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Stadt will 2’000 zusätzliche Veloparkplätze
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Gerangel um freie Veloparkplätze beim Bahnhof Luzern: Die Stadt will nun die Anzahl Parkplätze deutlich erhöhen. (Bild: tob)

Luzern lanciert Grossprojekt Stadt will 2’000 zusätzliche Veloparkplätze

8 min Lesezeit 2 Kommentare 11.12.2015, 11:00 Uhr

Die Stadt Luzern will den Veloverkehr fördern und so die Bevölkerung zum Umsteigen bewegen. Mehr Velos auf gleichem Raum plus neue Parkanlagen plus Velos statt Autos auf Parkplätzen: So sollen in einem ersten Schritt 850 zusätzliche Veloparkplätze realisiert werden. Und obwohl viele Massnahmen für rote Köpfe sorgen dürften – sie genügen nicht.

Die Stadt Luzern gibt Vollgas und packt das Problem der fehlenden Veloparkplätze an. In einem sehr, sehr umfangreichen Bericht zeigt sie auf, wie die aktuelle Situation aussieht und mit welchen Massnahmen die Situation in den Griff zu kriegen ist.

Veloverkehr soll verfünffacht werden

Dabei argumentiert die Stadt wie folgt: Um die Erreichbarkeit für die schon heute oft staugeplagte Innenstadt zu verbessern, ist die Förderung von flächeneffizienten Verkehrsarten zu fördern. Dazu gehört der öffentliche Verkehr (Bus und Zug), der Fussgängerverkehr sowie der Veloverkehr. Denn diese Verkehrsarten brauchen weniger Platz als Autos. Je mehr Leute darauf umsteigen, so die Theorie, umso mehr Platz hat es auf den Strassen für den wirtschaftlich notwendigen Autoverkehr. Konkret soll der Autoverkehr bis 2020 von 41 Prozent auf 36 Prozent sinken, der ÖV soll von 45 auf 47 Prozent steigen und der Veloverkehr von 2 auf 4 Prozent erhöht werden – bis 2035 sogar auf 10 Prozent.

Doch dazu muss laut Stadtrat den Luzernern die Lust aufs Velofahren schmackhafter gemacht werden. Dazu gehören zum einen bessere Veloverbindungen, zum anderen aber auch bessere Veloparkierungsanlagen. Im Auftrag der Stadt hat das Raum- und Verkehrsplanungsbüro Planum Biel AG nun in einem Konzept detailliert aufgezeigt, wie dies erreicht werden kann. Dabei wird unterschieden zwischen Veloparkplätzen für Einkaufen, Freizeit und Arbeit einerseits und dem Umsteigen auf den ÖV andererseits – letzteres betrifft ausschliesslich die Gegend rund um den Bahnhof. Zudem wird der Bedarf für die Zeithorizonte 2020 sowie 2035 errechnet.

Es braucht bis zu 5’700 Veloplätze

Das sind die wichtigsten Kennzahlen aus dem neuen Velokonzept:

– In den drei analysierten Gebieten Altstadt (Sektor A), Kleinstadt/Hirschengraben (Sektor B) und Neustadt (Sektor C) gibt’s es aktuell 3’760 Veloparkplätze.

In diesen Sektoren sollen mehr Veloparkplätze entstehen: A

In diesen Sektoren sollen mehr Veloparkplätze entstehen: A

– Bis ins Jahr 2020 steigt der Bedarf an Veloparkplätzen auf 5’710 an.

– Es müssen bis in fünf Jahren also rund 1’950 zusätzliche Parkplätze geschaffen werden.

– Für den Parkierungszweck Freizeit/Arbeit fehlen in der Innenstadt 540 Parkplätze.

– Für den Parkierungszweck Umsteigen auf den ÖV fehlen in der ganzen Innenstadt insgesamt 1’410 Parkplätze.

– In der Altstadt brauchts bis 2020 rund 130 zusätzliche Veloparkplätze.

– Im Gebiet Kleinstadt/Hirschengraben fehlen 480 Parkplätze.

