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Stadt Zug zieht Schraube bei Globegarden-Kita an
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Die Stadt Zug hat die Verantwortlichen der Globegarden-Kita zu einer Aussprache vorgeladen. (Symbolbild: Emanuel Ammon/AURA)

Kette musste Bussen zahlen Stadt Zug zieht Schraube bei Globegarden-Kita an

5 min Lesezeit 26.03.2020, 05:03 Uhr

Die Stadt Zug hat gegen Kitas der Globegarden-Kette mehrere Bussen verhängt, weil diese Vorgaben nicht einhielten. Eine Einrichtung steht gar unter besonderer Aufsicht. Der zuständige Zuger Stadtrat ist nach einer Aussprache trotzdem zuversichtlich.

Wer sein Kind fremd betreuen lässt, will es gut aufgehoben wissen. Doch der finanzielle Druck in der Branche ist gross und zuletzt rückten Medienberichte insbesondere die Globegarden-Kitas in ein schlechtes Licht.

Der grössten Krippen-Kette der Schweiz wurde vorgeworfen, Kinder zu vernachlässigen und Aufsichtsbehörden gezielt zu täuschen. Die Gründerin und Geschäftsführerin von Globegarden wies die Vorwürfe des Onlinemagazins Republik zurück. Kürzlich gab das Unternehmen bekannt, die kritisierten Betreuungs- und Arbeitsbedingungen extern überprüfen zu lassen.

Auch in der Stadt Zug betreibt Globegarden drei Kindertagesstätten. Noch im Dezember hielt die Stadt fest, dass man nicht speziell aktiv werden müsse (zentralplus berichtete). Als im Februar der Vorwurf erhoben wurde, bei einer Kontrolle in einer Zuger Kita seien Kinder im Keller versteckt worden, räumte der zuständige Stadtrat Urs Raschle ein, dass man bei Globegarden genau hinschauen müsse.

Eine Stellungnahme auf eine Interpellation von Tabea Zimmermann Gibson von der Alternative – die Grünen zeigt nun das tatsächliche Ausmass der Intervention.

Betreuungsschlüssel nicht eingehalten

Globegarden sei für die zuständige Aufsichtsfachstelle «keine Unbekannte», hält der Stadtrat fest. «Dies hat weniger mit den aktuellen Presseberichten zu tun als vielmehr mit den Unregelmässigkeiten, die in der Vergangenheit festgestellt wurden.»

Konkret sei der gesetzlich vorgeschriebene Betreuungsschlüssel mehrmals nicht eingehalten worden, sagt der zuständige Stadtrat Urs Raschle (CVP) auf Nachfrage. Das heisst: Es waren zu viele Kinder oder zu wenige Betreuungspersonen in der Kita.

Leitfaden und Infos

Wie können Eltern wissen, ob es sich bei ihrer Kita um eine gute handelt? «Wenn die Kita auf der Homepage der Stadt Zug aufgeführt ist, können die Eltern davon ausgehen, dass eine gültige Betriebsbewilligung vorliegt und die Kita somit überprüft wurde», schreibt der Stadtrat. Gleichzeitig hält er fest, dass es sehr individuell sei, ob die Betreuungsqualität für das einzelne Kind genügend sei und dem Anspruch der Eltern entspreche. Die Stadt Zug hat deshalb einen Leitfaden aufbereitet, der Familien helfen soll, die passende Einrichtung zu finden. Bei weiteren Fragen und Bedenken könne man sich an die zuständige Fachstelle wenden.

Da dies trotz Rügen wiederholt vorgekommen sei, habe die Stadt Zug Kitas der Globegarden-Kette gebüsst. «Es hat leider mehrere Bussen gebraucht», sagt Raschle. Jeweils 1’000 Franken wurden in Rechnung gestellt.

Zudem wurde ein Standort unter besondere Aufsicht gestellt – eine Massnahme, die laut Raschle selten angewendet wird. Die betroffene Kita muss der Stadt seither wöchentlich eine Liste der anwesenden Kinder und Betreuungspersonen zustellen und aufzeigen, wie sie organisiert ist. «Wir werden das stärker kontrollieren und mehr unangemeldete Besuche machen.»

Im Normalfall besucht die zuständige Fachstelle jede Einrichtung einmal pro Jahr – in der Regel auf Voranmeldung. Denn das Verhältnis ist nicht von einem grundsätzlichen Misstrauen geprägt: «Die angemeldeten Aufsichtsbesuche dienen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Idee, dass Schwierigkeiten im besten Fall angesprochen respektive frühzeitig erkannt und beratend angegangen werden können», illustriert der Stadtrat. Unangemeldete Besuche finden nur bei aufsichtsrechtlichen Hinweisen oder Unstimmigkeiten bei den «normalen» Kontrollen statt.

Stadtrat hat Klartext gesprochen

«Ein Standort von Globegarden steht weiterhin unter besonderer Aufsicht, weil dort mehrere Verfehlungen geschehen sind», sagt Urs Raschle. Um welchen der drei es sich handelt, will er nicht sagen. Er hält aber fest, dass das Kindswohl zu keiner Zeit akut gefährdet gewesen sei.

Erstmals räumt der Stadtrat explizit ein, dass Globegarden ein spezieller Fall ist. «Auch andere Kitas haben teilweise Fragen, aber die melden sich bei uns, damit wir gemeinsam eine Lösung finden», sagt Urs Raschle. «Globegarden hingegen versucht in Eigenregie, etwas zu deichseln.»

«Ich bin überzeugt, dass die Verantwortlichen von Globegarden den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden haben.»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat

Vor rund drei Wochen hat er als zuständiger Stadtrat und Präsident der Aufsichtskommission die Verantwortlichen von Globegarden zu einem Gespräch eingeladen. «Ich habe Klartext gesprochen und aufgezeigt, dass wir weitere Verfehlungen nicht mehr akzeptieren», sagt Raschle bestimmt. Gleichzeitig habe er signalisiert, dass die Stadt Zug in die Zukunft blicken wolle. Der Sozialvorsteher ist diesbezüglich zuversichtlich. «Ich bin überzeugt, dass die Verantwortlichen von Globegarden den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden haben.»

Im schlimmsten Fall droht die Schliessung

Ob das tatsächlich der Fall ist und wie das Kita-Unternehmen dazu steht, bleibt zunächst unklar. Globegarden konnte sich bis am Mittwochabend nicht zu entsprechenden Fragen äussern, stellte aber eine Stellungnahme in Aussicht.

Sollte sich die Situation nicht ändern, könnte die Stadt Zug indes weitere Massnahmen anordnen, die im schlimmsten Fall zu einer Entziehung der Bewilligung führen könnten, was einer faktischen Schliessung gleichkäme. Das wäre kein Novum: 2018 hat die Stadt Zug eine Betriebsbewilligung nicht mehr ausgestellt, woraufhin die betroffene Kita schloss. «In diesem Fall war das Kindswohl effektiv nicht mehr gewährleistet», sagt Raschle. Um welche es sich handelt, gibt der Stadtrat nicht bekannt.

Bleibt die Frage, wieso die Stadt Zug nur tröpfchenweise über die Probleme bei Globegarden informiert hat? «Die Stadt Zug wusste schon um die Schwierigkeiten und hatte die Kontrollen bereits intensiviert. Wir wollten nicht weiter Öl ins Feuer giessen», erklärt Urs Raschle. Er gesteht aber zu, dass es natürlich immer verschiedene Wege der Kommunikation gebe.

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