Stadtparlament setzt ein erstes starkes Zeichen für ein neues Luzerner Theater
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Auch im künftigen Haus soll Musiktheater stattfinden: Die aktuelle Opern-Inszenierung «Salome» von Herbert Fritsch. (Bild: zvg/Ingo Hoehn)

Politische Diskussion über Neubau ist gestartet Stadtparlament setzt ein erstes starkes Zeichen für ein neues Luzerner Theater

7 min Lesezeit 19.12.2019, 18:11 Uhr

Das Stadtparlament hat das erste Mal über das neue Luzerner Theater diskutiert. Fast alle im Rat wollen sich ein teures Theater leisten, in welchem auch Opern aufgeführt werden können. Doch dass die Stadt künftig mehr bezahlen muss, sorgt für Kritik.

Endlich dürfen Politiker wieder über das neue Theater debattieren! Schon über drei Jahre sind seit der Kontroverse rund um ein neues Musiktheater – die Salle Modulable – vergangen. Nun diskutierte am Donnerstag das Stadtparlament über verschiedene Vorstösse rund um das neue Luzerner Theater.

Zu entscheiden gab es zwar noch nicht viel, aber die Diskussion zeigte: Das Parlament steht – abgesehen von der SVP – geschlossen hinter einem Theaterneubau und stärkt dem Stadtrat den Rücken. Kritik gabs am Deal mit dem Kanton, weil die Stadt künftig mehr an die grossen Kulturbetriebe zahlen muss.

Luzern will weiterhin auch Opern

Vor einer Woche wurde bekannt, dass eine Stiftung eine Million Franken für den Architekturwettbewerb aufwirft (zentralplus berichtete). Eine neue Projektgruppe hat sich unter der Leitung der Stadt formiert, um das Projekt voranzutreiben.

Über den Standort an der Reuss und die Tatsache, dass sich Luzern weiterhin ein Mehrspartenhaus mit Musiktheater leistet, herrscht Konsens. Aber es bleiben offene Fragen und Knackpunkte: Wer wird das alles bezahlen? Wie will die Stadt mit dem engen rechtlichen und planerischen Spielraum an diesem sensiblen Standort umgehen? Und brauchts einen kompletten Neubau oder reicht eine Erweiterung?

Inhalte statt Hülle

Aus den Reihen von FDP, CVP und Grüne kam die Forderung, dass man zuerst über den Inhalt und die Strategie des künftigen Theaters diskutieren müsse, bevor es um den Standort und die Hülle gehe.

Aber der Stadtrat will aufgrund des Zeitdrucks auf allen Ebenen vorwärtsmachen und sich nicht auf die inhaltliche Diskussion beschränken. Der heutige Theater-Betrieb stösst an seine Grenzen, darum soll möglichst bald ein konkretes Projekt vorliegen. Bis im Sommer 2020 verspricht der Stadtrat eine umfassende Vorlage zum Theaterprojekt – und dann wirds für das Parlament richtig spannend.

Bis dahin wird man auch wissen, ob es einen Neubau oder eine Erweiterung gibt. Parallel dazu erarbeitet das Luzerner Theater ein Betriebskonzept für das künftige Dreisparten-Haus. Der Architekturwettbewerb soll bis im Sommer 2021 starten.

Eine Vision ist gefordert

Der Stadtrat empfahl am Donnerstag, den Vorstoss aufgrund der vielen offenen Fragen nur teilweise entgegenzunehmen. Eine Mehrheit von CVP, FDP, Grünen und GLP hielt jedoch an der vollständigen Überweisung fest und setzte ein Zeichen für eine stärkere inhaltliche Diskussion. Diese Auslegeordnung sei nötig, um die Bevölkerung im Hinblick auf die Volksabstimmung zu überzeugen.

Doch im Prinzip handelt es sich dabei lediglich um eine Nuance, denn im Grossen und Ganzen hat das Parlament dem Stadtrat den Rücken gestärkt. «Wir stellen mit Freude fest, dass es vorwärts geht, das ist nicht selbstverständlich», sagte etwa Michael Zeier-Rast (CVP).

«Für einen Sieg an der Urne braucht es mehr als architektonische Entwürfe.»

Daniel Furrer, SP

Fabian Reinhard (FDP) forderte eine inhaltliche Auslegeordnung über verschiedene Varianten mit jeweiligem Kostenrahmen – vom Intendanten-Modell bis zum Gastspielhaus: «Es geht nicht darum, dass wir bei der Intendanz mitreden, aber sehr wohl bei strategischen Fragen: Welches Theater wollen wir?» Man müsse das Projekt jetzt mehrheitsfähig machen.

Daniel Furrer (SP) warnte vor der «Angst vor einer leeren Hülle»: «100 Millionen sind viel Geld für ein paar modern inszenierte Dürrenmatts oder Shakespeares.» Er forderte ein Narrativ und eine spürbare Vision. «Für einen Sieg an der Urne braucht es mehr als architektonische Entwürfe.»

Stadtpräsident Beat Züsli (SP) hält am parallelen Vorgehen auf verschiedenen Ebenen fest: «Es nützt nichts, wenn wir ein perfektes Konzept haben, aber keinen Standort, um dieses zu realisieren.»

Im Fokus der Denkmalschützer: die Nordfassade des neuen Luzerner Theaters.

Bis zu 120 Millionen Franken Investition

Fragen der SVP zu den Auswirkungen auf die städtischen Finanzen kann der Stadtrat noch nicht im Detail beantworten. Weil die finanziellen Aussichten der Stadt Luzern für die kommenden Jahre nicht mehr so rosig sind, wollte die SVP wissen, wie der Stadtrat die Investitionen von bis zu 100 Millionen Franken für das neue Theater stemmen will.

