Stadt zieht sich zurück: Gräber bei der Hofkirche werden zu Privatfriedhof
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Die Begräbnisreche an den Gräbern bei der Hofkirche liegen in Zukunft nicht mehr bei der Stadt. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Nach zweijährigen Diskussionen in Luzern Stadt zieht sich zurück: Gräber bei der Hofkirche werden zu Privatfriedhof

2 min Lesezeit 2 Kommentare 26.10.2020, 15:49 Uhr

Künftig soll das Stift St. Leodegar den Unterhalt des Friedhofs bei der Luzerner Hofkirche selber meistern. Die Stadt wird im Gegenzug künftig auf ihre Begräbnisrechte verzichten, und beantragt für eine letzte Sanierung einen Kredit in Millionenhöhe.

Ein letztes Mal soll die Stadt Luzern nun die Sanierung der Gräberhallen bei der Hofkirche finanzieren. Einen Betrag von 2,18 Millionen Franken hat der Stadtrat dazu beim Parlament beantragt. Anschliessend wird sich das Stift Leodegar selbst um den Unterhalt der Gräberhallen kümmern. Diese Einigung hat nach zwei Jahren Diskussion stattgefunden, wie die Stadt Luzern in einer Mitteilung schreibt.

Flammen im Gotteshaus

1633 wurde die Hofkirche Luzerns von Flammen heimgesucht. Die beiden Türme brannten aus, vom Gebäude blieben am Schluss nur noch die Grundmauern übrig. Damals hat die Stadt Luzern den Wiederaufbau grösstenteils finanziert. Seither werden Unterhalt und Betrieb der Gräberhallen zwischen der Stadt Luzern und dem Stift St. Leodegar immer wieder diskutiert.

Stadt verzichtet auf Begräbnisrechte

Eigentümerin der Gräberhallen mit deren Grünflächen ist das Stift St. Leodegar. Sie gelten aber als städtischer Friedhof. Dabei handelt es sich um einen speziellen Status, da die Stadt bei lediglich 19 Plattengräbern Begräbnisrechte hat. Über die restlichen 392 Gräber verfügen entweder das Stift St. Leodegar oder Private. Für die Stadt sei dies eine unbefriedigende Vertragssituation – auch in finanzieller Hinsicht. So soll der Vertrag von 1946 einen Unterhaltsbeitrag von zirka 90’000 Franken seitens der Stadt definiert haben. Erwirtschaften tut die Stadt jährlich bescheidene 1520 Franken.

Seit zwei Jahren führte die Stadt Luzern gemeinsam mit dem Stift St. Leodegar und Bischof Felix Gmür Verhandlungen. Nun haben diese zu einer Lösung geführt. Die Eigentumsverhältnisse des Friedhofs bleiben dieselben. Die Gräberhallen bleiben zusammen mit der Gesamtanlage Hofkirche in der Hand der katholischen Kirchgemeinde und dem Stift St. Leodegar.

Sonderkredit von 2,18 Millionen

Dabei übernimmt die Stadt nach wie vor den Unterhalt der öffentlichen Wege und bleibt auch deren Besitzerin. Einzige Veränderung: Der Stift St. Leodegar übernimmt den Unterhalt der Gräberhallen. Dabei verzichtet die Stadt im Gegenzug auf die Begräbnisrechte an den erwähnten 19 Plattengräbern.

Ein letztes Mal liegt der Ball also bei der Stadt: Sie wird die Sanierung der Gräberhallen ein letztes Mal übernehmen. Dazu beantragt der Stadtrat beim Grossen Stadtrat einen Sonderkredit von 2,18 Millionen Franken. Aus der neuen Vereinbarung resultiert, dass der bisher städtische Friedhof also zu einem Privatfriedhof des Stifts St. Leodegar wird.

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2 Kommentare
  1. CScherrer, 27.10.2020, 09:37 Uhr

    Die katholische Kirche bedient sich weiter schamlos beim Steuerzahler. Das ist beschämend und einfach nur frech, Herr Bischof Gmür!

    1. lfm, 27.10.2020, 11:54 Uhr

      Bitte beachten Sie: die Unterhaltsverpflichtung der Stadt Luzern beruht auf einem 400-jährigen Ratsbeschluss, der auch nach heutigen Recht fortbestehen würde. Mehrere Rechtsgutachten seit den 50er Jahren sind zum Schluss gekommen, dass sich die Stadt nicht einseitig aus der Unterhaltsverpflichtung lösen könnte. Wenn die Kirche für die Zukunft darauf verzichtet, geschieht dies freiwillig. Der letztmalige finanzielle Beitrag der Stadt ist umso mehr gerechtfertigt, als sie den Unterhalt in den letzten Jahrzehnten zum Nachteil der unter Denkmalschutz stehenden Gräberhallen vernachlässigt hatte.

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