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Stadt und Polizei tolerieren Verkehrsdelikte
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Auf frischer Tat ertappt. Dieser Autofahrer überfährt die Sicherheitslinie – Konsequenzen gibt es keine. (Bild: les)

Falschfahren an Luzerner Pilatusstrasse Stadt und Polizei tolerieren Verkehrsdelikte

3 min Lesezeit 18.05.2015, 14:44 Uhr

Seit einem halben Jahr ist es Autofahrern, die von der Pilatusstrasse her kommen, verboten, am Bahnhof Richtung KKL und Universität rechts abzubiegen. Doch noch immer halten sich viele Autofahrer nicht daran. Der Polizei und der Stadt ist das Problem bekannt – aus verschiedenen Gründen könne man aber nicht mehr dagegen unternehmen.

Die Ampel mit dem Pfeil Richtung Seebrücke wird grün. Jeder Fahrschüler lernt «Pfeil allein, ich allein» und weiss, dass die Fortsetzung der Fahrt in Richtung des Pfeiles Pflicht ist. Nichtsdestotrotz kommt es am Bahnhof Luzern etwa bei jedem zweiten Umschalten der Ampel zu einem Verkehrsdelikt, wie ein Augenschein von zentral+ ergab. Zur Erinnerung: Seit Ende September ist das Abbiegen Richtung KKL verboten. Dadurch konnte für die Busse eine durchgehende Busspur eingerichtet werden (zentral+ berichtete).

Über ein halbes Jahr später wird die Sicherheitslinie noch immer überfahren und die Autofahrer biegen rechts Richtung Bahnhof ab. Dass sie dabei den Bussen auf der Linie 1, 6, 7, und 8 vor der Nase durchfahren, wird in Kauf genommen – das Erklingen der Bus-Hupe meist mit einem Kopfschütteln «goutiert».

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Busfahrer sollen nicht hupen

Die Gefahr durch Falschfahrer ist auch bei den Luzerner Verkehrsbetrieben VBL bekannt. Der Kommunikationsverantwortliche, Christian Bertschi, betont aber, dass die Ahndung von Verkehrsdelikten eine Aufgabe der Polizei sei. Angesprochen auf die hupenden VBL-Chauffeure, meint er: «Die Chauffeure sind angehalten, das Hupen zu unterlassen. Es kann aber durchaus sein, dass die Chauffeure so die Autofahrer darauf aufmerksam machen wollen, dass das Rechtsabbiegen an dieser Stelle verboten ist.»

Auf dieser Kreuzung dürfen Autofahrer, die vom Pilatusplatz her kommen, nicht mehr geradeaus zum KKL fahren.

Auf dieser Kreuzung dürfen Autofahrer, die vom Pilatusplatz her kommen, nicht mehr geradeaus zum KKL fahren.

(Bild: Luca Wolf)

Die VBL sind grundsätzlich froh über die Busspur, da die Busse dadurch zuverlässiger an den Bahnhof gelangen. Bertschi appelliert aber an die Autofahrer, die Verkehrsregeln einzuhalten. «Nur so können die öffentlichen Busse den entstandenen Vorteil der Busspur an die Kunden weitergeben.»

Polizei fehlt es an Personal

Zuständig für die Ahndung von Fehlverhalten im Strassenverkehr ist die Polizei. Polizeisprecher Kurt Graf hält fest, dass die Polizei weiterhin sporadisch Kontrollen durchführt. Je nach Tatbestand wird eine Ordnungsbusse ausgestellt oder Anzeige an die Staatsanwaltschaft eingereicht. «Die Zuständigkeit für Kontrollen liegt dabei eindeutig innerhalb des polizeilichen Auftrages. Geplante Kontrollen werden durchgeführt, wenn genügend verfügbare Einsatzkräfte im Dienst sind. Der Bahnhof ist nur ein Brennpunkt und die Polizei erfüllt ihren Auftrag im Rahmen ihrer Möglichkeiten.»

«Die Polizei erfüllt ihren Auftrag im Rahmen ihrer Möglichkeiten.»

Kurt Graf, Polizeisprecher

Ob diese Kontrollen wirklich genügen, ist fraglich. Zudem ist das Problem auch aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen heikel, kommt es doch immer wieder zu gefährlichen Manövern. Da stellt sich die Frage, ob die Stadt bei der Planung versagt hat.

«Markierungen entsprechen geltenden Normen»

Die Stadt Luzern kennt das Problem der falsch abbiegenden Autofahrer. Verkehrsexperte Roland Koch sagt: «Die Signalisierung und Markierung am Bahnhofplatz entspricht den geltenden Normen und Gesetzen. Handlungsbedarf für weitere Massnahmen sehen wir deshalb nicht.»  

Ein weiteres ungelöstes Problem ordnet Koch bei den Navigationsgeräten: «Wenn diese nicht stetig aktualisiert werden, verleitet das Navigationsgerät die Autofahrerinnen und Autofahrer dazu, falsch zu fahren.»

Problem ist bekannt, wird aber nicht gelöst

Der Blick vor Ort hat eindeutig gezeigt, dass Verkehrsdelikte an der Tagesordnung sind. Da stellen sich die Fragen, ob die Autofahrer ihr Fehlverhalten überhaupt realisieren, und ob die Markierung der Stadt ausreicht? Ebenso dürften sich viele Verkehrsteilnehmer fragen, ob die Polizei ihre Prioritäten richtig setzt, wenn an einem zentralen Knotenpunkt der Stadt eine Sicherheitslinie ständig straffrei überfahren werden kann. Die Debatte dürfte spätestens beim nächsten grösseren Unfall, samt garantiert stattfindenden Verkehrschaos, neu aufflammen.

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