– In der Neustadt und rund um den Bahnhof steigt der Bedarf an Veloparkplätzen auf insgesamt 1’340 an.

Erste Etappe kostet 1,6 Millionen Franken

So sehen der Zeitplan und die Kosten aus:

– In einem ersten Schritt sollen bis 2017 kurzfristig realisierbare Massnahmen umgesetzt werden.

– Durch Optimierung und bessere Ausstattung der bestehenden Veloparkflächen können 850 zusätzliche Veloparkplätze geschaffen werden, total also 4’550.

– Zusätzlich können so rund 2’600 bestehende Parkplätze bezüglich Diebstahlschutz und Standsicherheit optimiert werden.

– So soll bis 2020 der Bedarf an Veloparkplätzen für den Freizeit-und Arbeitszweck bis ins Jahr 2020 gedeckt werden.

– Zur Deckung des Bedarfs an Veloparkplätzen zu Umsteigezwecken sowie um die Ziele bis 2035 zu erreichen, sind laut Konzept aber weitere Massnahmen nötig.

– Die Kosten für das erste Massnahmenpaket belaufen sich auf 1,63 Millionen Franken. Diese sollen mit Griff in die Kasse Spezialfinanzierung Parkraum gedeckt werden. Die jährlichen Folgekosten betragen rund 15’000 Franken pro Jahr.

Hier ist zu sehen, in welchen Regionen (A, B oder C) zu welchen Zwecken Velos parkiert werden. Rund um den Bahnhof parkieren vor allem Leute, die auf den Zug müssen.

Hier ist zu sehen, in welchen Regionen (A, B oder C) zu welchen Zwecken Velos parkiert werden. Rund um den Bahnhof parkieren vor allem Leute, die auf den Zug müssen.

Strafgebühren für «wilde» Velohalter

Im ersten Schritt sollen also die bestehenden Parkplätze optimiert, also besser belegt werden. Um dies zu erreichen, sollen die Veloabstellplätze mit Parkiersystemen versehen werden. Denkbar sind etwa Anlehnbügel oder Velopfosten, wie sie bereits auf dem Mühlenplatz (Bild) installiert wurden.

Solche Pfosten wie hier auf dem Luzerner Mühlenplatz sollen für mehr Sicherheit und Ordnung sorgen.

Solche Pfosten wie hier auf dem Luzerner Mühlenplatz sollen für mehr Sicherheit und Ordnung sorgen.

In einem zweiten Schritt geht’s dann ans Lebendige. So sollen die aktuell noch von Velos und Motorräder genutzten Parkplätze nur noch von Velos besetzt werden dürfen. Die Motorräder sollen dafür auf Autoparkplätzen verschoben und gebührenpflichtig werden. «Das bedeutet, dass Autoparkplätze wegfallen werden», schreibt der Stadtrat in seinem Bericht. Wie viele Autoparkplätze verschwinden müssen, ist noch offen. Zusätzlich sollen an zentralen Standorten Velostationen geprüft werden.

Gebühren für die Velos lehnt der Stadtrat ab, das sei nur schon aus rechtlicher Sicht nicht möglich. Dafür wird geprüft, ob für rechtswidrig abgestellte und vom Velodienst verschobene Fahrräder eine Bearbeitungsgebühr erhoben werden kann.

Und trotzdem fehlen noch 1’200 Plätze

Die erste Etappe wird zwar bis 2020 für deutlich mehr Veloparkplätze in der Innenstadt führen. Doch das genügt noch immer nicht, vor allem fürs Umsteigen rund um den Bahnhof fehlen dann noch immer Plätze.

In dieser Gesamtübersicht über alle Sektoren sieht man, wie viele Veloparkplätze in der ersten Etappe bis 2020 realisiert werden sollen. Ersichtlich wird auch, dass am Ende trotzdem noch über 1’200 Veloplätze fehlen werden, vor allem rund um den Bahnhof.

In dieser Gesamtübersicht über alle Sektoren sieht man, wie viele Veloparkplätze in der ersten Etappe bis 2020 realisiert werden sollen. Ersichtlich wird auch, dass am Ende trotzdem noch über 1’200 Veloplätze fehlen werden, vor allem rund um den Bahnhof.

