Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Stadt will Autofahrer umerziehen
  • Gesellschaft
  • Stadt
  • Umwelt
Ein Mitarbeiter von stromvelo.ch auf einer Spritzfahrt (Bild: Linus Estermann)

Veloförderung: Auto gegen E-Bike Stadt will Autofahrer umerziehen

4 min Lesezeit 15.05.2015, 20:00 Uhr

Die nationale Aktion «Bike4Car» ermöglicht allen Luzernern, den Autoschlüssel gegen ein E-Bike zu tauschen. Im Interview mit zentral+ erklärt der städtische Verkehrsexperte Martin Urwyler, weshalb mit dieser Aktion zwei Fliegen auf einen Streich geschlagen würden – obwohl auch er nicht weiss, was die Aktion schlussendlich nützt.

Luzern als Energiestadt unterstützt im Rahmen der Veloförderungskampagne «Spurwechsel» die Aktion «Bike4car». Wer mitmacht, tauscht während 14 Tagen seinen Autoschlüssel gegen ein E-Bike. Zudem gibt es eine kostenlose Testmitgliedschaft bei Mobility Carsharing. Die Stadt wirbt mit dem flexiblen Mix, der schnell, gesund und umweltfreundlich ist.

zentral+: Herr Urwyler, diesen Freitag regnet es. Im Auto ist man geschützt – auf dem Velo den Wetterkapriolen ausgesetzt. Welche Lösung schlägt die Stadt möglichen Umsteigern vor?

Unterstütze Zentralplus

Martin Urwyler: Das Velo ist nur eine Möglichkeit. Natürlich kann auch der öffentliche Verkehr genutzt oder auf Carsharing zurückgegriffen werden. Zudem gibt es mittlerweile sehr gute wetterfeste Kleidung, mit der man dem heutigen Wetter trotzen kann.

zentral+: Schon früher gab es ähnliche Aktionen – was für Ziele setzt sich die Stadt dieses Mal?

Urwyler: Die aktuelle Aktion soll die Bevölkerung sensibilisieren. Sie stimmt mit den Überlegungen der Stadt zur Förderung des Veloverkehrs überein – was übrigens auch dem Willen der Stimmbevölkerung entspricht. Zudem ist die Stadt Luzern seit 15 Jahren Energiestadt und bestrebt sich in den Bereichen Energie und Mobilität stetig zu verbessern.

zentral+: Ist es wirklich wahrscheinlich, dass jemand durch solche Aktionen nachhaltig auf das Velo oder Mobility-Auto umsteigt?

Urwyler: Wir hoffen das natürlich. Ob dies nachhaltig gelingt, ist schwierig abzuschätzen.

zentral+: Warum muss ganz auf das persönliche Auto verzichtet werden? Es gäbe wohl Personen, die schon ab und zu das Velo nehmen würden, aber ihr eigenes Auto als Statussymbol anschauen.

«Nur durch das Abgeben des Autoschlüssels kann wirklich hautnah erlebt werden, wie man seinen Alltag ohne persönliches Auto einrichten kann.»

Urwyler: Nur durch das Abgeben des Autoschlüssels kann wirklich hautnah erlebt werden, wie man seinen Alltag ohne persönliches Auto einrichten kann.

zentral+: Welche Zielgruppe wird angesprochen? 

Urwyler: Ganz klar die urbane Bevölkerung, die auch die Möglichkeiten hat, beispielsweise Mobility Carsharing zu beanspruchen. Zudem sind die Wege in der Stadt kurz, was die Verwendung des Velos erleichtert.

zentral+: Wie hoch ist der Anteil am Autoverkehr in der Stadt?

Urwyler: Im ganzen Stadtgebiet werden 45 Prozent der Distanzen mit dem öffentlichen Verkehr und 41 Prozent mit dem motorisierten Individualverkehr zurückgelegt.

zentral+: Was lässt sich die Stadt diese Aktion kosten?

