Stadt Luzern: Überbauung  Würzenbachmatte wird klar angenommen
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Das Areal der reformierten Kirche bei der Würzenbachmatte. (Bild: bic)

Ja zur Revision der Bau- und Zonenordnung Stadt Luzern: Überbauung Würzenbachmatte wird klar angenommen

3 min Lesezeit 3 Kommentare 29.11.2020, 14:06 Uhr

Die Stadtluzerner haben der Revision der Bau- und Zonenordnung zugestimmt. Auch die Umzonung für das Bauprojekt der reformierten Kirche bei der Würzenbachmatte wurde deutlich angenommen. Während bei Stadt und der Bauherrin freude herrscht, sprechen die Gegner von einem falschen Signal für die Zukunft.

In der Stadt Luzern tritt die angepasste Bau- und Zonenordnung (BZO) in Kraft. Die Stimmbevölkerung hat der Vorlage mit 75,91 zu 44,09 Prozent klar zugestimmt. Damit dürfen insgesamt 21 Areale auf Stadtgebiet dichter und höher bebaut werden.

Ausserdem können gewöhnliche Gebäude in der Innenstadt künftig einfacher abgerissen werden. Ein Paragraph, der sich 2014 in das Reglement eingeschlichen hatte und auch den Abbruch von Garagen oder Velounterständen praktisch verunmöglichte, wurde jetzt gestrichen. Die Stimmbeteiligung war bei beiden Vorlagen mit 49,75 Prozent überdurchschnittlich.

Grünes Licht für 30 Alterswohnungen

Aufatmen kann man auch bei der reformierten Kirche Luzern. Der Umzonung ihres Grundstücks an der Würzenbachmatte wurde ebenfalls zugestimmt. 63,04 Prozent Ja-Stimmen stehen 36,96 Prozent Nein-Stimmen gegenüber. Damit kann die Institution 30 preisgünstige Alterswohnungen realisieren. Der Mietzins wird zehn Prozent unter dem quartierüblichen Preisniveau liegen. Diese Bedingung stellte die Stadt, damit das Areal umgezont und damit dichter bebaut werden kann.

Gegen die Pläne wehrten sich SP und Grüne. Sie verlangten, dass die Kirche nicht nur vergleichsweise günstige, sondern gemeinnützige Wohnungen baut. Sie argumentierten damit, dass auch die geplanten Wohnungen mit der Zeit teurer werden, da sich die Mietzinse am Markt orientieren, der auf eine stetige Erhöhung der Wohnungspreise in den kommenden Jahrzehnten schliessen lasse (zentraplus berichtete).

Stadtrat zeigt sich erfreut

Entsprechend erfreut zeigt sich der Stadtrat: «Er ist überzeugt, dass sie einen Mehrwert fürs Quartier schaffen. Aus Sicht des Stadtrates ist es vertretbar, dass die 30 Wohnungen der reformierten Kirchgemeinde nicht dazu beitragen, das Ziel der Initiative ‹Für zahlbaren Wohnraum› zu erreichen», heisst es in einer Mitteilung.

Denn dank den übrigen Anpassungen in der BZO würden mehr als 100 gemeinnützige Wohnungen ermöglicht. «Der Stadtrat ist zudem zuversichtlich, dass das Ziel erreicht wird, bis 2037 den Anteil gemeinnütziger Wohnungen in der Stadt Luzern auf 16 Prozent zu erhöhen», so die Regierung weiter.

Anders tönt es folglich bei der Gegnerschaft: Die Grünen begrüssen zwar, dass im Würzenbach-Quartier nun alters- und behindertengerechte Wohnungen erstellt werden. Sie bedauern jedoch den Abstimmungsentscheid, «weil er die Umsetzung des Volksauftrags für die Erhöhung des Anteils an gemeinnützigem Wohnraum erschwert», schreiben sie in einer Mitteilung.

Für die Grünen ein falsches Signal

In Bezug auf die künftige Wohnraumentwicklung ist dies ein schlechtes Signal», resümiert Parteipräsident Martin Abele. Man werde sich nun weiter dafür stark machen, dass der Volksauftrag umgesetzt wird und erwarte von der Stadtregierung, dass sie die notwendigen Schritte in ihrer Kompetenz einleitet. Hinsichtlich der Umsetzung der Initiative für bezahlbaren Wohnraum sprechen sie von einem «falschen Präjudiz».

Und die SP lässt vermelden: «Offenbar ist es dem Nein- Komitee (…) zu wenig gelungen, der Mehrheit der Bevölkerung die Unterschiede zwischen ‹preisgünstigem› und ‹gemeinnützigem› Wohnraum aufzuzeigen und sie von ihren Argumenten zu überzeugen. Nun liege es an der reformierten Kirche, ihre Versprechen einzuhalten und auf der Würzenbachmatte günstigen und somit bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Für Yannick Gauch, Co-Präsident der SP Stadt Luzern, ist klar: «Wir nehmen die reformierte Kirche beim Wort und werden das Versprechen nach günstigem Wohnraum, wenn nötig, mit aller Deutlichkeit einfordern». Es brauche jetzt einen zusätzlichen Effort um die Ziele der Initiative «Für zahlbaren Wohnraum» umzusetzen.

In der Stadt Luzern wurde auch am Sonntagmorgen noch fleissig abgestimmt. Vor dem Stadthaus herrschte zeitweise Hochbetrieb (Video):

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3 Kommentare
  1. Müller, 01.12.2020, 07:58 Uhr

    Toll so kann man aus dem kl Venedig endlich Hochhäuser mit Penthaus Wohnungen bauen, Bars Restaurant und hoffentlich ein Shopping in dem verschlafenen Würzenbach,, toll abgestimmt bravo es muss das hinterletzte übriggebliebene grün zerstört werden, Gummistiefel werden den zukünftigen Mietern Gratis Abgegeben…

  2. Rudolf, 30.11.2020, 05:36 Uhr

    „Als Kompromiss gilt nun, dass die Wohnungen mindestens 10 Prozent günstiger sein müssen als im Quartier-Durchschnitt.“

    Eine quartierübliche Miete entspricht nicht einem „Durchschnittspreis“ im Quartier. Sie muss anhand vergleichbarer Objekte im Quartier ermittelt werden, wie es das Gesetz vorschreibt, und solche Objekte gibt es im Würzenbach nicht. Quartierüblich minus 10% ist also gar nicht feststellbar. Der „Kompromiss“ ist wertlos.

  3. Rudolf, 29.11.2020, 18:56 Uhr

    Die enormen Umzonungsgewinne sollten der Stadt fairerweise durch gemeinnützigen Wohnungsbau entgolten werden. Der erste solche Fall ist bei der Würzenbachmatte eingetreten und abgelehnt werden. Das ist ein schlechtes Omen für den gemeinnützigen Wohnungsbau bei weiteren Umzonungen. Das JA ist ein falsches Signal für den in Luzern 1912 beschlossenen gemeinnützigen Wohnungsbau.

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