeration nur auf knapp 200’000. Für eine reine Linie zwischen Ibach und der Innenstadt wäre das Potential zu klein, für eine Erweiterung nach Emmenbrücke fehle die Notwendigkeit, weil es schon gute S-Bahn-Verbindungen gebe.

Als Nächstes wird sich am 19. September das Stadtparlament mit der Initiative befassen. Die Volksabstimmung ist für den 9. Februar 2020 vorgesehen. Parallel treibt die Stadt ihre Tourismus- und Car-Strategie voran. Im Herbst wird das Parlament über das weitere Vorgehen befinden, Ergebnisse sind bis 2020/2021 zu erwarten.

Hinweis: Über die Haltung der Metro-Initianten berichten wir später.

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4 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 01.07.2019, 17:10 Uhr

    Wieder ein unnötiges grössenwahnsinniges Luzerner Projekt, dass schlussendlich von Zuger Steuergelder finanziert würde

  2. Joseph de Mol, 01.07.2019, 15:52 Uhr

    U-Bahnen (Metro heisst diese seulement à Paris) in Grossstädten sind eine lohnenswerte Investition. Allerdings wurde auch die U-Bahnen in Megacities wie London, St. Petersburg oder New York bereits zur Jahrhundertwende (zum 20. Jh) gebaut. Heute könnte man das gar nicht mehr bezahlen. Auch die Besucherfrequenzen müssten entsprechend hoch sein, damit die U-Bahn finanztechnisch einigermassen rentabel betrieben werden kann. In einer Stadt von der Grösse Luzerns besteht die sog. „Vision“ in erster Linie darin, sich etwas verkehrstechnisch komplett sinnloses durch die öffentliche Hand finanzieren zu lassen!

  3. Jöre müller, 01.07.2019, 14:33 Uhr

    Hm, immer mer buse und mer Busspuren, Spange nord mitten durchs wohnquartier, eine Metro rechnet sich erst in ein paar Jahren, aber von Emmenbrücke Seetalplatz, Kasernenplatz, Bahnhof ,weiter Endstation Würzenbach eine Metro soll alle 1,5 km halten, die 2 Von Kriens Paulusplatz nach Bahnhof, und Mail, Luzern ist Flach eignet sich gut. in Win hat man auch erst vor ein paar Jahren Angefangen heute will sie niemand mer hergeben, warum wurde das Tram Bachab Geschickt holt das Tram wieder, in Zürich wurde die U-Bahn auch bachab Geschickt dafür heute das Casos mit der S Bahn, Das tram muss wieder kommen. Snupi.

  4. Joseph de Mol, 01.07.2019, 13:02 Uhr

    Auweia! Da werden die Wirtschaftsverbände und Bauunternehmer wieder bittere, wirklich ganz ganz bittere Tränen weinen müssen! Wir schon bei der glorreichen Parkhaus-Musegg-Idee sperrt sich der Stadtrat völlig gerechtfertigt gegen ein weiteres, total sinnentleertes Mega-Projekt. Nun, kommt jetzt wieder dieselbe Zwängerei wie beim Parkhaus Musegg? Bravo Stadtrat! Diesmal gibt’s keine Rute, nur Nüsse, Birnen und eine Verneigung vor so viel Vernunft!

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