Altstadt: Zurgilgenplatz wird Veloarena

– Entlang des Löwengrabens soll der Veloparkplatzbestand in der ersten Etappe bis 2020 von aktuell 70 auf neu 130 erhöht werden. Dies soll dank eines neuen Parkiersystems, also verdichteten Parkierens erreicht werden.

– An der Grabenstrasse soll der Bestand um 43 Parkplätze auf neu 100 aufgestockt werden.

– Am Grendel verschwinden dafür 16 Parkplätze, neu soll es dort noch 50 geben.

– Die Parkierungsanlage an der Seehofstrasse hinter der Migros-Clubschule ist unterbelegt. Deshalb soll sie vermehrt durch Motorräder statt durch Velos genutzt werden. 82 Veloparkplätze verschwinden deshalb dort.

– Als Kompensation sollen am Kapellplatz/Zurgilgenhaus etappenweise die dortigen Auto-, Taxi- und Umsteigeparkplätze aufgehoben und zu Veloparkplätzen werden. Anstatt wie ursprünglich möglich nur 20, hätte es dort dann fast Platz für 190 Zweiräder. Ob die inoffiziellen Abstellplätze auf dem Mühlenplatz vor dem ehemaligen Musik Hug bestehen bleiben, ist noch offen.

Weil diese Massnahmen zwar bis 2020 genügen, nicht aber bis 2035, soll im Zusammenhang mit dem angedachten Parkhaus Musegg der Bau einer Velostation geprüft werden.

So sollen sich die Veloabstellplätze in der Altstadt bis 2020 aufteilen.

So sollen sich die Veloabstellplätze in der Altstadt bis 2020 aufteilen.

Kleinstadt: Viel mehr Platz für Velos

– Entlang der Bahnhofstrasse, die gemäss Volksauftrag bekanntlich autofrei werden soll, soll die Anzahl Veloparkplätze in der ersten Etappe um 66 auf neu 400 steigen. In einer allfälligen zweiten Etappe sollen diese dann aber verschoben werden – zum Beispiel in eine unterirdische Velostation, die im Zusammenhang mit dem Tiefbahnhof realisiert werden könnte.

– 93 zusätzliche Parkplätze soll es am Hirschengraben und entlang der Obergrundstrasse geben, neu fast 170. 

– An der Pfister- und Burgerstrasse sind fast 80 zusätzliche Veloplätze geplant. All dies soll mehrheitlich dank flächeneffizienteren Parkiersystemen ermöglicht werden.

So soll bis 2020 die Velosituation in der Kleinstadt aussehen.

So soll bis 2020 die Velosituation in der Luzerner Kleinstadt aussehen.

Neustadt: Neue Anlagen an Pilatusstrasse

– Im Hirschmattquartier soll die Anzahl Veloparkplätze um gut 160 auf neu 470 steigen. Dies hauptsächlich im Rahmen der Umgestaltung des Hirschmattquartiers und geringen Ausweitungen bei bestehenden Parkplatzflächen.

– Beim Bahnhof hätte es in der Velostation eigentlich noch mehr als genug Platz. Nur wollen die Velofahrer dort nicht rein, weil sie etwas umständlich zu erreichen ist. Deshalb hat die Stadt Ende 2014 eine Studie erarbeitet und Massnahmen vorgeschlagen. Weil diese aber zu teuer sind und nicht mit dem Tiefbahnhof kompatibel wären, wird darauf vorerst verzichtet.

– Beim Inseli sollen mit optimierter Bewirtschaftung fast 50 zusätzliche Veloabstellplätze entstehen.

– Entlang der Pilatusstrasse sollen zwischen den Bäumen und dem Gehbereich neue Parkanlange realisiert werden, womit 80 zusätzliche Velostandplätze entstehen.

