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Stadt stellt Flüchtlinge an – und hofft auf Nachahmer
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Die Stadt Luzern will gemeinsam mit der Gesellschaft eine aktive Willkommenskultur pflegen. Das Symbolbild stammt aus dem Willkommensvideoclip der Stadt Luzern. (Bild: zVg)

Luzern forciert Integration Stadt stellt Flüchtlinge an – und hofft auf Nachahmer

6 min Lesezeit 14.04.2016, 19:01 Uhr

An wen können sich Freiwillige wenden, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen? Unter anderem wegen dieser Frage fordert die SP in einem Vorstoss ein stärkeres Engagement von der Stadt Luzern. Diese zeigt sich offen und will die Willkommenskultur fördern. Dabei handelt sie nicht nur aus Nächstenliebe, sondern auch aus finanziellem Interesse.

Die SP Stadt Luzern reichte im September 2015 einen Vorstoss zum Thema Flüchtlingshilfe ein. In diesem forderte die SP die Stadt auf, mehr für die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft zu tun. «Luzern soll eine Willkommenskultur entwickeln», hiess es da etwa. Diesen Donnerstag stellte nun der Stadtrat seine Antwort im Rahmen einer Medienkonferenz vor. Er überweist den Vorstoss und macht diverse Vorschläge, wie diese Integration vorangetrieben werden soll.

Zu Beginn präsentierte Sozialdirektor Martin Merki (FDP) einige Fakten aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich der Stadt Luzern. Er machte klar: «Die Stadt Luzern bekennt sich klar dazu, ihren Beitrag im Asylwesen zu leisten, und kommt bei der Unterbringung von Asylsuchenden ihrer Pflicht vollumfänglich nach.» Per Ende Dezember 2015 waren 952 Personen untergebracht:

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  • 298 Asylsuchende in den Zentren Hirschpark und Eichhof
  • 73 Asylsuchende in Wohnungen
  • 199 vorläufig aufgenommene Personen in Wohnungen
  • 382 Flüchtlinge in Wohnungen
  • Dazu kommen zwei Notunterkünfte mit 60 Plätzen für ausreisepflichtige Personen, die der Kanton an der Tribschenstrasse 3 und in Ibach betreibt.

 

Interessantes Detail: die Zivilschutzanlage Eichhof wird Ende April geschlossen. Aufgrund des technischen Zustandes der Lüftungs- und Elektroanlagen ist kein weiterer Dauerbetrieb mehr möglich. Im Eichhof waren rund 50 Asylsuchende einquartiert. Abklärungen für eine neue Unterkunft sind im Gange, wie die Stadt Luzern auf Anfrage sagt. Abklärungen für eine Anschlusslösung in der Stadt Luzern laufen und würden schon bald kommuniziert.

Eine Übersicht der Herkunftsländer der 952 Personen. Die meisten Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich stammen aus Eritrea.

Eine Übersicht der Herkunftsländer der 952 Personen. Die meisten Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich stammen aus Eritrea.

(Bild: zvg)

 

Stadt schafft Stellen für Flüchtlinge

Zum SP-Postulat bezüglich Integrationspolitik meinte Sozialdirektor Merki: «Die Stadt Luzern hat seit über 15 Jahren eine aktive Integrationspolitik.» Es sei eine zentrale Aufgabe der Stadt, sich um die gesellschaftliche Integration aller Einwohner zu kümmern, und zwar unabhängig vom Aufenthaltsstatus einer Person. «Dazu gehört auch der Zugang zu den Dienstleistungen der Stadt», so Merki. Spezifische Integrationsprogramme für Asylsuchende bot die Stadt bisher nicht an, da dies im Aufgabengebiet des Kantons liegen würde.

Dies wird sich ändern: «Die Stadt ist als Arbeitgeberin in der Verantwortung», schreibt der Stadtrat in der Antwort auf das Postulat. Bildungsdirektorin Ursula Stämmer (SP) führte aus: «Eine oder zwei Lehrstellen werden zukünftig gezielt an anerkannte Flüchtlinge vergeben. Dazu will die Stadt zwei bis vier Berufseinstiegsstellen für Flüchtlinge anbieten.» Und auch Beschäftigungseinsätze für Asylsuchende werden weitergeführt oder sogar ausgeweitet. Und Stämmer sagt: «Wir wollen auch weitere Unternehmen motivieren, einen Beitrag für die Integration von Zugewanderten zu leisten.»

Informierten an der Pressenkonferenz über die Willkommenskultur in der Stadt Luzern: (v.l.) Sozialdirektor Martin Merki, Bildungsdirektorin Ursula Stämmer und Sibylle Stolz Niederberger, Integrationsbeauftragte der Stadt Luzern.

Informierten an der Pressenkonferenz über die Willkommenskultur in der Stadt Luzern: (v.l.) Sozialdirektor Martin Merki, Bildungsdirektorin Ursula Stämmer und Sibylle Stolz Niederberger, Integrationsbeauftragte der Stadt Luzern.

«Internationalität als Chance nutzen»

Die Schaffung der neuen Stellen war schon ziemlich die einzige konkrete Massnahme, die der Stadtrat in seiner Präsentation vorschlug. Ansonsten geht es vor allem darum, dass der Stadtrat über die bereits bestehenden Angebote besser informieren will. Die Integrationsbeauftragte der Stadt Luzern, Sibylle Stolz Niederberger, präsentierte, was in diesen Bereichen bisher alles lief. Zu Beginn bekräftigte sie die Vision der Integrationspolitik der Stadt Luzern: «Luzern nutzt Internationalität als Chance und pflegt ein respektvolles Zusammenleben in der Vielfalt.» Stolz machte gleich deutlich, dass es damit nicht nur um Personen aus dem Asylbereich geht, sondern um alle Zugewanderten.