Die zu erwartenden Ausgaben werden im nächsten Aufgaben- und Finanzplan, der im Herbst 2020 erscheint, integriert. In der aktuellen Investitionsplanung der nächsten Jahre sind für die Erneuerung des Theaters 120 Millionen Franken eingestellt. Es handle sich dabei aber erst um eine grobe Schätzung.

«Das Theater ist eine teure und aufwendige Kulturform, die sich nie selber finanzieren kann.»

Beat Züsli, Stadtpräsident

Der Stadtrat rechnet mit 50 Prozent Eigenmitteln und 50 Prozent Fremdfinanzierung für den Bau und hofft auf weitere Spender. Die Stiftung Luzerner Theater sei diesbezüglich sehr aktiv, Gespräche laufen und erste private Gelder konnten bereits gewonnen werden.

Patrick Zibung (SVP), der die Interpellation einreichte, wünscht sich eine höhere Eigenfinanzierung des Theaters. «Wir sehen die Nachfrage nicht, um einen Um- oder Neubau zu rechtfertigen. Das neue Theater wird einen schweren Stand haben in unserer Fraktion», warnte er. Es war die einzige Stimme in diese Richtung im Parlament.

Beat Züsli sagte zu den Finanzen: «Das Theater ist eine teure und aufwendige Kulturform, die sich nie selber finanzieren kann, wenn man einen künstlerischen Anspruch hat.» Aber natürlich müsse es das Ziel sein, mit einem neuen Gebäude auch neue Leute ins Theater zu locken.

Christov Rolla (Grüne) appellierte an die Politiker, Kultur nicht nur aus monetärer Sicht zu betrachten. «Wir haben es mit einem Jahrhundertbauwerk zu tun, das uns alle überleben wird. Und hoffentlich auch die kantonale Tiefsteuerstrategie.»

Wurde die Stadt über den Tisch gezogen?

Kritik gabs am neuen Verteilschlüssel bei der Finanzierung der grossen Kulturbetriebe: Stadt und Kanton haben beschlossen, dass der Zweckverband Grosse Kulturbetriebe ab 2023 neu aufgeteilt wird: Die Stadt zahlt mehr in den Topf ein und übernimmt die Federführung für das neue Theater (zentralplus berichtete).

Für den Betrieb des neuen Theaters wird die Stadt nach künftigem Verteilschlüssel 40 Prozent zahlen müssen, der Kanton 60 (heute ist das Verhältnis 30:70). Bei geschätzten 3 Millionen Franken Betriebskosten jährlich rechnet die Stadt Luzern mit Mehrkosten von rund 1,2 Millionen Franken.

Nicht alle Politiker sehen ein, wieso die Stadt zehn Prozent mehr zahlen soll. Daniel Furrer sagte: «Wir sind nicht zufrieden mit dem neuen Kostenteiler, der Kanton will Kosten auf die Stadt abwälzen. Wir müssen uns wehren, damit wir nicht alle Zentrumslasten übernehmen.»

Patrick Zibung fand gar, die Stadt habe sich vom Kanton über den Tisch ziehen lassen. Auch der Stadtrat ist nicht zufrieden mit dem neuen Verteilschlüssel. Aber um den Zweckverband nicht zu gefährden, hat er die Verschlechterung der Situation hingenommen. «Aber wir sind nicht über den Tisch gezogen worden», betonte Beat Züsli vor dem Parlament. Ursprünglich empfahl die Studie gar einen Kostenteiler von 50:50 – so gesehen ist die jetzige Lösung ein Kompromiss.

Mut zum Abriss

Auch wie der Stadtrat schliesslich mit dem engen rechtlichen und planerischen Spielraum umgehen will, wird sich noch weisen müssen. Es gibt starken Widerstand gegen einen Abriss: Ein Gutachten der eidgenössischen Kommissionen für Denkmal-, Natur- und Heimatschutz fordert die Erhaltung des 180-jährigen Baus an der Reuss (zentralplus berichtete).

In der Antwort auf eine Interpellation der CVP hält der Stadtrat am Ziel eines kompletten Neubaus fest, will aber auch den Ortsbildschutz berücksichtigen. Da gilt es einen Weg zu finden, der beiden Anliegen Rechnung trägt.

«Der Stadtrat hat sich zu einem Neubau bekannt, wir wollen ihn weiter ermutigen.»

Fabian Reinhard, FDP

Es geht nicht nur um den Denkmalschutz, sondern aufgrund der Nähe zur Reuss auch um den Gewässerschutz – und das ist Bundessache. Der Stadtrat ist dazu im Gespräch mit den eidgenössischen Kommissionen sowie den Luzerner Planer- und Schutzverbänden. Noch immer ist auch eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes eine Option. Auch hier besteht Handlungsdruck: Noch vor dem Architekturwettbewerb muss geklärt sein, ob ein Abbruch möglich ist oder nicht.

Fabian Reinhard bestärkte den Stadtrat weiterhin in dessen Mut: «Der Stadtrat hat sich zu einem Neubau bekannt, wir wollen ihn weiter ermutigen. Das ist eine Riesenchance für die Stadt. Wir haben es schon einmal gewagt, ein Gebäude abzureissen und das KKL zu bauen.»

Auch Christov Rolla findet, dass die «pseudo-klassizistische Fassade» nicht schutzwürdig sei. Er ist gegen den Erhalt der Fassade, welche die die architektonische Fantasie einschränke.

Es war am Donnerstag die erste von vielen noch folgenden Diskussionen zum neuen Theater – ein starkes Bekenntnis haben die Stadtparlamentarier allemal gesetzt.

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