Im Neustadt-/Hirschmattquartier und rund um den Bahnhof sollen an vielen dezentralen Punkten (gelb eingezeichnet) zusätzliche Veloparkplätze entstehen. Die gelben Punkte stehen für mögliche grosse neue Veloanlagen. Die blauen Pfeile zeigen an, wo die Zufa

Im Neustadt-/Hirschmattquartier und rund um den Bahnhof sollen an vielen dezentralen Punkten (gelb eingezeichnet) zusätzliche Veloparkplätze entstehen. Die gelben Punkte stehen für mögliche grosse neue Veloanlagen. Die blauen Pfeile zeigen an, wo die Zufa

Trotz all dieser Massnahmen im Neustadt- und Bahnhofquartier fehlen bis 2020 noch Veloabstellanlagen mit einer Kapazität zwischen 570 und 1’240 Plätzen – je nachdem, ob der unterirdische Posttunnel von der Zentralstrasse bis zur Uni dereinst für die Velos genutzt werden könnte. Dieser Tunnel würde die Situation zwar deutlich entschärfen, die Kosten von rund zwei Millionen Franken aber scheinen als politisch nicht mehrheitsfähig. Trotzdem will die Stadt hier weitere Abklärungen vornehmen.

Mit 1,7 Millionen Franken auch sehr teuer wäre ein neuer Treppenaufgang samt Schieberampe für Velos an der Habsburgerstrasse, dort, wo heute eine Rondelle zur Unterführung führt. So könnten die Velofahrer einfacher zum Posttunnel gelangen.

So könnte der velofreundliche Treppenzugang von der Habsburgerstrasse (rot) zur Unterführung auf die SBB-Gleise und den Posttunnel aussehen. Gelb eingezeichnet ist die heutige Rondellen-Treppe.

So könnte der velofreundliche Treppenzugang von der Habsburgerstrasse (rot) zur Unterführung auf die SBB-Gleise und den Posttunnel aussehen. Gelb eingezeichnet ist die heutige Rondellen-Treppe.

Doch trotz vieler offener Fragen wird der Stadtrat auch diese Variante weiter prüfen. Anfang 2016 will er für die Planung dieses Projekts im Stadtparlament einen Kredit über 180’000 Franken beantragen.

Wird Tiefbahnhof zum Veloschreck?

Und zum Schluss nochmal etwas zum Tiefbahnhof. Sollte der jemals kommen, vielleicht so ab 2038, müssten 2’000 Veloparkplätze in der Velostation und im (erst angedachten) Posttunnel aufgehoben werden. Dann gäb’s die Idee, eine neue unterirdische Ersatz-Velostation zu bauen. Diese wäre dann wieder von der Habsburger-/Zentralstrasse sowie von der Uni/KKL her erreichbar. Zu sehen ist das alles in dieser Grafik hier:

Im erst noch zu realisierenden Projekt Posttunnel (rot eingefärbt) könnten 430 Velos parkiert werden. Doch wenn der Tiefbahnhof kommt, evtl. ab 2031, müsste dem alles weichen. Dafür gäbs Ersatz (blau eingezeichnet).

Im erst noch zu realisierenden Projekt Posttunnel (rot eingefärbt) könnten 430 Velos parkiert werden. Doch wenn der Tiefbahnhof kommt, evtl. ab 2031, müsste dem alles weichen. Dafür gäbs Ersatz (blau eingezeichnet).

Hinweis: Ein Interview mit Stadtrat Adrian Borgula und Martin Urwyler vom Tiefbauamt über so knifflige Massnahmen wie den alten Posttunnel, eine neue Velostation im Parkhaus Musegg, Bussen für «wild» parkierende Velofahrer oder die massiv untergenutzte Velostation hinter dem Bahnhof finden Sie hier.

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2 Kommentare
  1. Alois Amrein, 11.12.2015, 13:43 Uhr

    Es braucht nicht nur mehr Parkplätze für Velos, sondern auch für Motorräder. Auch Motorrad und Roller sind Platz sparende Verkehrsmittel.

  2. simon zemp, 11.12.2015, 12:02 Uhr

    Wo liegt denn genau das Problem an der Velostation am Bahnhof?

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