Urwyler: Wir sprechen hier von wenigen Tausend Franken, insbesondere für die Plakatierung im Rahmen der Aktion. Die Hauptkosten werden vom Bund und den Partnerorganisationen getragen.

zentral+: Wie attraktiv und wie sicher ist die Stadt für Velofahrer aktuell? 

Urwyler: Das Angebot wird laufend verbessert. Für routinierte und geübte Velofahrer ist das Netz von guter Qualität. In der Tat gibt es aber noch einige anspruchsvolle Stellen und Lücken im Netz.

zentral+: Am wichtigsten für Stadt-Velofahrer sind vermutlich durchgehende Velospuren. Noch immer gibt es aber in der Stadt viele wichtige Strassen, wie die Obergrundstrasse, die Pilatusstrasse oder der Schweizerhofquai, die mindestens in eine Richtung keine eigenen Velospuren haben. Wie löst die Stadt dieses Problem?

Urwyler: Sie haben recht, es gibt Strassen, wie zum Beispiel die Obergrundstrasse, die aus Platzgründen wohl nie Velospuren erhalten werden.

«Das Ziel der Stadt ist nach Möglichkeiten zu suchen, um eine parallele Veloachse zu ermöglichen.»

Das Ziel der Stadt ist nach Möglichkeiten zu suchen, um eine parallele Veloachse zu ermöglichen, in diesem Fall in der Bruch- und Taubenhausstrasse. Im besten Fall handelt es sich dabei um verkehrsberuhigte Strasse mit Tempo 30.

zentral+: Welche weiteren Massnahmen sollen die Attraktivität des Veloverkehrs steigern?

Urwyler: Da ist auf der einen Seite die Kommunikation über das Angebot, dazu gehören Velokarten, Velotipps, usw. Ich möchte hier auf die Homepage www.velofahren.stadtluzern.ch verweisen. Zudem unterstützen wir zusammen mit der Caritas das automatische Veloverleihsystem Nextbike. Zweitens stehen laufend Investitionen in die Radgehweg-Infrastruktur an. Da wäre der Rad-/ Gehweg auf dem ehemaligen Zentralbahntrassee oder Radverkehrsanlagen auf der Seeburgstrasse Richtung Meggen. Weiter gibt es bereits realisierte Projekte wie der Rad-/Gehweg auf der Schädrüttistrasse Richtung Adligenswil und entlang der Militärstrasse. Hinzu gilt es die Velostation am Bahnhof zu erwähnen oder die Erarbeitung eines neuen Konzepts für Veloparkplätze in der Innenstadt. 

Bei «Bike4Car» mitmachen?

Um den Autoschlüssel für zwei Wochen gegen ein E-Bike zu tauschen, muss man sich online registrieren. Anschliessend nehmen die Verleihstellen Kontakt mit den Interessierten auf und klären die Details. In Luzern und Agglomeration können die E-Bikes bei Stromvelo in Luzern, Squadra Mondo in Kriens und dem Pilatusmarkt Coop Bau+Hobby gegen Autoschlüssel und Fahrausweis eingetauscht werden.

zentral+: Reduktion des Energieverbrauchs oder Entlastung des städtischen Strassennetzes. Was hat für die Stadt Priorität?

Urwyler: Das E-Bike ist sowohl CO2-freundlicher als ein Auto und beansprucht auch weniger Platz auf den Luzerner Strassen. Damit werden zwei Ziele auf einmal erreicht.

zentral+: E-Bike-Unfälle häufen sich in letzter Zeit, weil die Lenker wohl nicht mit dem Speed umgehen können. Wie verhindert die Stadt eine neue Welle von durch die Aktion mitverschuldeten Unfällen?

Urwyler: Dies ist keine Unfallpräventionskampagne. Zur Problematik der E-Bike-Unfälle kann ich allen Ein- und Umsteigern empfehlen einen Fahrkurs zu absolvieren.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare
Mehr Gesellschaft