Die Stadt Luzern habe vier Wirkungsziele ihrer Integrationspolitik erarbeitet, führte Stolz aus:

  • Zugewanderte fühlen sich willkomen, sind gut informiert und beteiligen sich aktiv am Gesellschaftsleben
  • Die Stadtverwaltung und die Luzerner Institutionen sind offen für Zugewanderte, nutzen deren Potenzial und fördern die Chancengleichheit
  • Integrationsangebote und -netzwerke werden wirkungsvoll unterstützt und die Erfolge sichtbar gemacht
  • Die Bevölkerung pflegt ein respektvolles Zusammenleben in der Vielfalt

 

Zu dieser viel beschriebenen Willkommenskultur gehören auch Begrüssungsveranstaltungen, mehrsprachige Informationen, viele interkulturelle Netwerke. Stolz dazu: «Und besonders zu erwähnen gilt es die Bevölkerung. In der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz kann eine aktive Willkommenskultur am besten gepflegt werden.»

Hier können Sie den Willkommensfilm der Stadt Luzern sehen:

 

Und wovon profitieren Flüchtlinge?

Stolz präzisierte das Engagement der Zivilgesellschaft in der Integrationsförderung. «Die Angebote ermöglichen deutsche Konversationen und frühe Förderungen, Begegnungen, aktive Mitwirkungen, Informationsaustausch im Alltagsleben und Ermutigung zur aktiven Teilnahme am Gesellschaftsleben», so die Integrationsbeauftragte. «Die Bereitschaft, sich solidarisch zu zeigen und konkret zu helfen, ist auch in der aktuellen Flüchtlingskrise hoch.»

Als Beispiele genannt wurden: Café International, Maihof-Treff, Frauencafé, interkulturelle Bibliothek, Treffpunkt für englischsprechende Familien, HelloWelcome, Kulturgruppe Reussbühl, Vamos a jugar Familientreffpunkt, Living in Luzern, Chor der Nationen oder Mondoj-Fussball. Diese wöchentlichen Angebote sind meist offen für alle, Anmeldungen sind kaum nötig. Hier gibt’s weitere Informationen.

Das Dringendste: Deutsch lernen. Asylsuchende bei «HelloWelcome».

Das Dringendste: Deutsch lernen. Asylsuchende bei «HelloWelcome».

(Bild: moe)

Auch diverse interkulturelle Netzwerke übernehmen betreffend Integration eine wichtige Rolle: Frauen und Männer Netzwerk, Mondoj, Autonome Schule oder das Asylnetz. «Besonders möchte ich die katholische Kirche der Stadt hervorheben, welche auch den interreligiösen Dialog fördert», lobte Stolz. «Das Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Angebote ist bei der Stadt Luzern schon lange vorhanden.»

Initiantin zeigt sich zufrieden

SP-Grossstadträtin Luzia Vetterli

SP-Grossstadträtin Luzia Vetterli

SP-Grossstadträtin Luzia Vetterli, die das Postulat namens der SP-Fraktion unterzeichnet hat, ist mit der Antwort des Stadtrats zufrieden. «Die Stadt engagiert sich stark im Bereich der Integration», so Vetterli. Positiv bewertet sie, dass die Stadt die Informationskanäle zur Bevölkerung verbessern will (siehe auch Box am Ende des Artikels). «Es gibt viele engagierte Personen, die momentan gar nicht wissen, an wen sie sich wenden können.»

Besonders wichtig sei für Flüchtlinge die Möglichkeit, zu arbeiten, meint Vetterli. Deshalb begrüsst sie die Schaffung der Lehr- und Praktikumsstellen sowie die Freiwilligeneinsätze. Denn für Vetterli ist klar: «Die meisten werden hier bleiben und unser grösstes Ziel muss sein, dass diese Personen nicht in der Sozialhilfe landen.» Laut Vetterli wäre es gar wünschenswert, die Stadt würde sich finanziell noch stärker engagieren.

Hier kann man sich melden

Die Stadt Luzern wendet sich an ihre Bevökerung:

Sie möchten sich gerne für die Integration von Zugewanderten engagieren?

Für die gesellschaftliche Integration ist die Stadt auf die Mitwirkung der Zivilgesellschaft angewiesen. Sie können sich engagieren in Ihrem Wohnumfeld, am Arbeitsplatz, in einem Integrationsangebot oder in der Einzelbegleitung:

In der Stadt Luzern gibt es viele Integrationsangebote, welche laufend Freiwillige suchen. Die Übersicht über Integrationsangebote und Treffpunkte in der Stadt Luzern finden Sie unter: www.integration.stadtluzern.ch

Längerfristige, regelmässige Einsätze mit Flüchtlingen, wie zum Beispiel Patenschaften oder Einzelbegleitungen, vermittelt die Caritas Luzern, Freiwilligenarbeit: www.caritas-luzern.ch/freiwillige

Längerfristige, regelmässige oder auch kurzfristige Einsätze im HelloWelcome – einem Treff für Flüchtlinge, Asylsuchende, MigrantInnen und Einheimische am Kauffmannweg 9 www.hellowelcome.ch

Freiwillige, die in Besuchsgruppen in den Asylzentren der Stadt Luzern mitwirken wollen, können sich bei Bernadette Inauen melden: [email protected]

Fragen zu Freiwilligenarbeit in den Asylunterkünften: [email protected]

 

Haben Sie Erfahrungen mit Freiwilligenarbeit im Asyl- und Flüchtlingsbereich? Schildern Sie diese doch an [email protected]

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