Stadtrat bleibt hart: «Familie Eichwäldli» muss bis Ende Januar ausziehen
  • Regionales Leben
Mit der Zwischennutzung ist es bald vorbei: Die Bewohner müssen die Soldatenstube bis Ende Januar verlassen.

Luzerner Soldatenstube Stadtrat bleibt hart: «Familie Eichwäldli» muss bis Ende Januar ausziehen

3 min Lesezeit 4 Kommentare 10.12.2020, 10:21 Uhr

Die Bewohner des Eichwäldli hätten sich nicht an Abmachungen gehalten und eine Sanierung der Soldatenstube sei nicht verhältnismässig. So die Argumente des Luzerner Stadtrats. Eine Fristverlängerung kommt für ihn deshalb nicht infrage.

Die Eichwäldli-Bewohner müssen Ende Januar das Gelände verlassen. Sie hatten gehofft, dass ihnen mehr Zeit gewährt wird (zentralplus berichtete). Doch der Luzerner Stadtrat will davon nichts wissen. Er bleibt dabei: Ende Januar 2021 ist Schluss. Das schreibt er in einer Mitteilung.

Verschiedene Gruppierungen hatten versucht, den Stadtrat in einem offenen Brief davon zu überzeugen, auf den Abriss der Soldatenstube zu verzichten. Gleichzeitig wollten sie in einem Austausch gemeinsam mit der Stadt eine Lösung finden, wie das Areal weiter genutzt werden kann.

Stadtrat ist offen für Gespräche

Für solche Gespräche zeigt sich der Stadtrat offen. Das Areal sei eine Landereserve für künftige Bedürfnisse, schreibt er in der Mitteilung. Mittelfristig soll es für KMU, Kleingewerbe und Kultur zur Verfügung stehen. Bis es so weit ist, soll das Gelände der Quartierbevölkerung zur Verfügung stehen. Ideen dazu gibt es bereits (zentralplus berichtete).

Gleichzeitig will sich der Stadtrat mit dem Quartierverein Obergrund und dem Verein Brache Eichwäldli an einen Tisch setzen. Eine Nachnutzung des Areals müsse zusammen mit ihnen entwickelt werden, findet er. «Geplant ist, im Januar 2021 einen runden Tisch mit allen Beteiligten durchzuführen um wie gefordert den partizipativen Prozess zu intensivieren.»

Es bleibt beim Abrissvorhaben

Doch von seinen Abrissplänen will der Stadtrat nicht abweichen. «Der Stadtrat ist gegenüber alternativen Lebensformen offen und respektiert sie. Auf die Forderung, die Soldatenstube mindestens befristet stehen zu lassen, kann der Stadtrat aber nicht eingehen.» Dies etwa aus Sicherheitsgründen. Bereits 2019 hatte ein Anbau geräumt werden müssen, weil der Aufenthalt darin zu gefährlich war.

Auch der Rest des Gebäudes ist in einem desolaten Zustand: «Die Fundation des Gebäudes ist für diesen schwierigen Baugrund ungenügend. Zudem wirken das Grundwasser und Wurzeln auf das Gebäude ein. Dies führt dazu, dass sich das Haus bewegt und dreht, was die Tragfähigkeit des Fundamentes weiter beeinträchtigt. Auch energetisch, technisch und im Bereich Brandschutz ist das Gebäude in einem schlechten Zustand», so die vernichtende Beurteilung. Die Bewohner hatten erst kürzlich einen Bericht vorgelegt, der zu einem anderen Urteil kam (zentralplus berichtete).

«Die Stadt kann es sich aus privatrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Sicht nicht leisten, das Gebäude weiterhin der ‹Familie Eichwäldli› zu überlassen.»

Luzerner Stadtrat

Aus Sicht des Stadtrats mache eine Gesamtsanierung wirtschaftlich und denkmalpflegerisch nach wie vor keinen Sinn. Denn: «Die Soldatenstube ist im Bauinventar des Kantons Luzern zwar als erhaltenswert eingetragen. Da sie aber mehrfach umgebaut wurde, hat die kantonale Denkmalpflege festgestellt, dass der historische Wert der heutigen Substanz klein ist.»

Somit ist auch ein befristeter Erhalt für den Stadtrat keine Option. «Selbst für die dafür nötigen Sofortmassnahmen dürften sich die Kosten alleine im Bereich Statik auf 200’000 bis 300’000 Franken belaufen», schreibt er. Ausserdem sei die «Familie Eichwäldli» noch immer nicht zu Gesprächen bereit und wolle auch den einsturzgefährdeten Anbau bewohnen dürfen (zentralplus berichtete). Da die Stadt als Eigentümerin haftet, wenn jemand zu Schaden kommt, hat sie den Gebrauchsleihvertrag im September nicht mehr verlängert. Mit anderen Worten: «Sie kann es sich aus privatrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Sicht nicht leisten, das Gebäude weiterhin der ‹Familie Eichwäldli› zu überlassen.»

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4 Kommentare
  1. Geheim Tipp, 10.12.2020, 11:42 Uhr

    Es gäbe da noch ein Grundstück, wo sich die Fundis die nächsten 15 – 20 Jahre problemlos niederlassen könnten…… Ist in Kriens, war früher eine Gärtnerei und darf in der nächsten Zeit nicht bewirtschaftet werden!

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  2. Hr. Meier, 10.12.2020, 11:08 Uhr

    Selten so unnachgiebige und bornierte Trotzköpfe gesehen wie diese autonomen Querschläger. Warum kanalisieren sie jetzt ihre Energie nicht in die zukunftsgerichtete Suche nach einer geeigneten Anschlusslösung? Wäre doch produktiver und sinnvoller als zweckloser, tauber Widerstand. Das ist so eine selbstzerstörerische innerseelische Haltung; ist dieser unreife und widersinnige Widerstand nicht ein nach aussen getragenes Symptom? Eines inneren Widerstandes, einer inneren Zerrissenheit und Unversöhnlichkeit mit sich selbst der Welt, der so ausagiert und gelöst werden soll? Meine Sympathien für diese Gruppierung ist jedenfalls dahin.

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  3. Eich Wäldler, 10.12.2020, 11:03 Uhr

    Und sie werden trotzdem bleiben! Wetten?

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  4. Joseph de Mol, 10.12.2020, 10:45 Uhr

    Es geht meiner Meinung nach nicht um die Kriterien hart oder weich. Es gilt die lückenlose Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze und Prinzipien. Der Eigentümer bestimmt halt, wo’s langgeht. Will man diesen Grundsatz ändern, muss man auf demokratischem Weg politische Mehrheiten generieren können. Was hier aussichtslos ist. Dann einfach alles mit «Aktivismus» zu ummanteln, ist schlicht dreist, egozentrisch und nicht von Interesse für die Mehrheitsgesellschaft. Die Stadt Luzern trägt insbesondere auch gegenüber den anderen Mietern (also die, welche ihre Miete bezahlen) in städtischen Liegenschaften eine Verantwortung. Diese stossende Ungleichbehandlung und Bemessung nach diametral völlig verschiedenen Handlungsgrundsätzen muss sofort aufhören!

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